Gottesdienste und Corona: Den Wiedereinstieg gestalten

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  • Kirche - 29.04.2020

Nach mehreren Wochen, in denen Corona-bedingt keine Gottesdienste gefeiert werden durften, überlegen Religionsgemeinschaften weltweit, wie Menschen wieder als Gemeinschaft ihren Glauben leben können, ohne damit weitere Corona-Wellen zu verursachen. Dabei kommen unterschiedliche Modelle zur Sprache – auch die Beibehaltung kürzlich entstandener Digitalformate steht zur Debatte. (aktualisiert am 04.05.2020)

Gemeindegottesdienste ja, aber mit Abstand

Viele Länder beschreiten einen Weg, der sich ähnlich auch in Deutschland abzeichnet: Mit festen Abstandsregeln in Metern oder Sitzreihen, vorgegebenen Ein- und Ausgängen, dem Verzicht auf Berührung beim Friedensgruß und der Kommunionausteilung, sowie leeren Weihwasserbecken soll das Infektionsrisiko vermindert werden. Mancherorts ist auch eine Schutzmaskenpflicht oder eine Vorabregistrierung und Einlasskontrolle am Kircheneingang im Gespräch. Einige Länder lassen Gottesdienste je nach der regionalen Entwicklung zu.

Kirche in Italien plant Temperaturmessung bei Begräbnisfeiern

Die katholischen Bischöfe in Italien planen Messungen der Körpertemperatur, um die Sicherheit der Teilnehmer von Beerdigungsfeiern zu gewährleisten. Dies ist in Bestimmungen der Italienischen Bischofskonferenz zu lesen, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern, müsse "die Messung der Körpertemperatur durch einen Sicherheitsbeauftragten mit einem digitalen Thermometer oder einem Thermoscanner" garantiert werden, heißt es. Der Zugang für Personen mit einer Körpertemperatur über 37,5 Grad sei verboten.

Nach dem umfassenden Corona-Lockdown in Italien sind ab dem 4. Mai Beerdigungsfeiern mit bis zu 15 nahen Angehörigen unter strengen Seuchenschutzvorkehrungen erlaubt. Die Anwesenden müssen Schutzkleidung tragen und einen Sicherheitsabstand einhalten. Öffentliche Gottesdienste bleiben bis auf weiteres untersagt. Die Bischofskonferenz verhandelt derzeit mit der italienischen Regierung über eine Lockerung des Verbots in den nächsten Wochen.

Griechenland: Öffentliche Gottesdienste ab Mitte Mai

Griechenland lässt ab 17. Mai wieder öffentliche Gottesdienste zu. Das kündigte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Dienstagabend in einer Fernsehansprache zur Corona-Pandemie an. Bereits ab kommenden Montag dürfen demnach Gläubige wieder Kirchen betreten und beten.

Der Regierungschef dankte der orthodoxen Kirche für ihre Zusammenarbeit und ihr Verständnis für die notwendigen Einschränkungen gerade zu Ostern. Künftig könnten Gottesdienste nur unter strengen Auflagen gefeiert werden, die gemeinsam mit den Bischöfen und Wissenschaftlern abgestimmt würden.

10 Quadratmeter Raumfläche pro Person in Österreich

In Österreich sollen ab 15. Mai wieder öffentliche Gottesdienste möglich sein. Pro Teilnehmer müssen laut jüngster Aktualisierung 10 Quadratmeter der Gesamtfläche des Raumes zur Verfügung stehen. Die rund 3.000 Quadratmeter Fläche des Stephansdoms erlauben also künftig 300 Teilnehmer; normalerweise fasst er bis zu 5.000 Personen. Im Linzer Mariendom mit seinen 4.300 Quadratmetern können rechnerisch 430 Personen teilnehmen.

Tschechien: Ab 8. Juni normale Gottesdienste

Seit Wochenbeginn sind in Tschechien wieder bis zu 15 Personen pro Gottesdienst erlaubt. Ab Freitag (1. Mai) sollen 30 Personen und ab 25. Mai 50 zugelassen werden. Ab 8. Juni sollen die Kirchen laut Ankündigung der Regierung wieder für alle geöffnet sein.

Schweiz: Beerdigungen im Familienkreis mit Schutzkonzept

Die Schweizer Regierung (Bundesrat) hat eine schrittweise Lockerung in drei Etappen angekündigt. Seit Montag (27. April) sind zunächst Beerdigungen im Familienkreis mit Schutzkonzept wieder gestattet. Mögliche Termine zur Freigabe von Gottesdiensten sind der 11. Mai oder der 8. Juni. Die Schweizer Bischofskonferenz hat bereits ein entsprechendes Rahmenschutzkonzept erlassen. So soll der Zugang auf maximal ein Drittel der ordentlichen Besucherkapazität des Gotteshauses begrenzt werden. In jedem Fall muss jeder Teilnehmer mindestens vier Quadratmeter Freifläche haben.

