Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 05.06.2020

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  • Corona-Update - 05.06.2020

Philippinische Missio-Partner kritisieren die Corona-Politik ihrer Regierung, in Südafrika wird über die Öffnung von Kirchen gestritten und in Chile unterstützen die Bischöfe Krankenhäuser durch einen Ethik-Leitfaden. Die Corona-Kurzmeldungen des Tages.

Streit um Kirchenöffnung in Südafrika

In Südafrika spaltet die geplante Öffnung von Gotteshäusern vor dem Gipfel der Corona-Pandemie Religionsführer und Gesellschaft. Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel sollen ab kommender Woche wieder für maximal 50 Besucher öffnen dürfen. Doch die Entscheidung der Regierung in Pretoria ist umstritten.

Die katholischen Bischöfe des Landes begrüßten die Aufnahme von Geistlichen in die Kategorie der „essenziellen Dienstleister“ durch Präsident Cyril Ramaphosa. „Die Öffnung der Kirchen wird den Menschen helfen. Die Ausgangsbeschränkungen haben viele von ihnen in emotionale und spirituelle Not gebracht“, erklärte der emeritierte Erzbischof von Pretoria, William Slattery.

Klare Worte gegen die Öffnung am 1. Juni finden hingegen Südafrikas Jesuiten. Die Ordensgemeinschaft spricht angesichts der aktuellen Lage von einem „überstürzten“ und „fragwürdigen“ Schritt. Der Höhepunkt der Pandemie wird in Südafrika erst für August oder September erwartet. Derzeit ist der Schwellenstaat mit mehr als 25.000 Corona-Fällen von allen afrikanischen Ländern am stärksten betroffen. „Um unseren Glauben zu praktizieren, müssen wir jetzt keine Kirchen öffnen“, hieß es vom Jesuit Institute in Johannesburg.

Auch unter Südafrikas 58 Millionen Einwohnern sorgt die Kirchenöffnung für höchst unterschiedliche Meinungen. „Als gläubige Christin hat mich die Ankündigung geöffneter Kirchen während einer Pandemie, in der die Infizierten- und Opferzahl weiter steigt, entmutigt“, schreibt die Journalistin Kekeletso Nakeli-Dhliwayo in der Zeitung „The Citizen“. Mehrere Oppositionsparteien hingegen begrüßten den Schritt der Regierung.

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Chiles Kirche veröffentlicht Ethik-Leitfaden für Krankenhäuser

Angesichts der immer dramatischeren Corona-Lage in Chile hat Erzbischof Fernando Chomali von Santiago ein Grundsatzpapier mit dem Titel „Das Dilemma des letzten Bettes“ veröffentlicht. Es solle als ethische Richtschnur für Mitarbeiter im Gesundheitswesen dienen, hieß es am Donnerstag (Ortszeit).

Im Umgang mit dem Coronavirus könnten die Krankenhäuser zwar nichts Unmögliches leisten; es sei aber nicht hinnehmbar, wenn finanzielle Hintergründe eines Patienten über eine Behandlung entscheiden würden, schreibt Chomali in seinem zehn Punkte umfassenden Leitfaden. Die staatliche Unterstützung sei deshalb fundamental. Wenn die Krankheit unausweichlich zum Tod führe, habe der Patient das Recht auf ein würdiges Lebensende. So müssten Palliativmaßnahmen ergriffen werden, die die letzte Etappe des Lebens erträglicher machen.

Chile meldet inzwischen fast 87.000 Infektionen. Das führt den Angaben zufolge bislang zu 86 Prozent Auslastung der Krankenhausbetten; im Großraum Santiago sind laut Gesundheitsministerium sogar 95 Prozent belegt. Bei rund 3.700 Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen seien in den vergangenen 40 Tagen Infektionen festgestellt worden. Am Donnerstag meldete das südamerikanische Land mit 49 Toten einen neuen Tageshöchststand.

Angesichts dieser Zahlen könne die Einschätzung von Ethik-Komitees der Krankenhäuser eine große Hilfe sein, um therapeutische Entscheidungen zu treffen, sagte Chomali laut dem kirchlichem Portal ACI (Donnerstag Ortszeit). Jeder Patient habe ein Recht auf angemessene Behandlung.

