Die Explosionskatastrophe im Libanon

  • Katastrophenhilfe - 10.08.2020

Bei einer Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut verloren am 4. August mindestens 156 Menschen ihr Leben; mehr als 6.000 wurden verletzt und rund 300.000 obdachlos. Wie geht es den Menschen in Beirut  heute? Was ist über die Ursachen bekannt? Und wie kann man den betroffenen Menschen helfen? Alle Informationen hier im Überblick.

Die Katastrophe

Am 4. August 2020 explodierten nach offiziellen Angaben in einer offenbar ungesicherten Lagerhalle im Hafen von Beirut 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat. Wie das libanesischen Gesundheitsministerium auf seiner Facebook-Seite erklärte, wurden 158 Menschen getötet und rund 6.000 verletzt. 21 Personen werden noch vermisst (Stand: 08.08.2020). Große Teile des Hafens, Schiffe, Gebäude und Straßen wurden zerstört. Die Wucht der Explosion war so stark, dass durch die Druckwelle selbst in rund 20 Kilometern Entfernung noch Scheiben zersplitterten. Wie es genau zu der Katastrophe kommen konnte, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Zahlreiche Krankenhäuser, wegen der Corona-Pandemie bereits vorher im Ausnahmezustand, konnten keine weiteren Verletzten aufnehmen. Die Stadt wurde zum Katastrophengebiet erklärt.

Hinzu kommt, dass Beirut seit Tagen von teils gewalttätigen Protesten gegen die politische Elite des Landes erschüttert wird. Nach der Explosion drohen dem Land Hunger und andere Versorgungsengpässe. Bereits seit Monaten herrscht eine schwere wirtschaftliche wie politischen Krise.

Aktuelles

Minister: Keine Gefahr einer Brotkrise im Libanon

Im Libanon wird es nach Worten des Wirtschaftsministers der Übergangsregierung, Raoul Nehme, nicht zu einer Knappheit von Brot oder Mehl kommen. „Der Vorrat wird für vier Monate reichen", sagte er laut örtlichen Medienberichten (Mittwoch). Die Mühlen im Libanon haben laut Nehme 32.000 Tonnen Mehl gelagert; zusätzlich werde eine Lieferung von 110.000 Tonnen Mehl erwartet. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen habe weitere 17.000 Tonnen Mehl zugesagt; sie sollen in betroffenen Gebieten verteilt werden. Der monatliche landesweite Mehlverbrauch liegt nach Worten des Ministers bei 35.000 Tonnen. Beobachter hatten eine Krise befürchtet, nachdem das größte Getreidesilo des Landes bei der Explosion vom 4. August zerstört worden war. Erschwert wird die Lage durch die schwere Wirtschaftskrise im Libanon und fehlende Divisen zum Neueinkauf von Getreide. Bei der Explosion starben mindestens 171 Menschen; rund 40 gelten weiter als vermisst.

Missio München unterstützt Wiederaufbau beschädigter Schulen in Beirut

Nach der Explosionskatastrophe in Beirut unterstützt Missio München seine Projektpartner im Libanon. „Uns hat von den La Salle Brüdern jetzt ein dringender Hilferuf erreicht“, informiert Missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber kürzlich. „Die verheerende Explosion im Hafen von Beirut hat in drei Schulen, die von den Christlichen Schulbrüdern unterhalten werden, einen enormen Schaden hinterlassen. Mit einer ersten Spende von 10.000 Euro wollen wir den Wiederaufbau an den Schulen ermöglichen und natürlich auch Familien helfen, die durch die Katastrophe alles verloren haben.“

Eine der drei beschädigten Schulen, die Ecole Saint Vincent de Paul im Stadtteil Bourj Hammoud, ist Teil des gemeinsamen „Fratelli-Projekts“ der Christlichen Schulbrüder/La Salle und der Maristen in Beirut. Seit fünf Jahren unterstützen die beiden Kongregationen dort geflüchtete Kinder aus dem Irak und Syrien und ermöglichen ihnen so den Zugang zu schulischer und sozialer Bildung. „Unsere Partner in Beirut berichten von schrecklichen Zuständen“, sagt Missio-Länderreferentin Barbara Pauli. „Die Explosionskatastrophe hat die sowieso schon extrem schwierige politische und wirtschaftliche Situation im Libanon eskalieren lassen. Ohne Unterstützung von außen werden die Christlichen Schulbrüder es nicht schaffen, den Unterricht an den Schulen wiederaufzunehmen.“  

Außenminister Maas im Libanon erwartet

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wird an diesem Mittwoch zu einem Besuch im Libanon erwartet. Dort wolle er sich „ein eigenes Bild von der Lage vor Ort und den Folgen der Katastrophe machen und den Opfern und ihren Angehörigen die Solidarität und Unterstützung Deutschlands übermitteln", heißt es in einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin von Mittwoch.

