Starkes Erdbeben in Haiti – über tausend Tote

Seismograph Erdbeben
  • Port-au-Prince - 16.08.2021

Ein schweres Erdbeben hat am Samstagmorgen (Ortszeit) Haiti erschüttert. Nach Medienberichten sind durch die Folgen des Bebens, dessen Stärke die US-Geologiebehörde USGS mit 7,2 auf der Richterskala angibt, bislang über 1.300 Menschen ums Leben gekommen.

Hintergrund

Ein Erdbeben, dessen Stärke die US-Geologiebehörde USGS mit 7,2 auf der Richterskala angab, hat am vergangenen Samstag Morgen (Ortszeit) große Teile des Karibik-Staats Haiti erschüttert. Durch die Folgen der Erdstöße sind nach Medieninformationen mindestens rund 1.300 Menschen ums Leben gekommen. Insbesondere aus den Städten Les Cayes und Jeremie werden große Schäden gemeldet. Die Menschen im Unglücksgebiet sind aufgefordert, sich von ihren Häusern fernzuhalten. Das Epizentrum lag unweit der Gemeinde Saint-Luis-du-Sud im Südwesten Haitis in rund zehn Kilometern Tiefe. Zahlreiche Hilfsorganisationen sind bereits vor Ort. Eine politische Krise im Land erschwert die Koordinierung.

Hinweis: Diese Seite wird aktualisiert bis zum 20.08.2021.

+++ Zahl der Todesopfer in Haiti steigt – Hilfslieferungen schwierig +++

17.08.2021 15:33

Die Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben in Haiti ist laut offiziellen Angaben auf 1.419 gestiegen. Das teilte die Katastrophenschutzbehörde des Karibikstaates mit. Mehr als 6.000 Menschen wurden verletzt. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen wird. Die Krankenhäuser in der besonders betroffenen Stadt Les Cayes seien überfüllt. Alle die nicht schwer verletzt seien, müssten warten, bis sie außerhalb des Hospitals behandelt werden könnten. Zahlreiche Verletzte seien aus Dörfern in die nächstgelegenen Kliniken gebracht worden. Vom Flughafen in Les Cayes würden Verletzte in die Hauptstadt Port-au-Prince ausgeflogen.

Die Lage vor Ort wird durch den Tropensturm Grace erschwert. Kliniken hätten Patienten nach dem Beben ins Freie oder in Zelte verlegen müssen; dort seien sie kaum geschützt vor den erwarteten schweren Regenfällen, hieß es.

Unterdessen erreichten erste Teams von Ärzte ohne Grenzen aus anderen Teilen des Landes die Erdbebenregionen. Sie versorgen eigenen Angaben zufolge in den drei Provinzen Grand'Anse, Nippes und Sud Verletzte und ermitteln, was die Menschen am dringendsten brauchen. Der Transport von medizinischen Teams und deren Ausrüstung sei eine der größten Herausforderungen, hieß es. Durch Erdrutsche beschädigte Straßen erschwerten Hilfslieferungen, daher sei auch der Einsatz von Schiffen und Hubschraubern geplant. Noch immer sei das ganze Ausmaß der Schäden und die Zahl der Verletzten unklar.

Die Vereinten Nationen zeigten sich nach einem Bericht der Zeitung „El Caribe“ besorgt, dass die Präsenz von bewaffneten Banden die Hilfslieferungen erschweren könnte. Über die einzige Hauptstraße, die Port-au-Prince mit dem vom Erdbeben besonders betroffenen Süden verbinde, würden sowohl nationale als auch internationale Hilfsgüter transportiert. Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore forderte alle „bewaffneten Akteure in der Region“ auf, Hilfsorganisationen bedingungslosen Zugang zu garantieren, damit die Überlebenden versorgt werden könnten.

© KNA/Tobias Käufer


+++ Haiti: Caritas international stellt 50.000 Euro Soforthilfe bereit +++

16.08.2021 14:33

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, stellt für die Erdbebenopfer in Haiti 50.000 Euro Soforthilfe bereit. Benötigt werden jetzt vor allem Nahrung und Trinkwasser, Zelte und medizinische Erstversorgung. „Aufgrund unserer Hilfen nach dem Erdbeben 2010“, sagt Claudio Moser, Referatsleiter Lateinamerika/Europa von Caritas international, „können wir vor allem in dem mit am stärksten betroffenen Département Nippes auf funktionierende Strukturen zurückgreifen.“

In Baraderes etwa, einer 30.000 Einwohner-Stadt in der 40 Prozent der Häuser zerstört sind, hat die Caritas erst vor Kurzem ein Schutzhaus eröffnet, das nun den Opfern des Erdbebens Zuflucht bietet. Auch die anderen Schutzhäuser im Département Nippes auf der Tiburon-Halbinsel haben ihre Türen geöffnet. „Zudem haben wir in Haiti in den vergangenen Jahren Projekte zur Katastrophenvorsorge auf den Weg gebracht“, sagt Claudio Moser und hofft, „dass die von uns aufgebauten Katastrophenschutz-Maßnahmen jetzt geholfen haben, Menschenleben zu retten.“