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Weltkirche.de-Dossier

Wie gehen Staaten und Religionsgemeinschaften weltweit mit der Bedrohung durch Sars-Coronavirus 2 um? Welche Probleme verschärfen sich durch diese Pandemie? Das Corona-Dossier von weltkirche.de bietet Antworten.


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Kirche in Peru will Notleidenden mit Infrastruktur helfen

Für die Unterstützung von Notleidenden in der Corona-Zeit will die Kirche in Peru ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen. Damit solle denen geholfen werden, „die am meisten unter der Pandemie leiden“, sagte der Vorsitzende der Peruanischen Bischofskonferenz und des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM), Erzbischof Miguel Cabrejos (Trujillo), dem Sender TV Peru. In ganz Peru gebe es 1.538 Pfarreien. Jede Pfarrei habe Kapellen, Organisationen, Sozialbüros oder ein Netz von Freiwilligen. „Das sind wir bereit, zur Verfügung zu stellen.“

Bereits seit Ausbruch der Pandemie hat die Kirche einen Teil der Betroffenen mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten versorgt. Peru gilt als eines der am härtesten von der Pandemie betroffenen Länder in Lateinamerika. Offiziell wurden bislang fast 4.000 Tote und rund 135.000 Infektionen gezählt.

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Indigenen in Mexiko drohen Hunger und humanitäre Katastrophe

In Mexiko warnt das Menschenrechtszentrum Fray Bartolome de Las Casas (Frayba) vor einer humanitären Katastrophe im Süden des Landes. Betroffen sind laut einem Bericht der Tageszeitung „La Jornada“ Indigene der Tzotzil-Maya. Sie seien aufgrund von paramilitärischer Gewalt im Chiapas-Hochland vertrieben worden und nun von einer Hungersnot bedroht. Frayba forderte vom Staat einen Sofortplan, der die Lebensmittelversorgung der vertriebenen Indigenen sicherstelle. Zudem solle die Präsenz des Internationalen Roten Kreuzes helfen, ihnen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. In der wirtschaftlich schwachen Region tobt ein Kampf um Schmugglerrouten.

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Philippinen: Missio-Partner kritisiert "Unverantwortlichkeit und Unbeholfenheit der Regierung"

Das Leben in den Philippinen, besonders in Manila, ist hart aufgrund des Lockdowns, der nicht gut geplant war, schreibt Schwester Constance Tecson OSB im Corona-Blog von Missio Aachen. Die Regierung zeige ihre Unverantwortlichkeit und Unbeholfenheit im Umgang mit der Pandemie. Die Pandemie sei seit Januar bekannt, aber keine schnellen Maßnahmen seien ergriffen worden, so die Ordensfrau, die als Missions-Benediktinerin von Tutzing im Erzbistum Manila tätig ist. „Der Lockdown hätte da schon umgesetzt werden müssen, aber es wurden weiter chinesische Onlinespiele-Mitarbeiter im Land willkommen geheißen."

Die Regierung verhängte den Lockdown im März mit dem Versprechen, genug Nahrung für das Volk bereit zu stellen . Dann dauerte es aber zwei Wochen, um die Not der Armen wahrzunehmen. Dann waren es die lokalen Regierungen, die handelten, nicht die nationale, wie Schwester Constance berichtet. Auch Religionsgemeinschaften täten, was sie könnten.

Momentan werden auf den Philippinen die Regeln für die erweiterte Quarantäne strikter, militärisches Personal besetzt Kontrollpunkte. Manche Menschen, die auf der Straße nach Hilfe verlangten, würden ins Gefängnis geworfen, Helfer teils befragt und bedroht. 

„Lassen Sie uns weiter füreinander beten. Wir wissen immer noch nicht, wie lange der Lockdown anhalten wird“, schließt die Ordensfrau ihren Bericht.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Philippinen wurden im Land bereits 18.998 Personen positiv auf das Sars-Corona-Virus 2 getestet. 966 Menschen sind mit einer Covid 19-Erkrankung verstorben, 4.062 Menschen gelten als genesen.

© Text: Schwester Constance Tecson OSB / Missio / Weltkirche.de