Kirchenführer in Jerusalem fordern Schutz des christlichen Erbes

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  • Heiliges Land - 11.07.2019

Mit einem ökumenischen Gebet haben Jerusalems Kirchenführer am Donnerstag zum Schutz des christlichen Erbes aufgerufen. In einem Aufruf an Israels Präsidenten Reuven Rivlin und Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kritisierten sie Versuche radikaler Gruppen, den Status quo der Stadt zu verändern und so die christliche Präsenz zu gefährden.

Hintergrund ist die Entscheidung des obersten israelischen Gerichts vom Juni, einen umstrittenen Verkauf von drei Immobilien des griechisch-orthodoxen Patriarchats an eine rechtsgerichtete jüdische Organisation zu genehmigen.

Damit beendeten die Richter einen Rechtsstreit um ein Geschäft aus dem Jahr 2004 zwischen einem damaligen Patriarchatsangestellten und der Ateret-Cohanim-Vereinigung. Die Kirche hatte den Kaufvertrag, der 2005 zum Rücktritt von Patriarch Irinaios I. führte, gerichtlich angefochten: Das Geschäft sei ohne Genehmigung der Kirchenleitung und durch Korruption zustande gekommen.

Vertreter der Jerusalemer Kirchen, darunter der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. und Franziskanerkustos Francesco Patton, versammelten sich nun auf Initiative des griechisch-orthodoxen Patriarchats zum Gebet vor den beiden von dem Verkauf betroffenen Hotels „Imperial“ und „Petra“ unmittelbar am Jaffator zur Jerusalemer Altstadt.

Bei seiner anschließenden Ansprache im „Imperial“-Hotel dankte Theophilos den anderen Kirchenführern für ihre Solidarität. „Als Gemeinschaft der Versöhnung weigern wir uns, radikalen Gruppen zu erlauben, die Integrität und den Charakter von Jerusalems christlichem Viertel zu verwässern“, so der Grieche wörtlich. Die Christen dürften „nicht stumm bleiben, während der Zugang zu unseren Heiligen Stätten gefährdet ist und die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden geschwächt wird“.

Die Kirchen stünden vereint gegen Versuche, „Kircheneigentum durch illegale Maßnahmen zu übernehmen“, so Theophilos weiter. Für September kündigte er einen „internationalen Tag des Gebets für die christliche Gemeinschaft und das christliche Viertel in Jerusalem“ an, zu dem er Christen weltweit einlud.

Der lateinische Patriarchalvikar in Jerusalem, Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, betonte die Bedeutung des Treffens. Es gelte, „bewusst zu machen, dass es sich um eine ernste Angelegenheit handelt und dass es gilt, menschlichen und vor allem göttlichen Regeln zu folgen“.

Jüdische Organisationen haben in den vergangenen Jahren immer wieder Immobilien im christlichen oder im muslimischen Viertel der Altstadt aufgekauft. Diese werden seither meist von jüdischen Familien bewohnt. Die Christen vor Ort hatten wiederholt gegen den Verkauf von Kircheneigentum protestiert. Die griechisch-orthodoxe Kirche gehört neben dem israelischen Staat zu den größten Landbesitzern in Jerusalem.

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