Caritas: Corona verursacht soziale Katastrophe in Palästina

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  • Naher Osten - 22.04.2020

In Palästina herrschen nach Angaben der Caritas Jerusalem dramatische soziale Zustände. Schon vor der Corona-Krise habe die Armutsrate im Westjordanland bei über 40 Prozent, die Arbeitslosenrate bei über 25 Prozent gelegen; mit dem Lockdown sei die Lage für die Bevölkerung unerträglich geworden, schreibt Caritas-Direktorin Bridget Tighe in einem Brief an die in Linz ansässige Initiative Christlicher Orient (ICO), aus dem die Presseagentur Kathpress zitiert.

Die ersten Wochen des Lockdown hätten die Menschen noch mithilfe von Solidarität innerhalb der Großfamilien und mithilfe der Kirchen und Moscheen überstanden; doch nun seien die lokalen Ressourcen erschöpft. „Die Familien haben keine Ersparnisse, und die Männer können sich wegen der Ausgangssperren auch im Westjordanland nicht nach einer anderen Arbeit umsehen“, so Tighe. Dramatisch sei die Lage etwa in Bethlehem, wo die Bevölkerung fast ganz vom Tourismus lebt, der völlig eingebrochen ist.

Dazu kämen überfüllte Wohnungen; die Kinder seien wegen der Schulschließungen zuhause. Das führe noch mehr Stress und zu wesentlich mehr häuslicher Gewalt. „Die Frauen leiden am meisten unter der Situation. Sie müssen zum einen auf ihre Kinder schauen, was in den beengten Wohnverhältnissen schon schwierig genug ist; zum anderen leiden sie unter der Gewalt ihrer Männer, die oft depressiv sind, weil sie ihre Familien nicht ernähren können“, schreibt die Caritas-Direktorin.

Dringend benötigt würden Nahrungsmittelhilfen für unzählige verarmte Familien, aber auch Hygienepakete, damit sich das Virus gerade in der armen Bevölkerung nicht noch stärker ausbreitet.

Nach dem ersten Corona-Fall am 5. März in Bethlehem sei die Region völlig isoliert worden; zehn Tage später folgte das gesamte Westjordanland. Tausende Palästinenser, die sich als Tagelöhner in Israel oder Palästina verdingten, hätten mit einem Schlag ihre Arbeit verloren; ein soziales Netz gebe es nicht.

Die Caritas Jerusalem ist in Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und im Gazastreifen tätig. Sie wurde 1967 nach dem Sechs-Tage-Krieg gegründet und gehört organisatorisch zum Lateinischen Patriarchat von Jerusalem. Insgesamt profitieren im Jahr nach Angaben der katholischen Hilfsorganisation rund 30.000 Personen von ihren Aktivitäten. Die Hilfe komme Christen wie Muslimen gleichermaßen zugute.

© Text: KNA

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