US-Katholiken gegen Trumps Einwanderungspolitik

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  • Flucht und Asyl - 10.09.2019

Wo es um Kritik am rigiden Umgang mit Migranten in Trumps Amerika geht, stehen die US-Katholiken in der ersten Reihe. Besonders die Trennung von Einwandererfamilien und die Internierung von Kindern erregt Protest.

Sie üben zivilen Ungehorsam, nehmen kein Blatt vor den Mund und provozieren sogar die eigene Festnahme. Eine breite Koalition katholischer Geistlicher, Ordensschwestern und Laien setzt auf eine offensive Strategie, um Aufmerksamkeit für das Schicksal von Flüchtlingsfamilien in Donald Trumps Amerika zu erzielen. Verstärkt wird der Protest durch die Wahl symbolischer Orte.

Im Juli mobilisierte die Katholiken-Koalition in Washington auf dem Kapitolshügel. Vergangene Woche demonstrierten Hunderte vor einem Gebäude der Einwanderer-Polizei ICE in Newark (New Jersey). Und am 11. Oktober planen die katholischen Aktivisten, in El Paso auf die Straße zu gehen. Die Grenzmetropole im äußersten Südwesten von Texas war Schauplatz des Terroranschlags eines weißen Extremisten Anfang August und Experimentierfeld der von Einwanderergruppen und Bürgerrechtlern als „grausam“ verurteilten Grenzpolitik der Regierung.

„Diese drakonischen Maßnahmen sind keine Lösung für unser kaputtes Einwanderungssystem.“

— Kardinal Joseph Tobin, Erzbischof von Newmark

Der Erzbischof von Washington, Wilton D. Gregory, setzte sich jetzt mit anderen hochrangigen Vertrern der US-Kirche wie Newarks Erzbischof, Kardinal Joseph Tobin, an die Spitze der Proteste. „Wir müssen tun, was wir können, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt Gregory. Kardinal Tobin nennt das Einwanderungssystem „kaputt“. Die USA sollten als Nation für eine Reform der Migrationspolitik einstehen, die darauf abziele, „Familien zu verteidigen, die menschliche Würde zu schützen und die Heiligkeit des Lebens festzuschreiben“.

Der Erzbischof von Newark forderte „Katholiken und andere Menschen guten Willens“ dazu auf, die gewählten Repräsentanten zu ermahnen, „Einwandererfamilien nicht zu politischen Faustpfändern zu machen“. Gregory und Tobin, aber auch Kardinal Blase Cupich aus Chicago, Erzbischof José H. Gómez aus Los Angeles oder Bischof Robert W. McElroy aus San Diego stehen neben den zuständigen Prälaten der katholischen Bischofskonferenz USCCB in der ersten Reihe, wenn es um die Verteidigung von Migrantenfamilien geht.

Flucht und Asyl - 09.08.2019

Rassismus hat nach Ansicht von Bischof Shelton Fabre emotionale Auswirkungen auf die gesamte US-Gesellschaft. Nach den jüngsten Schusswaffen-Attacken mit vielen Opfern seien „alle betroffen“, sagte der Bischof von Houma-Thibodaux.


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Zu dem katholischen Aktionsbündnis gehört ein breites Spektrum, von Pax Christi über diverse Vereinigungen katholischer Ordensschwestern bis hin zu der Priesterorganisation „Conference of Major Superiors of Men“. Deren Direktor für Themen, die mit sozialer Gerechtigkeit zu tun haben, Eli McCarthy, ist empört über den aus seiner Sicht unmenschlichen Umgang mit Kindern, die in Käfige gesperrt wurden.

Verstärkt wird die Sorge der katholischen Koalition durch einen Bericht des Generalinspektors des US-Gesundheitsministeriums, der die Konsequenzen der Zwangstrennung von Flüchtlingskindern von ihren Eltern untersucht hat. „Ich kann mein Herz nicht spüren“, zitiert ein Arzt die Zustandsbeschreibung eines betroffenen Kindes.

Die Studie liefert auf 48 Seiten eine vernichtende Bilanz der sogenannten „Null Toleranz“-Politik der Trump-Regierung. Sie habe Kinder ohne ihre Eltern getroffen, die unter schweren Angstzuständen litten, so die amtierende Generalinspekteurin Joanne M. Chiedi.

Die Studie basiert auf Interviews und Untersuchungen von 45 Einrichtungen in zehn US-Bundesstaaten zwischen August und September 2018, in denen Kinder interniert wurden. Insgesamt nahm die Regierung fast 9.000 Minderjährige in Gewahrsam. Mindestens 2.500 der Betroffenen seien Kinder gewesen, die US-Beamte beim Grenzübertritt von ihren Eltern trennten.

Kinderpsychiater Gilbert Klima meint, vor allem die Kinder würden dieses Trauma oftmals nicht überwinden. In einer separaten Untersuchung über die Zustände in den Lagern für Jugendliche kommen die Inspektoren des Gesundheitsministeriums zu dem Ergebnis, dass 28 der 45 Einrichtungen schlecht ausgebildetes und generell überfordertes Personal beschäftigten.

Kardinal Tobin sieht sich damit in seinem Urteil bestätigt, dass Kinder die Hauptleidtragenden der rigiden US-Migrationspolitik sind. „Diese drakonischen Maßnahmen sind keine Lösung für unser kaputtes Einwanderungssystem.“