Spanien: Gottesdienste ab 11. Mai unter Auflagen

Im Zuge der Lockerungen der Corona-Ausgangssperren können in Spanien ab dem 11. Mai wieder Gottesdienste stattfinden. Das kündigte Ministerpräsident Pedro Sanchez am Dienstag in einer Fernsehansprache an. Der Regierungschef stellte allerdings klar, dass diese Gottesdienste nur mit einer begrenzten Zahl an Gläubigen gefeiert werden könnten und unter Garantien für einen Mindest-Sicherheitsabstand unter den Teilnehmern.

Sanchez teilte die schrittweise Lockerung des Alarmzustands und der strikten Ausgangssperren in vier Phasen ein, um bis Ende Juni zu einer „neuen Normalität“ zurückkehren zu können. In der zweiten Phase, die ab dem 11. Mai starten soll, sind wieder Gottesdienste erlaubt, wobei aber nur 30 Prozent der Platzkapazitäten benutzt werden dürfen.

In der dritten Phase, die zwei Wochen später beginnt, können die Kirchen bereits 50 Prozent der Plätze füllen. Bis zum 11. Mai sind alle öffentlichen religiösen Zeremonien in Spanien untersagt. Bisher finden in vielen Gemeinden Gottesdienste ohne Teilnehmer statt, die live in sozialen Medien und im Fernsehen übertragen werden.

Sanchez ergänzte, dass der Fahrplan der Lockerungsmaßnahmen allerdings nicht zeitlich fix sei. Alles hänge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Dabei könnte die Wiederaufnahme von Gottesdiensten in Spanien auch regional zeitversetzt stattfinden, da die Covid-19 Infektionszahlen je nach Region sehr schwanken und die Regionen unterschiedlich schnell die verschiedenen Lockerungsphasen erreichen könnten. Somit dürften Gottesdienste auf einigen spanischen Ferieninseln wie Mallorca oder Gran Canaria früher erlaubt werden als in schwer von der Pandemie betroffenen Regionen wie Madrid oder Katalonien.

Luxemburg plant Gottesdienste erst ab Ende Mai

Anders als die katholische Kirche in Deutschland plant das Erzbistum Luxemburg Gottesdienste erst wieder ab Ende Mai öffentliche Gottesdienste. „Wir arbeiten aktuell an einem Konzept, wie wir Gottesdienste ab der letzten Maiwoche wieder beginnen können“, sagte Kardinal Jean-Claude Hollerich (Montag).

Staatliche Einschränkungen für Gottesdienste im Zuge der Corona-Krise gibt es in Luxemburg nicht; das Erzbistum hatte eigenverantwortlich auf Gottesdienste verzichtet. Hollerich nannte es „für das Image der Kirche sehr schlecht“, sollten Menschen sich bei kirchlichen Veranstaltungen mit infizieren und zu einer weiteren Verbreitung beitragen. Die Kirche stehe für den Schutz des Lebens.

Zuvor hieß es bereits, eine schrittweise Wiederaufnahme von Gottesdiensten könne nur „im Rahmen einer allgemein positiven Entwicklung der Corona-Bekämpfung“ und begleitet von klar definierten Schutzmaßnahmen erfolgen. Erstkommunion und Firmungen sollten frühestens Mitte September angesetzt werden. Gleiches gelte für Trauungen und Taufen, für die aber Ausnahmen möglich seien. Die Erstkommunionvorbereitung erfolge bis zu den Sommerferien Mitte Juli ausschließlich online.

Die Wallfahrt zum Gnadenbild der Muttergottes in der Luxemburger Kathedrale (Muttergottes-Oktav) vom 2. bis 17. Mai findet nur per Online-Übertragung statt. Messen und Gebete sollen im Internet vom Erzbistum, RTL Luxemburg und dem „Luxemburger Wort“ übertragen werden.

Keine Einschränkungen für Gottesdienste

Während Gottesdienste in Europa mehrheitlich nur stark eingeschränkt stattfinden konnten, gab es Länder, Bundesstaaten und Regionen, in denen die gemeinsame Religionsausübung zu keinem Zeitpunkt, nur geringfügig oder aber auf freiwilliger Basis zurückgefahren wurde.

Kein Gottesdienstverbot in Teilen der Vereinigten Staaten

Keine einheitlichen Regeln für die Wiederaufnahme öffentlicher Gottesdienste gibt es in den USA, denn nur in 10 der 50 US-Bundesstaaten besteht angesichts der Corona-Pandemie ein ausdrückliches Gottesdienstverbot. Etwa ein Drittel der Bundesstaaten erlauben religiöse Veranstaltungen ohne jede Größenbeschränkung. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Pew Research Center.