Deutschland wolle die zugesagte Nothilfe in Höhe von 21,8 Millionen Euro mit den Vereinten Nationen sowie über erfahrene Hilfsorganisationen schnell und direkt zu den Menschen bringen. Die Botschaft laute, dass Deutschland die Libanesinnen und Libanesen nicht allein lasse.

Geplant sind neben einem Austausch mit den Mitarbeitenden der Deutschen Botschaft in Beirut Treffen mit Vertretern des libanesischen Zivil- und Katastrophenschutzes im Hafen der Hauptstadt sowie mit Vertretern des Libanesischen Roten Kreuzes. Ferner will Maas mit Präsident Michel Aoun zusammentreffen, um über den notwendigen Wiederaufbau des Landes nach der Explosion vom 4. August zu beraten.

Eine zentrale Forderung der Bundesregierung sind "tiefgreifende wirtschaftliche Reformen, die nun dringend eingeleitet werden müssen", um eine weitere Destabilisierung des Landes zu verhindern. Die politische Führung müsse den berechtigten Forderungen der Demonstranten Gehör schenken.

(zuletzt aktualisiert: 12.08.2020)

Die Reaktionen

Der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai hat die Opfer der Explosion im Hafen von Beirut gewürdigt. „Die Blutzeugnisse unseres Volkes in Beirut werden, so Gott will, ein Opfer für die Heimat sein und uns zur Geburt einer neuen Heimat und eines neuen Menschen führen“, sagte er gemäß einem Facebook-Beitrag des Patriarchats am Freitagabend bei einem Rosenkranzgebet an seinem Sommersitz in Dimane.

Rai betete für die Opfer der Katastrophe und ihre Familien. Er betete auch für die Heilung der Verletzten, von denen sich 120 weiterhin in kritischem Zustand befinden, sowie für die noch vermissten Menschen. Am vergangenen Sonntag forderte er auch die Einrichtung einer internationalen Untersuchungskommission zur Explosionskatastrophe. In seiner Sonntagspredigt an seinem Sommersitz in Dimane forderte er zudem die gesamte Regierung zum Rücktritt auf, wie libanesische Medien berichteten. „Es reicht nicht, wenn ein Abgeordneter hier oder ein Minister dort zurücktritt“, so Rai. Die Regierung sei nicht in der Lage, das Land vorwärts zu bringen.

Der libanesische Präsident Michel Aoun hatte Rufe nach einer internationalen Untersuchung der Katastrophe laut Berichten am Freitag als Zeitverschwendung zurückgewiesen. Gleichzeitig rief er zu rascher Hilfe für den Wiederaufbau auf. Internationale Solidarität sei dringend notwendig, da das Land bereits vor der Katastrophe mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise, der syrischen Flüchtlingskrise sowie den Auswirkungen von Covid-19 zu kämpfen hatte, sagte er laut örtlichen Medien. Die benötigte Hilfe sei groß. Sie müsse „vor dem Winter, in dem das Leiden der Bürger, insbesondere derjenigen, die kein Zuhause mehr haben, wahrscheinlich zunehmen wird“, erfolgen. Er kündigte zudem die Strafverfolgung der für die Explosion Verantwortlichen an.

Ministerpräsident Hassan Diab kündigte laut Medienberichten von Samstagabend an, sein Kabinett zur Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen aufzurufen.

Libanons Parlamentssprecher Nabih Berri berief das libanesische Parlament am Sonntag für Donnerstag zu einer unbefristeten Sitzung in den Unesco-Palast ein. Es solle „mit der Regierung über das umfangreiche Verbrechen beraten, das der Hauptstadt und den Menschen zugefügt wurde“, sagte er laut örtlichen Medien.

