Amnesty meldet 10-Jahres-Tiefstand bei Hinrichtungen weltweit

  • Menschenrechte - 21.04.2020

Erstmals in zehn Jahren hat die Anzahl der weltweit dokumentierten Hinrichtungen nach Angaben von Amnesty International die Marke von 700 deutlich unterschritten. Im vergangenen Jahr wurden demnach 657 Menschen in 20 Ländern hingerichtet, fünf Prozent weniger als im Vorjahr, wie am Dienstag aus dem jährlichen Amnesty-Bericht zur Todesstrafe hervorgeht. Negativer Ausreißer nach oben war demnach Saudi-Arabien. Auch im Irak, im Südsudan und im Jemen nahm die Zahl der Hinrichtungen zu.

„Amnesty International beobachtet mit Sorge, dass trotz der weltweit geringeren Zahl von dokumentierten Hinrichtungen, einige Länder 2019 mehr Menschen hingerichtet haben: So wurde in Saudi-Arabien die Todesstrafe auch gezielt als Waffe gegen Oppositionelle eingesetzt und wir mussten im Irak im letzten Jahr eine sprunghafte Zunahme der Hinrichtungen beobachten“, kommentierte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko, den globalen Bericht.

Die fünf Länder mit den meisten Hinrichtungen im vergangenen Jahr waren demnach China mit vermutlich tausenden Fällen, der Iran mit mindestens 251, Saudi-Arabien mit 184 dokumentierten Hinrichtungen, der Irak mit mindestens 100 Hinrichtungen und Ägypten mit mindestens 32 Fällen. China wird von Amnesty nicht in die eigentliche Statistik eingeschlossen, da seitens der Regierung keine Zahlen veröffentlicht werden. Die Menschenrechtsorganisation rechnet mit Tausenden Hinrichtungen in der Volksrepublik jährlich.

In Saudi-Arabien wurden mehrheitlich Männer und Ausländer hingerichtet, zumeist wegen Drogendelikten oder Mord. Im April des vergangenen Jahres wurden zudem in einer Massenhinrichtung 32 zuvor in der Haft gefolterte Schiiten getötet. Im Iran seien unter den Getöteten viele Minderjährige gewesen. Mangels Daten könnte es laut Amnesty auch sein, dass die Zahl der Hingerichteten im Iran deutlich höher liegt als angenommen. Im Irak hat sich die Zahl der Hinrichtungen dem Bericht zufolge nahezu verdoppelt. Die Mehrzahl der Getöteten wurden demnach wegen Anhängerschaft zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hingerichtet.

Laut Amnesty wurden im vergangenen Jahr 2.307 neue Todesurteile in 56 Ländern ausgesprochen. Das war im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 224. Insgesamt sieht Amnesty eine positive Entwicklung bei der Abschaffung der Todesstrafe. So ist sie in 142 Ländern per Gesetz oder praktisch abgeschafft. Darüber hinaus kündigte etwa der Präsident von Äquatorialguinea an, ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe zu erlassen. Auch in Kenia, Gambia, der Zentralafrikanischen Republik und Simbabwe gebe es erste Schritte in diese Richtung.

In den USA habe es in Kalifornien ein Moratorium gegeben; New Hampshire habe als 21. Bundesstaat die Todesstrafe gänzlich abgeschafft. Beeko begrüßte diesen Trend und forderte zugleich, den internationalen Druck nicht zu verringern. „Amnesty International fordert die verbleibenden Staaten auf, die Todesstrafe ohne wenn und aber abzuschaffen.“


Von Anna Mertens (KNA)

© Text: KNA

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