Claudio Moser, Referatsleiter Lateinamerika/Europa von Caritas international

Claudio Moser, Referatsleiter Lateinamerika/Europa

Caritas international

Die Lage vor Ort ist weiterhin chaotisch, das Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Hinzu kommt, dass starke Regenfälle die Hilfsmaßnahmen erschweren. Das Nothilfeteam der Caritas Haiti ist mobilisiert, um weitere Informationen zu sammeln und die Schäden zu eruieren. „Unsere Partner berichten uns“, so Claudio Moser, „dass es bisher insgesamt 82 Nachbeben gab, viele Menschen sind deshalb schwer traumatisiert.“

Das Erdbeben am Samstagmorgen war beinahe so stark wie das schwere Beben im Jahr 2010, bei dem ungefähr 300.000 Menschen ums Leben kamen. Die aktuellen Opferzahlen belaufen sich auf mehr als 1.300 Menschen. Hunderte Häuser wurden zerstört, tausende Familien sind betroffen. Das Beben ereignete sich nahe der Stadt Petit Trou de Nippes, 150 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt. Caritas international ist seit über zehn Jahren in der Region aktiv.

Auch andere Organisationen wie beispielsweise das Erzbistum Bamberg sowie Misereor und Adveniat haben finanzielle Hilfe für die Erdbebenopfer angekündigt.

© weltkirche.de/Caritas international

### Bundespräsident Steinmeier kondoliert Präsidenten von Haiti ###

16.08.2021 14:10

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem Interimspräsidenten der Republik Haiti, Ariel Henry, nach dem schweren Erdbeben kondoliert. „Die Nachricht von dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat mich zutiefst bestürzt. Die Bilder, die uns aus dem Süden Ihres Landes erreichen, sind erschreckend“, schreibt Steinmeier. „Ihrem ganzen Land und Ihnen wünsche ich viel Kraft bei den Rettungsarbeiten und dem Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur und Gebäude.“

© KNA

 


### Adveniat stellt 100.000 Euro Soforthilfe für Erdbebenopfer bereit ###

16.08.2021 13:38

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat stellt 100.000 Euro Soforthilfe für die Opfer des Erdbebens im Süden Haitis bereit. „Das Erdbeben hat das ärmste Land der westlichen Hemisphäre mit verheerender Wucht getroffen“, beklagt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. Man rechne damit, dass die Zahl der Toten und Verletzten in den kommenden Tagen noch massiv ansteigen werde. Von dem Erdbeben der Stärke 7,2 am Samstagmorgen sind vor allem die drei Bistümer Les Cayes, Jérémie und Anse-à-Veau et Miragoâne im Süden des Landes betroffen. „Eine Region, die sich kaum von den Auswirkungen des Hurrikans Matthew im Jahr 2016 erholt hat“, so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Haiti sei jetzt mehr denn je auf schnelle, gut koordinierte Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen. Mit großer Sorge blickt der Adveniat-Chef auf den für die nächsten 24 Stunden angekündigten Tropensturm „Grace“: „Wird die betroffene Region jetzt noch von dem Sturm heimgesucht und in dessen Folge überschwemmt, droht eine Katastrophe.“

 

Adveniat-Chef Pater Michael Heinz

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz

APSA Servizio Fotografico/Adveniat

„Das Erdbeben trifft die Bevölkerung unerwartet und verschlimmert die kritische Lebenssituation. Die gesamte Bevölkerung steht unter Schock“, berichtet Adveniat-Projektpartner Frère Lozama Jean Jeune vom Orden der Petits Frères de Sainte Thérèse de L‘Enfant Jésus. „Heute (Samstag) werden tausende Familien unter den Sternen schlafen, ohne Schutz, ohne Wasser ohne Nahrung. Das Leben der Bauern ist bedroht“, sagt der Ordensmann. „Wir appellieren an eure Solidarität zugunsten der haitianischen Bevölkerung, um ihnen in diesen schwierigen Momenten beizustehen“, lautet der Hilferuf des Ordensmanns, der gebürtig aus der Erdbebenregion stammt und viele der Betroffenen persönlich kennt. „Die Menschen haben alles verloren“, sagt Frère Lozama Jean Jeune. Im Augenblick gehe es darum, sie mit Hilfe von Adveniat mit Lebensmitteln, Wasser und Notunterkünften zu versorgen. „Mehr als zehn Mitbrüder haben Opfer unter ihren Familienangehörigen, auch meine Familie ist betroffen. Die Situation ist wirklich kritisch“, schildert der Adveniat-Partner. Mit Hilfe von Adveniat können 100 der am stärksten betroffenen Familien mit Lebensmitteln wie Wasser, Reis, Erbsen und Öl sowie Zelten durch die Ordensgemeinschaft versorgt werden.