Papst Franziskus hat Bischöfe, Priester und Ordensleute im Libanon aufgerufen, den Menschen besonders nah zu sein. Die Explosions-Katastrophe in Beirut vom Dienstag verlange von allen, angefangen bei den Libanesen selbst, „für das Wohl dieses geliebten Landes zusammenzuarbeiten“, so der Papst bei seinem Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Er denke in diesen Tagen oft an den Libanon, sagte Franziskus. Das Land habe eine eigene Identität, geprägt durch das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Diese Koexistenz jedoch sei „im Moment sehr zerbrechlich“, mahnte der Papst. „Mit Gottes Hilfe und der loyalen Beteiligung aller“ könne das Zusammenleben aber wieder gestärkt werden. In dieser Zeit dürfe die Kirche die leidenden Menschen nicht alleine lassen und müsse, wie es bereits geschieht, weiter an ihrer Seite stehen, so Franziskus.

Auf Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron findet an diesem Sonntag eine internationale Geberkonferenz stattt, die das Land beim Wiederaufbau unterstützen soll. Zahlreiche Staaten und Organisationen haben bereits diverse Hilfen zugesagt und auch bereits geliefert.

Der libanesische Schriftsteller und Dichter Abbas Beydoun hat nach der Explosionskatastrophe in Beirut scharfe Kritik an der Regierung und dem politischen System des Landes geübt. „Man kann im Angesicht dieser Unfähigkeit und Achtlosigkeit eigentlich gar nicht mehr über einen Staat als solchen reden“, sagte er im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Das Hauptproblem des Landes sieht Beydoun im politischen System des Libanon. „Es gründet auf dem konfessionellen Proporzsystem, das politische Ämter seit dem libanesischen Bürgerkrieg an ethnisch-religiöse Gruppen verteilt. Das ist immer noch die Quelle für jegliche Form der Korruption“, so der Schriftsteller. Niemand wisse genau, wo die Macht im Land liege.

Die Krise dürfe nicht genutzt werden, „um ausländischem Einfluss in Libanon Tür und Tor zu öffnen“, betonte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung (Freitag). Es gebe im Land bereits nichtstaatliche, aus dem Ausland finanzierte Akteure wie die islamistische Hisbollah, die die Unruhen ausnutzen könnten. Von der libanesischen Regierung fordert Maas nun „echten Reformwillen“. Bislang sei ihr nicht gelungen, „die dringend benötigten Reformen im Wirtschafts- und Finanzsektor schlagkräftig anzugehen“. Schon die Corona-Pandemie habe das Land schwer getroffen; nun stünden viele Menschen „vor den Trümmern ihrer Existenz“, so der Außenminister. „Kein Land kann so eine Katastrophe alleine bewältigen“, sagte Maas.

Der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Jean-Claude Hollerich, sprach dem Libanon sein Mitgefühl aus. Die katholische Kirche in der EU stehe an der Seite des libanesischen Volkes und auch der vielen Flüchtlinge, die „in Brüderlichkeit von diesem kleinen aber großzügigen Land aufgenommen wurden“, erklärte der Luxemburger Erzbischof (Mittwochabend). Der Libanon spiele „eine Schlüsselrolle für den Frieden im gesamten Mittleren Osten“, so Hollerich. Die EU-Bischöfe begrüßten das schnelle Reagieren und die Hilfsangebote europäischer Staaten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigte sich „erschrocken und erschüttert“. Er hoffe, dass das Patriarchat und seine Einrichtungen nicht zu stark von Schäden betroffen seien, schrieb der Limburger Bischof in seinem Kondolenzbrief an den maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai.

Auch die Konferenz der Europäischen Rabbiner sprach dem Libanon volle Solidarität aus. „Alles Leben ist heilig, und es ist erschütternd zu sehen, welche verheerenden Auswirkungen diese Tragödie auf die libanesische Nation hatte“, erklärte ihr Präsident Pinchas Goldschmidt. Dass auch Israel Unterstützung anbiete, sei „ein positives Zeichen, dass vielleicht auch im schwierigen nachbarschaftlichen Verhältnis einen ersten neuen Impuls setzen kann, nachhaltig Frieden im Nahen Osten zu schaffen“, so der Moskauer Oberrabiner.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland reagierte mit Trauer und Bestürzung. „Die Muslime in Deutschland stehen in dieser schweren Zeit fest an Ihrer Seite und an der Seite des libanesischen Volkes“, hieß es im Kondolenzschreiben des Vorsitzenden Aiman Mazyek an den libanesischen Botschafter in Deutschland, Mustapha Adib-Abdul-Wahed. Der Zentralrat kündigte einen eigenen Spendenaufruf an.

