Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 20. April

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  • Corona-Pandemie - 20.04.2020

Das Virus Sars-Cov-2 breitet sich weiter aus. Weltweit sind die Folgen unterschiedlich; besonders hart getroffen werden die Menschen in vielen Ländern des globalen Südens, zahlreiche von ihnen mit ohnehin fragilen Gesundheitssystemen. Im Folgenden ein Überblick über die weltweite Lage am 20.04.2020.

Indien: Kirche fordert Corona-Schutz für Opfer des Gasunfalls von Bhopal

Die katholische Kirche und Bürgerrechtler in Indien fordern besondere Covid-19-Hilfen für die mehr als eine halbe Million Überlebenden der Gaskatastrophe von Bhopal. Rund 500.000 Überlebende sowie ihre Kinder und Enkel leiden auch Jahrzehnte nach dem tragischen Unfall in einer Chemiefabrik an Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen und gelten deshalb als besonders anfällig für Covid-19-Infektionen.

Die ersten Fälle von Covid-19 unter Überlebenden seien „ein ernstes Problem“, sagte der Sprecher der Erzdiözese Bhopal, Maria Stephan, dem asiatischen Pressedienst Ucanews (Freitag). Die 500.000 Überlebenden, so Pater Stephan, lebten nahe der Fabrik in Slums. „Wenn sich das Virus dort ausbreitet, wird es eine weitere Katastrophe geben.“ Die Bürgerrechtlerin und Sprecherin der Gasopfer, Rachna Dhingra, kritisierte gegenüber Ucanews die "immer noch" fehlenden Maßnahmen zur Testung und Behandlung dieser „unglücklichen Menschen“.

Bei der Katastrophe von Bhopal wurden Ende 1984 in einer Chemiefabrik des Unternehmens Union Carbide 40 Tonnen eines hochgiftigen Gases freigesetzt. Mehr als 3.000 Menschen kamen unmittelbar ums Leben; Tausende starben in den Tagen danach. Viele Tausende erblindeten, Unzählige erlitten Hirnschäden, Lähmungen, Lungenödeme, Herz-, Magen-, Nieren-, Leberleiden und Unfruchtbarkeit. Umwelt und Wasser wurden verseucht. Später kamen Fehlbildungen von Neugeborenen und Wachstumsstörungen bei Heranwachsenden hinzu.

In Madhya Pradesh waren mit Stand Freitag 938 und in der Hauptstadt Bhopal 168 der 13.000 Covid-19-Fälle Indiens gemeldet. 53 Menschen, darunter 5 Überlebende der Gaskatastrophe, starben bislang an den Folgen der Virusinfektion.

© Text: KNA

Kein Platz mehr in Leichenhallen in Ghana

Im westafrikanischen Ghana wird wegen der Corona-Krise der Platz in den Leichenhallen knapp. Immer mehr Familien weigerten sich, ihre Verstorbenen nur im kleinsten Kreis zu beerdigen, und wollten lieber warten, berichtet der ghanaische Radiosender „Joy Online“ (Donnerstag).

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, dürfen derzeit an Beerdigungen maximal 25 Personen teilnehmen. Im Großraum der Hauptstadt Accra sowie von Kumasi gilt zudem eine Ausgangssperre. Da Beerdigungen üblicherweise mehrtägige Feste mit Hunderten Teilnehmern sind, wollen viele Familien das Ende der Einschränkungen abwarten. Die Krankenhäuser fordern dazu auf, Verstorbene zügig zu bestatten.

Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität hat Ghana mit seinen 29,3 Millionen Einwohnern aktuell 604 bestätigte Fälle und gehört damit zu den am stärksten betroffenen Ländern des Kontinents. Acht Menschen sind durch das Virus gestorben.

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Corona-Krise bestimmt Osterfeiern der Kopten in Ägypten

Auch in Ägypten hat es zum Osterfest der koptischen Christen wegen der Corona-Pandemie keine öffentlichen Ostergottesdienste gegeben. Die Feierlichkeiten wurden stattdessen im Fernsehen und Radio sowie im Internet übertragen. Patriarch Tawadros II., Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, feierte den Ostergottesdienst im Wüstenkloster Anba Bischoi in Gegenwart weniger Geistlicher. Auch die rund 200 Mönche des Klosters konnten den Gottesdienst nur in der TV-Übertragung mitfeiern.

Der Vorsitzende des Medienkomitees des ägyptischen Kirchenrates, Rafic Greiche, sagte unterdessen dem Pressedienst Asianews, die Corona-Krise habe Christen und Muslime in Ägypten einander nähergebracht. So gingen vor allem die jungen Leute - Christen wie Muslime - für ältere Nachbarn einkaufen oder besorgten ihnen Medikamente.

Greiche würdigte zugleich die Entschlossenheit der ägyptischen Regierung im Kampf gegen das Corona-Virus. Die ägyptische Gesundheitsministerin Hala Zayed sei nach China gereist, um die Methoden zur Bekämpfung der Pandemie zu studieren. Die Armee habe Feldlazarette für die von der Krankheit Betroffenen eingerichtet. Auch große Infrastruktur-Vorhaben wie der Bau der neuen Verwaltungshauptstadt Neu-Kairo östlich von Kairo seien zu 90 Prozent gestoppt, weil die Baustellen „Brutstätten der Ansteckung“ seien.