Das Erdbeben hat laut der Haiti-Referentin von Adveniat, Soraya Jurado, eine abgelegene, dünn besiedelte Region getroffen, in der es sehr schwierig ist, Hilfe vor Ort zu bringen. Insbesondere, weil die Verbindungsstraße zwischen Les Cayes und Jérémie durch einen Erdrutsch zerstört wurde. „Adveniat ist in der Region seit mehr als 50 Jahren engagiert und kann mit seinen vielen verlässlichen Partnern wie Frère Lozama Jean Jeune dort helfen, wo die Not am größten ist“, sagt Jurado. Seit 2010 befinde sich das Land in einer teuflischen Abwärtsspirale. Ein Auslöser war das schwere Erdbeben mit 300.000 Toten im Jahr 2010. Zu den Ursachen gehören das Fehlen einer handlungsfähigen Regierung, die allgegenwärtige Korruption, Bandenkriminalität und das fehlende Gesundheitssystem angesichts der aktuell stärker aufflammenden Corona-Pandemie. „Am stärksten betroffen sind wieder die Ärmsten. Ihnen gelten jetzt unsere Anteilnahme und Solidarität. Wir lassen Haiti nicht alleine.“

HINWEIS: Das Laterinamerika-Hilfswerk Adveniat bittet um Spenden für die Betroffenen des Erdbebens. Informationen hierzu finden Sie auf adveniat.de.

© weltkirche.de/adveniat


### Zahl der Erdbebentoten in Haiti steigt auf mindestens 1.300 ###

16.08.2021 08:00

Die Zahl der Todesopfer nach dem schweren Erdbeben in Haiti ist laut offiziellen Angaben auf inzwischen mindestens 1.300 gestiegen. Das teilte die Katastrophenschutzbehörde des Karibikstaates am Sonntagabend (Ortszeit) mit. Mindestens 5.700 Menschen wurden verletzt. Experten vor Ort rechnen damit, dass sich die Zahl der Opfer noch weiter erhöhen wird. Ein Erdbeben der Stärke 7,2 am Samstag brachte Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen zum Einsturz, Teile der Infrastruktur sind dahin. Übergangs-Präsident Ariel Henry rief den Notstand aus.

Am Wochenende liefen die ersten internationalen Hilfsaktionen an. Zugleich gab es zahlreiche Hilfsappelle für den ohnehin krisengeschüttelten Karibikstaat. Papst Franziskus sagte am Sonntag im Vatikan, er hoffe, dass die internationale Gemeinschaft mit großer Solidarität die Folgen der Tragödie lindern könne. Seine Gedanken seien bei der ganzen Bevölkerung Haitis und er bete für die Toten und Verletzten.

 

 

Der lateinamerikanische Bischofsrat CELAM appellierte gemeinsam mit anderen Organisationen an die internationale Gemeinschaft, Haiti brauche Unterstützung in diesem Moment der Unsicherheit, aber auch angesichts der länger anhaltenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krise. Am 7. Juli war Präsident Jovenel Moise ermordet worden, der seit 2015 mit Unterbrechungen und zuletzt ohne Parlament an der Macht war.

Das Epizentrum des schweren Erdbebens lag unweit der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud im Südwesten Haitis, rund 140 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Erschütterungen der Stärke 7,2 waren bis nach Jamaika und die Dominikanische Republik zu spüren.

2010 hatte es auf Haiti ein Erdbeben der Stärke 7,0 gegeben, dem etwa 300.000 Menschen zum Opfer fielen, 1,5 Millionen wurden obdachlos. Im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre leben rund 4,4 Millionen der etwa 11 Millionen Haitianer unter der Armutsgrenze.

Unterdessen sind Nothilfemaßnahmen gestartet worden, darunter durch das Team von Malteser International. „Wir rechnen damit, dass das Beben verheerende Folgen haben wird“, erklärte die Organisation in Köln. Die Steinhäuser in der betroffenen Region seien sehr einfach gebaut, lokale Partnerorganisationen berichteten, dass Gebäude wie Kartenhäuser eingestürzt seien.

© KNA

### Haitis Kardinal Langlois bei Erdbeben verletzt ###

Der haitianische Kardinal Chibly Langlois (62) ist bei dem schweren Erdbeben am Samstag verletzt worden. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz des Karibikstaates sei jedoch nicht in Lebensgefahr, sagte der Haiti-Direktor der Hilfsorganisation Catholic Relief Services (CRS) dem kirchlichen Portal „ACI Prensa“. Langlois ist Bischof der besonders vom Erdbeben getroffenen südwestlichen Hafenstadt Les Cayes.

Die kirchlichen Gebäude der Diözese Les Cayes seien bei dem Beben der Stärke 7,2 teilweise schwer zerstört worden, zudem seien unter den Trümmern drei Menschen gestorben. Unter den Toten befinde sich auch ein Priester, teilte die Diözese mit. 

© KNA


Das Erdbeben vom 14.08.2021