So wird geholfen

Eine erste Online-Geberkonferenz fand auf Initiative Frankreichs bereits statt. Im Rahmen des Treffens kamen Soforthilfe-Zusagen in Höhe von 200 Millionen Euro zusammen, wie Außenminister Maas im Anschluss erklärte. 20 Millionen davon sollen von Deutschland getragen werden und an die Agenturen der Vereinten Nationen gehen. Katar sagte umgerechnet 42 Millionen Euro zu. An der Geberkonferenz nahmen unter anderem auch Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Chinas, der EU und der Weltbank teil. Aus den Mitteln soll der Wiederaufbau von Beirut, medizinisches Material, sowie Nahrungsmittelhilfe finanziert werden.

Caritas international stellt unterdessen 100.000 Euro für medizinische Soforthilfen bereit. In zwei Gesundheitszentren sowie mit mobilen Teams der Caritas Libanon könnten Verletzte versorgt werden, teilte die Caritas in Freiburg mit. Die beiden Caritas-Einrichtungen in Beirut seien durch die Explosionen nicht beschädigt worden. Caritas-Freiwillige seien zudem bei der Verteilung von Lebensmitteln und ersten Aufräumarbeiten beteiligt. Benötigt würden nun vor allem Medikamente. Caritas international rief zu Spenden auf.

Das Bistum Limburg und der Diözesan-Caritasverband stellten 50.000 Euro als Nothilfe für die Opfer der Katastrophe bereit. Das Geld ging an die Caritas im Libanon und soll für die Verteilung von Medikamenten und Lebensmitteln genutzt werden. „Wir alle sollten uns jetzt solidarisch zeigen und die Betroffenen in Beirut unterstützen“, betonte der Leiter der Abteilung Weltkirche der Diözese, Winfried Montz, und verwies darauf, dass das Land in den vergangenen Jahren mehr als einer Million Flüchtlingen aus Syrien geholfen habe.

Auch das Erzbistum Köln rief zur Solidarität mit dem Libanon auf und sagte 100.000 Euro Soforthilfe zu. Die Situation in dem Land sei „so verfahren und so schlimm“, wie seit dem dortigen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 nicht mehr, betonte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Noch 2017 hatte er den maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai im Libanon besucht und ihn 2015 in Köln empfangen. Der Patriarch und die anderen Kirchen hätten sich sehr deutlich auf die Seite der Menschen im Libanon gestellt und gesellschaftliche Veränderungen angemahnt.

Das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘  kündigte an, seine Projektpartner in Beirut mit 100.000 Euro zu unterstützen. In einer Pressemitteilung der Hilfswerk heißt es: „Nach der verheerenden Explosion in der vergangenen Woche im Hafen der libanesischen Hauptstadt versorgen die Partner verstärkt die zahlreich betroffenen Kinder und deren Familien und beginnen mit dem Wiederaufbau zerstörter Gebäude. Der Libanon stand Anfang des Jahres im Mittelpunkt der Aktion Dreikönigssingen 2020. Im besonders stark von der Detonation betroffenen Stadtteil Bourj Hammoud waren große Teile des Films zur Aktion und das Foto des Aktionsplakats entstanden." 

Mit der nun bereitgestellten Hilfe übernimmt die Caritas in Beirut die Grundversorgung von Kindern und deren Familien. Lebensmittel und Hygieneartikel werden verteilt, medizinische und psychosoziale Versorgung ermöglicht. Angesichts der enorm gestörten Infrastruktur in Beirut sind diese Maßnahmen zunächst in den kommenden beiden Monaten dringend notwendig. Darüber hinaus unterstützen die Sternsinger den Wiederaufbau einer Schule. Die Ordensschwestern von der Gemeinschaft der Vinzentinerinnen unterrichten dort neben libanesischen Kindern aus einkommensschwachen Familien auch Flüchtlingskinder aus Syrien und dem Irak und leisten zudem eine psychologische Betreuung der Mädchen und Jungen. Die Schule wurde durch die Explosion so stark beschädigt, dass sie nicht mehr genutzt werden kann.

