Schulden Südafrikas Exil-Millionäre ihrer Heimat etwas?

  • Gerechtigkeit - 25.01.2021

Weltraumpioniere, Hollywood-Stars und Spitzensportler: Südafrika hat seinen Anteil an der Prominenz der Topverdiener. Höchste Zeit, dass die Superreichen ihrem Land etwas zurückgeben, findet manch einer.

Seit einer Woche ringen zwei Männer um den Titel „reichster Mann der Welt“. Beinahe täglich wechselten sich Amazon-Geschäftsführer Jeff Bezos (57) und Tesla-Gründer Elon Musk (49) mit dem Fall und Aufstieg ihrer Aktien auf der Liste der Superreichen ab. Einer der beiden ist Südafrikaner. Diese Tatsache löste in dessen Heimat eine Debatte aus: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gilt als arm. Doch schulden Auswanderer, die es zu Ruhm und Geld brachten, ihrem Geburtsland etwas?

„Südafrika erobert die Welt. Für mich als junger Mann ist er eine Inspiration“. So euphorisch reagierten einige Südafrikaner auf die Nachricht, dass der 1971 in Pretoria geborene Elon Musk mit 151 Milliarden Euro der neue reichste Mann der Welt ist. Musk selbst hat jedoch nur wenig für sein Geburtsland übrig. Seine Erinnerungen beschränken sich auf Schulschläger und einen gewalttätigen Vater. Entsprechend stießen auch die Forderungen einiger Südafrikaner, Musk möge seinem Geburtsland aus Armut und Arbeitslosigkeit helfen, auf Kritik. „Eine solche Verpflichtung kann nicht von seiner zufälligen Geburt hier abgeleitet werden“, meint die Ethikerin Vasti Roodt.

Mit 17 Jahren wanderte Musk nach Kanada und später in die USA aus. Er plant, mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX bis 2050 eine Million Menschen auf dem Mars anzusiedeln. So soll im Fall einer Katastrophe das Überleben der Menschheit gesichert sein. Das lässt sich Musk etwa die Hälfte seines Vermögens kosten. „Es wäre lobenswert, würde er direkt etwas für Südafrika beitragen statt durch Innovationen, die Südafrikanern gemeinsam mit dem Rest der Welt zugutekommen. Aber eine moralische Pflicht dazu hat er nach meiner Ansicht nicht“, so Roodt.

Musk ist bei weitem nicht der einzige Südafrikaner, der es im Ausland zu Ruhm und Reichtum brachte. Überrascht stellte das „Silicon Valley Business Journal“ einst fest, dass drei seiner Award-Preisträger, die Chefs führender Technologiekonzerne, in Südafrika geboren sind. Für Aufsehen sorgte zu Jahresbeginn auch Trevor Noah: Der Kabarettist aus Johannesburg moderiert seit fünf Jahren die beliebte „Daily Show“ in den USA. Nun kaufte er sich in Bel Air eine Villa mit elf Bädern, einem Fitnessraum und sechs Schlafzimmern – für 27,5 Millionen US-Dollar. Dafür müsste eine Reinigungskraft in Südafrika 9.996 Jahre arbeiten.

Immerhin haben viele der Exil-Millionäre ihre Wurzeln nicht vergessen: Noah etwa unterstützt durch seine Privatstiftung Schulen in Südafrikas Townships. „Ich habe hier eine Familie und lange darauf gewartet zurückzukommen“, erklärte auch der Tennisspieler Roger Federer (39), als er 2020 in Kapstadt landete. Die Einnahmen seines „Matches in Africa“ gegen Rafael Nadal flossen an Bildungsprojekte auf dem Kontinent. Auch Südafrika, das Geburtsland seiner Mutter, profitierte von den 2,9 Millionen Euro.

Nicht weniger engagiert ist die Hollywood-Ikone und gebürtige Südafrikanerin Charlize Theron (45). Sie unterstützt Afrika im Kampf gegen HIV/Aids. Doch sie und Trevor Noah wissen nicht nur um die aktuellen Probleme. Beide kennen auch die rassistische Vergangenheit, die 1994 mit dem Fall der Apartheid endete. Noah schilderte seine Erlebnisse als Sohn eines weißen Vaters und einer schwarzen Mutter in seiner Biografie „Born a Crime“ (Als Verbrechen geboren). Und Theron erklärte jüngst in einem Interview: „Es ist schwer, sich mit der Idee anzufreunden, dass man von einer Regierung, einer Nation und einem Land profitierte, nur weil man die richtige Hautfarbe hatte.“

Doch Norma Young, Journalistin und Buchautorin, ist skeptisch, denn: „Die Welt weiß, wie es um Südafrika steht – und mehr Fürsprecher werden kaum die Realität vor Ort ändern.“ Der Schwellenstaat verzeichnet die größte Einkommensungleichheit weltweit. Drei Millionen Südafrikaner verloren in der Corona-Pandemie ihre Jobs. Young wünscht sich vor allem Taten: „Es werden dringend Arbeitsplätze benötigt, die zumindest die Lebenshaltungskosten decken. Wenn sie mit lokalen Organisationen zusammenarbeiten, ist das für viele Auswanderer durchaus in Reichweite.“

© Text: KNA