Obwohl die US-Gesundheitsbehörde CDC von Gottesdiensten mit mehr als zehn Personen abrät, geben einige Bundesstaaten der Religionsausübung als „wesentlich“ den Vorrang. Damit werden Gottesdienste genauso eingestuft wie Supermärkte. Zu diesen Staaten zählen Florida, South Carolina und Tennessee. Unklar ist die Regelung in Kentucky, das Massenveranstaltungen zwar verbietet, aber keine ausdrücklichen Vorgaben über die Teilnehmerzahl nennt.

In mehreren Bundesstaaten haben sich in den vergangenen Wochen religiöse Führer über die behördlichen Sicherheitsmaßnahmen hinweggesetzt und Gottesdienste abgehalten. In Kalifornien verklagten mehrere Kirchen Gouverneur Gavin Newsom vor einem Bundesgericht, weil sie in seinen Versammlungsverboten eine Verletzung ihres Rechts auf Religionsfreiheit sehen. Das Gericht lehnte die Klage vergangene Woche ab.

Eine Koalition schwarzer US-Kirchenführer hat dagegen die 25 Millionen Mitglieder ihrer Gemeinden angesichts erster Lockerungen in der Corona-Krise aufgefordert, auf die persönliche Teilnahme an Gottesdiensten weiter zu verzichten. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, die Pandemie sei „eine tödliche Bedrohung der Gesundheit und des Lebens unserer Menschen“. Aus diesem Grund sollten „alle schwarzen Kirchen und Geschäfte in dieser Zeit geschlossen bleiben“.

Zu den Unterzeichnern gehören die Führer mehrerer Zusammenschlüsse schwarzer Kirchen, darunter die „African Methodist Episcopal Church“, die „Church of God in Christ“ und die „National Baptist Convention of America“: Zusammen repräsentieren sie mehr als 30.000 Gemeinden. Der Aufruf wird unterstützt von Bürgerrechtlern, die um die wichtige Rolle der Kirchen im schwarzen Amerika wissen.

Afroamerikaner gehören überproportional zu den Opfern der COVID-19-Pandemie. Eine vorläufige Erhebung der Gesundheitsbehörde CDC vom 21. April zeigt, dass jeder fünfte Infizierte ein schwarzer US-Bürger ist. An der Gesamtbevölkerung machen Afroamerikaner nur 13 Prozent aus.

Rücknahme des Gottesdienstverbots bislang nicht in Sicht

In manchen Ländern gibt es bislang keine konkreten Pläne, öffentliche Gottesdienste wieder aufzunehmen.

Frankreich: Keine öffentlichen Gottesdienste vor Mitte Juni

In Frankreich sollen bis mindestens Mitte Juni keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden. Vor einer Telefonkonferenz von Religionsvertretern mit Staatspräsident Emmanuel Macron hatten die Bischöfe noch gefordert, ab 11. Mai wieder damit beginnen zu dürfen. Für Ärger sorgte zuletzt die Auflösung eines Gottesdienstes mit sieben Teilnehmern für die Sozialen Medien durch die Pariser Polizei.

In China bleiben katholische Kirchen vorerst geschlossen

In China werden Beschränkungen wegen Covid-19 seit Ende März zurückgefahren. Katholische Kirchen sind davon ausgenommen: Auf Anordnung des staatsnahen katholischen Bischofsrates und der „Patriotischen Vereinigung“ chinesischer Katholiken seien Gottesdienste und Wallfahrten den gesamten Mai über ausgesetzt, meldet der vatikanische Pressedienst Asianews (Dienstag). Auch katholische Schulen und Priesterseminare nähmen den Betrieb noch nicht wieder auf.

Landesweit wurden in China die Beschränkungen wegen Covid-19 seit Ende März zurückgefahren und sogar Anfang April in der Stadt Wuhan, wo die Pandemie ihren Ausgang nahm. Asianews zitiert aus einer Mitteilung der vom Vatikan nicht anerkannten katholischen Organisationen, Versammlungen und Pilgerfahrten hätten zu unterbleiben. Dies geschehe um der „Sicherheit und Gesundheit von Priestern und Gläubigen“ willen.

Die für den 24. Mai angesetzte jährliche Pilgerfahrt nach Sheshen, dem größten Marienwallfahrtsort Chinas, wurde vom Bistum Shanghai abgesagt.

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Seit dem ersten Auftreten im November 2019 hat sich das Virus Sars-Cov-2 weltweit ausgebreitet. Partner und Hilfswerke berichten über die aktuelle Situation.


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