Das Erzbistum Paderborn stellte nach eigenen Angaben 50.000 Euro aus seinem Katastrophenfonds für Soforthilfen in der libanesischen Hauptstadt bereit. Das Geld werde für Maßnahmen von Caritas international verwendet, teilte Erzbischof Hans-Josef Becker mit.

Ebenfalls 50.000 Euro spendete das Erzbistum Bamberg, wie es hieß. Nach den Worten von Erzbischof Dr. Ludwig Schick geht es darum, die Verwundeten zu versorgen und zerstörte Häuser und Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. „Den Toten und ihren Angehörigen gilt unser Gebet, den Verwundeten erbitten wir Genesung an Leib und Seele.“

Für die Opfer der Explosionskatastrophe in Beirut hat der Vatikan der Kirche im Libanon 250.000 Euro zur Verfügung gestellt. Wie die vatikanische Entwicklungsbehörde am Freitag mitteilte, sei diese erste Spende gedacht als Zeichen der Solidarität und Unterstützung der Papstes für die von der Katastrophe betroffenen Menschen. Darüber hinaus hätten die libanesische Caritas, Caritas Internationalis und Schwesterorganisationen mehrere Maßnahmen medizinischer Hilfe oder in Form von Notunterkünften zur Verfügung gestellt, teilte das Dikasterium mit.

Der Libanon in Schutt und Asche - Ein Interview mit Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon

So können Sie helfen

Die maronitischen Bischöfe im Libanon bitten um Gebete für die Opfer und ihre Familien, für die Genesung der Verletzten sowie dem medizinischen Personal und den Sicherheitskräften.

Caritas international hat schnelle und umfangreiche Hilfe für die Opfer der Explosionen im Hafen der libanenischen Hauptstadt Beirut angemahnt. Es gehe jetzt vor allem um medizinische Hilfe für die Verletzten, weil die Krankenhäuser überfordert seien, sagte der Leiter der katholischen Hilfsorganisation, Oliver Müller, vergangene Woche.

Zudem rief er zu Spenden auf: „Es wird auch um die Wiederherstellung von Wohnungen gehen. Da trifft es sehr viele Menschen, die überhaupt keine Möglichkeiten haben, das aus eigenen Mitteln zu schaffen.“ Müller betonte, schon vorher sei die Lage im Libanon wegen der Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie äußerst schwierig gewesen. Beirut sei nicht nur die Hauptstadt, sondern das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes: „Man muss sich schon schwere Sorgen machen, wie es mit dem Land weitergeht.“

„Wenn Menschen in Not sind, müssen wir helfen, dazu kann jeder und jede durch Spenden, Kollekten beitragen“

— Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Konferenz Weltkirche

Auch Misereor bittet um Spenden, um betroffene Projektpartner im Libanon zu unterstützen. „Vier große Krankenhäuser sind zerstört und haben keinen Strom mehr. Die Verletzten können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Mit der Zerstörung des Hafens fällt zudem ein wichtiger Infrastrukturknotenpunkt zur Versorgung des Landes weg“, schreibt Michel Constantin, Regionaldirektor der Misereor-Partnerorganisation Pontifical Mission. Durch die Explosion wurde auch ein anderer Misereor-Partner, der Flüchtlingsdienst der Jesuiten, massiv getroffen. Krankenstationen, Schulen sowie Sozialzentren seien schwer beschädigt, schreibt das Hilfswerk. „Die Partnerorganisationen setzten sich bereits vor der verheerenden Katastrophe in ihrer täglichen Arbeit dafür ein, die Grundbedürfnisse Hilfe suchender Menschen zu decken und sie mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln sowie Medikamenten zu unterstützen", heißt es weiter.

Auch Projektpartner von Missio Aachen sind von den Auswirkungen der Explosion betroffen und bitten um Unterstützung.

Missio Muenchen unterstützt den Wiederaufbau der beschädigten La Salle-Schulen in Beirut und hat hierfür einen Hilfsfonds eingerichtet.

 

Mit Material von Caritas international, KNA, Misereor und Missio Aachen