Mexikanischer Bischof will Dialog mit Drogenkartellen

  • Chilpancingo - 10.11.2021

Der mexikanische Bischof Salvador Rangel Mendoza hat zum Dialog mit Vertretern der Drogenkartelle in der von Gewalt besonders betroffenen Provinz Guerrero aufgerufen. Um zu einem friedlichen Zusammenleben zu gelangen, seien alle Teile der Gesellschaft aufgerufen, sagte Rangel Mendoza aus der Diözese Chilpancingo-Chilapa am Montag dem Portal „Excelsior“. Man müsse einen Dialog führen, um Frieden zu erreichen.

Eigene Erfahrung in solchen Gesprächen bringt der Franziskaner dabei mit: Seit Jahren trifft er immer wieder Drogenbosse und andere Führungspersonen aus der organisierten Kriminalität im Rahmen sogenannter „Pastoraler Dialoge“ (Spanisch: Diálogos pastorales). Bei solchen Dialogen, die auch in Ländern wie Kolumbien zum Einsatz kommen, treffen Bischöfe, Priester oder Ordensleute auf Personen, die für das Leid der Zivilbevölkerung mitverantwortlich sind. Mit diesen verhandeln sie nicht, denn sie sind nicht Konfliktpartei und haben dafür kein Mandat. Vielmehr hören sie zu und berichten von den Ängsten und Schmerzen der Menschen, die unter der Gewalt leiden.

Für diese Dialoge wird Bischof Rangel Mendoza immer wieder angefeindet, einige Politiker werfen ihm vor, durch Annäherung an die organisierte Kriminalität gegen Gesetze zu verstoßen. Der Oberhirte selbst, der zuletzt in seiner Osterpredigt von seinen Dialogen berichtete, widerspricht den Anschuldigungen vehement. Er habe nie mit einem Bürger oder Politiker Friedenspakte oder -übereinkommen geschlossen und werde das nicht tun, schreibt die Pressestelle der Diözese Chilpancingo in einer Stellungnahme. Es sei von ihm aber zum Wohle der Menschen in seiner Rolle als Oberhirte der Diözese auf dem Weg des Dialogs der Kontakt gesucht worden, heißt es.

Offenbar mit Erfolg: Die Zahl der Morde ist auf dem Gebiet der Diözese zurückgegangen und selbst der Regionalwahlkampf sei in diesem Jahr weitgehend friedlich verlaufen, berichtet das katholische Nachrichtenportal Vida Nueva.

Mexiko erlebte 2020 eines der blutigsten Jahre seiner Geschichte. Laut Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Geografie wurden im vergangenen Jahr 36.579 gewaltsame Tode gezählt, das entspricht einer Rate von 29 pro 100.000 Einwohner. In Mexiko tobt seit Jahren ein Krieg zwischen den Drogenkartellen, die um die Vorherrschaft im Drogenhandel, illegalen Bergbau und Menschenhandel kämpfen. Mexikos linksgerichteter Präsident Andres Manuel Lopez Obrador hat die Bekämpfung von Gewalt und Kriminalität zu einem Hauptziel seiner Amtszeit erklärt. In Teilen Mexikos werden im Konflikt zwischen Drogenmafia und staatlichen Kräften immer wieder auch Priester, Ordensleute und aktive Laien bedroht und getötet. 

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