Christlichen Schulen in Israel droht finanzieller Kollaps
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Christlichen Schulen in Israel droht finanzieller Kollaps

Bildung ‐ Die christlichen Schulen in Israel befinden sich in einer schweren Krise: Den 47 kirchlichen Privatschulen mit 33.000 Schülern und 3.000 Lehrern drohe der „finanzielle Kollaps“. Davor warnt das Lateinische Patriarchat.

Erstellt: 24.08.2016
Aktualisiert: 24.08.2016
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Die christlichen Schulen in Israel befinden sich nach Ansicht des Lateinischen Patriarchats in einer „beispiellosen Krise“. Den landesweit 47 kirchlichen Privatschulen mit 33.000 Schülern und 3.000 Lehrern drohe der „finanzielle Kollaps“, heißt es in einer Mitteilung des Lateinischen Patriarchats.

Zum einen seien die staatlichen Zuschüsse für diese Schulen in den vergangenen sechs Jahren um 45 Prozent heruntergefahren worden. Zum anderen sei das Bildungsministerium der nach einem Schulstreik vom Herbst 2015 zugesagten Nachzahlung von umgerechnet 11,4 Millionen Euro bis heute nicht nachgekommen, so der Beitrag auf der Homepage des Patriarchats von Jerusalem.

An den von Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern und Baptisten geführten Schulen werden christliche, drusische, aber auch jüdische Kinder und Jugendliche unterrichtet. Einer jetzt kurz vor Schulbeginn veröffentlichen Statistik zufolge, haben diese Privatschulen einen vergleichsweise hohen Standard. Die „Terra-Santa“-Schule in Akko gehöre in die oberste Kategorie des israelischen Bildungssystems, ein halbes Dutzend, etwa in Nazareth oder Haifa, rangiere in der zweiten Stufe.

Starke finanzielle Einschnitte

Von den 277 in der Liste erfassten Schulen seien drei Prozent christlich, während die Christen nicht einmal 1,5 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Der Staat habe nicht nur die Zuschüsse für die christlichen Schulen reduziert, er habe auch deren Möglichkeit eingeschränkt, Schulgeld von den Eltern zu erheben. Das sei doppelt belastend, so das Patriarchat.

Zwar hätten die Behörden den christlichen Privatschulen vorgeschlagen, sich ins israelische Schulsystem zu integrieren, hieß es weiter. Das hätten diese jedoch abgelehnt, aus Sorge, damit ihr Profil zu verlieren. Das Patriarchat sprach in diesem Zusammenhang von einer Ungleichbehandlung. Denn das Unterrichtsministerium bezuschusse die orthodoxen jüdischen Privatschulen vollständig – und diese würden trotzdem ihre Autonomie behalten.

Aufgrund anhaltender Budgetkürzungen und weiterer Benachteiligungen waren die christlichen Schulen im September 2015 in einen 28-tägigen Streik getreten. Nach finanziellen Zusagen des Unterrichtsministeriums kam es zu einer Einigung  und der Streik wurde beendet. Dabei handelte es sich um jene Mittel, die bislang noch nicht zur Verfügung gestellt wurden.

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