In Ägypten gilt eine Ausgangssperre, Kirchen und Moscheen sind für Gottesdienste oder Freitagsgebete geschlossen. Auch muslimische Gemeinden versuchen, sich mit Live-Übertragungen zu behelfen.

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Angaben über Mitgliederzahlen schwanken zwischen acht und elf Millionen unter den rund 98 Millionen Einwohnern Ägyptens.

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Myanmar: Buddhistische Spende an Corona-Hilfsfonds des Papstes

Einer der prominentesten buddhistischen Mönche von Myanmar hat 10.000 US-Dollar (9.200 Euro) an den von Papst Franziskus eingerichteten Corona-Notfallfonds gespendet. Den Scheck habe der Mönch Sitagu Sayadaw an Erzbischof Marco Tin Win von Mandalay überreicht, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews (Freitag).

Zudem habe der buddhistische Gelehrte Säcke mit Reis, Bohnen, Zwiebeln, Bohnen und Salz sowie Speiseöl für Waisenhäuser und andere Bedürftige in der Erzdiözese Mandalay gespendet. Der Erzbischof bezeichnete den Mönch demnach als „wahren Freund“ und betonte: „Seine Spenden sind für die Menschen im ganzen Land eine Botschaft der Harmonie zwischen den Religionen.“

Der Mönch Sitagu Sayadaw hat sich über viele Jahre einen Namen als Förderer des Dialogs zwischen den Religionen gemacht. Im November 2017 traf er Papst Franziskus bei dessen Besuch in Myanmar. 2011 gab es in Rom eine Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

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Vatikan richtet Kommission zum Umgang mit Corona-Folgen ein

Der Vatikan hat eine Kommission ins Leben gerufen, die Leitlinien für den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie erarbeiten soll. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung besteht das Gremium unter Leitung des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen aus fünf Arbeitsgruppen. Aufgabe der Mitglieder sei eine umfassende Analyse über die "sozioökonomischen und kulturellen Herausforderungen der Zukunft".

Die behördenübergreifenden Arbeitskreise sollen zudem Pläne für eine wirksame Unterstützung der Ortskirchen entwerfen, die gemeinsam mit dem weltweiten Hilfsnetzwerk Caritas Internationalis gegen die Krise vorgehen könnten. Ein weiterer Schwerpunkt ist den Angaben zufolge die Erforschung der Pandemie und deren Folgen - insbesondere für Umwelt, Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit, Politik, Kommunikation und Sicherheit. Auch über die Finanzierung von Hilfsprojekten werde in den fünf Gruppen beraten.

Die Ergebnisse würden unter Federführung des vatikanischen Staatssekretariats an andere Staaten und internationale Organisationen weitergegeben, hieß es. "Wir müssen jetzt handeln und schnellstmöglich darüber nachdenken, was als nächstes passiert", sagte Kurienkardinal Peter Turkson dem Portal "Vatican News" (Mittwoch). Es gehe darum, angesichts der Krise "ein rasches und konkretes Zeichen der Unterstützung" durch den Papst und die Kirche zu setzen, so der Leiter der Entwicklungsbehörde. Die neu geschaffene Kommission werde alle Kräfte bündeln, um den Ortskirchen zu helfen und so Leben zu retten.

Darüber hinaus gelte es, Vorkehrungen für die Zeit nach der Pandemie zu treffen, betonte Turkson. Papst Franziskus sei überzeugt, dass die Menschheit vor einem "epochalen Wandel" mit gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Einschnitten stehe. Die Kirche benötige ein Konzept darüber, was sie in dieser schwierigen Zeit anbieten könne. "Wenn wir nicht über morgen nachdenken, werden wir am Ende wieder unvorbereitet sein", so der Kardinal.

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„Kirche in Not“ initiiert Gebetskette um die Welt

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ hat Orden weltweit dazu aufgerufen, für die Wohltäter des Hilfswerks, die Projektpartner und alle Betroffenen der Corona-Pandemie zu beten. Entstanden sei auf diese Weise eine Gebetskette von 46 kontemplativen Klöstern, wie das Hilfswerk am Donnerstag in München mitteilte. Darunter seien Karmelitinnen, Benediktinerinnen, Dominikanerinnen, Klarissinen sowie vier Männergemeinschaften.

Alle Klöster seien langjährige Projektpartner von „Kirche in Not“ und meist selbst in einer angespannten Situation, heißt es. Das treffe etwa für Nigeria, Burkina Faso und weitere Länder in Afrika zu, in denen Christen unter Terror und Verfolgung litten. In lateinamerikanischen und osteuropäischen Ländern hätten sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Pandemie noch verschärft. Die geistliche Solidarität aber zeige, dass die Brücke der Hilfe und der Liebe, „die wir bei ‚Kirche in Not‘ seit über 70 Jahren bauen, trägt und hält - gerade jetzt“, so Geschäftsführer Florian Ripka.

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