
Minister Müller mit Misereor im Nordirak
Gemeinsam mit Entwicklingsminister Gerd Müller ist Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon derzeit im nordirakischen Erbil, um sich über die Lage vor Ort zu informieren und Misereor-Projekte und Partner zu besuchen. Seit Ausbruch des Syrien-Konfliktes ist die Zahl der Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern im Nordirak stetig gewachsen, seit dem brutalen Vormarsch der IS-Truppen hat sich die Situation dramatisch verschärft. Rund 1,8 Millionen Binnenvertriebene sind seither in den Nordirak gekommen, zusätzlich zu den 240.000 syrischen Flüchtlingen.
Aktualisiert: 12.07.2015
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Gemeinsam mit Entwicklingsminister Gerd Müller ist Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon derzeit im nordirakischen Erbil, um sich über die Lage vor Ort zu informieren und Misereor-Projekte und Partner zu besuchen. Seit Ausbruch des Syrien-Konfliktes ist die Zahl der Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern im Nordirak stetig gewachsen, seit dem brutalen Vormarsch der IS-Truppen hat sich die Situation dramatisch verschärft. Rund 1,8 Millionen Binnenvertriebene sind seither in den Nordirak gekommen, zusätzlich zu den 240.000 syrischen Flüchtlingen.
„Wo im Februar, als ich zuletzt in Erbil war, noch grüne Parks und Freiflächen waren, reiht sich nun Zelt an Zelt, die Menschen schlafen dicht gedrängt auf dem Boden, der bei Regen im Schlamm versinkt. Der Winter steht vor der Tür – feste Behausungen und Heizmöglichkeiten werden dringend gebraucht“, so Bröckelmann-Simon.
Hochtraumatisierte Flüchtlinge
Die syrisch-katholische Gemeinde von Bischof Boutros Moshe, der mit über 130.000 Menschen vor IS-Truppen aus Quaraquosh geflohen war, hat bislang noch auf einem Kirchengelände oder in Schulen Unterschlupf gefunden. In zwei kleinen Containern wird notdürftig, aber aufopferungsvoll, Gesundheitsversorgung geleistet – Infektionskrankheiten, aber auch Verletzungen sind häufig. Vor allem die seelischen Wunden sind kaum zu heilen: Viele Menschen haben Fürchterliches erlebt, manche von ihnen sind hochtraumatisiert.
Auch die chaldäische St. Josefs Gemeinde hat ihre Tore für Flüchtlinge geöffnet. Dort leben die Menschen dichtgedrängt unter Planen auf dem Pfarrgelände. Bischof Bashar Warda bemüht sich jetzt um längerfristige Unterbringungsmöglichkeiten, damit die Menschen den Winter überleben können. Misereor stellt jetzt weitere 250.000 Euro zur Verfügung, damit weitere winterfeste Wohncontainer und Behelfsschulen gebaut werden können.
Ende der Flüchtlingskrise nicht abzusehen
„Die Solidarität bei den Menschen ist sehr groß. Es mangelt zwar an allem, aber was da ist, wird geteilt. Auch die Aufnahmebereitschaft bei der nordirakischen Bevölkerung ist bewundernswert und steht in einem beschämenden Verhältnis zu den aktuellen Debatten in Deutschland und Europa. Misereor und andere Organisationen tun ihr Möglichstes, um den Menschen den Verbleib im Land zu ermöglichen, aber wir brauchen trotz steigender Flüchtlingszahlen in Deutschland und in Europa ein größeres Bewusstsein für die Nöte der Menschen und Aufnahmebereitschaft für diejenigen, die sich vor Gewalt und Krieg bei uns in Sicherheit bringen müssen“, so Bröckelmann-Simon. Die Bewältigung dieser Aufgabe könne nicht den Nachbarländern überlassen werden, sonst drohten weitere Konflikte in der gesamten Region.