In Dortmund: Sonderausstellung zu Kolonialismus geplant

  • Aufarbeitung - 23.02.2021

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) plant für 2023 eine großangelegte Ausstellung zum Thema Kolonialismus in Dortmund. Sie soll einerseits auf die Kolonialzeit zurückblicken und andererseits deren Bedeutung für heutigen Alltagsrassismus beleuchten, wie der LWL am Freitag in Münster mitteilte. 

Zu sehen seien etwa Lehrmaterialien, die in Westfalen-Lippe noch bis in die 70er Jahre hinein verwendet wurden und auf pseudowissenschaftlicher Kategorisierung in Rassen bauten. Auf „Völkerschauen“, auf denen Indigene zum Beispiel bestimmte Tänze vorführen mussten, hätten sich Stereotype entwickelt, die auch heute noch zu finden seien. Die Ausstellung gehe zudem auf die zwiespältige Rolle von christlichen Missionaren bei der Kolonialisierung ein.

Die Sonderausstellung soll dem LWL zufolge von Juni 2023 bis Mai 2024 in der Dortmunder Zeche Zollern gezeigt werden. Sie stehe im Zentrum eines Themenjahres, in dem sich mehrere LWL-Einrichtungen mit dem Thema Kolonialismus beschäftigen. Der Kulturausschuss habe dem Vorhaben bereits zugestimmt. Nun müsse noch der Landschaftsausschuss sein Votum abgeben.

„Die Ausstellung soll dazu ermutigen, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen und über vorherrschende Vorurteile und Stereotypen zu reflektieren“, sagte LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. „Auch will sie zu Diskussionen darüber anregen, wie koloniale Machtstrukturen, die bis zum heutigen Tage unser gesellschaftliches Leben prägen, überwunden werden können.“

So geht es nach Verbandsangaben auch um den heutigen Umgang mit dem kolonialen Erbe in Museen, um Restitutions- und Denkmaldebatten sowie um Entwicklungspolitik. Zudem werde die Rolle früherer westfälischer Industrieunternehmen, Händler und Missionare beleuchtet. Dazu werden auch Objekte aus missionsgeschichtlichen Sammlungen wie Tagebücher, Fotos, ethnografische Exponate, Reisebeschreibungen und politische Protestbriefe herangezogen. Der LWL wolle verschiedene Akteure – auch aus den ehemaligen deutschen Kolonien – in die Konzeption und das Rahmenprogramm einbinden.

© Text: KNA