Zank um Ghanas neue Kathedrale

  • Afrika - 04.01.2021

Mitten in Ghanas Hauptstadt Accra will Präsident Nana Akufo-Addo mit einer nationalen Kathedrale die Einheit des Landes stärken. Doch das Projekt hat Kritiker, auch aus den Reihen der Kirche.

In der Independence Avenue im Zentrum von Accra, der Hauptstadt Ghanas, stehen mehrstöckige Bank- und Geschäftsgebäude, Hotels, Behörden und das Nationaltheater. Wenn es nach dem Willen von Präsident Nana Akufo-Addo gilt – er wurde Anfang Dezember im Amt bestätigt – soll die mehrspurige Straße künftig um eine Attraktion reicher werden. Auf 5,6 Hektar will er eine nationale Kathedrale errichten lassen. „Als tief religiöse Nation schafft sie eine historische Möglichkeit, Gott ins Zentrum unserer nationalen Angelegenheiten zu stellen“, lautet seine Vision. Er verfolgt sie seit 2017, als Ghana 60 Jahre Unabhängigkeit feierte.

Vor Ort ist bis auf einen hohen Zaun um das Gelände bislang noch nichts zu sehen. Fotos zeigen aber, was die Ghanaer erwartet, wenn das Projekt des bekannten Architekten David Adjaye Obe fertig ist: eine monumentale, offene Halle in Weiß, in der 5.000 Menschen Platz haben. Ein riesiger Kirchturm, hohe Scheinwerfer und eine parkähnliche Anlage gehören ebenso dazu wie ein Bibelmuseum. Wann die Einweihung und wie hoch die Kosten sein sollen, ist noch unklar. Schätzungen liegen bei 100 bis 200 Millionen US-Dollar; sie sollen unter anderem durch Spendenkampagnen eingeworben werden.

Eins ist für Projektleiter Paul Opoku-Mensah aber sicher: Das neue Gotteshaus soll in der Tradition der alten Kathedralen Europas stehen. „Durch sie wurden neue Technologien, Kunst und Musik eingeführt. Es sind ikonenhafte Gebäude, die Pilger wie Touristen gleichermaßen anziehen.“ Opoku-Mensah ist seit 2017 verantwortlich für das Projekt und sich sicher: Es wird zum nationalen Zusammenhalt beitragen. „Unsere bisherige Infrastruktur war nicht komplett. Es braucht einen Platz für die religiösen Rituale des Staates.“

Kritiker befürchten, dass es zu stärkeren Vermischungen von Staat und Kirche kommt und das Christentum, zu dem sich mehr als 70 Prozent der Ghanaer bekennen, über den Islam gestellt wird. „Weder wollen wir eine Religion durchsetzen noch eines Tages einen Präsidenten haben, der sich auf die Bibel beruft“, betont Opoku-Mensah. „Wir wollen aber anerkennen, dass Religion ein wichtiger Teil unseres Alltags und unserer Politik ist.“

Ob es dafür ein monumentales Gebäude braucht, ist umstritten. Viele Kirchenvertreter wollen sich nicht öffentlich äußern. Zu den Skeptikern gehört Clement Kwasi Adjei, Direktor des Fachbereichs Regierungsführung, Gerechtigkeit und Frieden des Katholischen Sekretariats in Accra. „Wenn das Projekt durch Spenden finanziert wird, gut. Wenn es staatliche Mittel sind, muss man bedenken: In diesem Land sind nicht alle Christen.“ Das Geld nütze den Armen mehr, betont er. 2017 lebte knapp jeder vierte der 29,4 Millionen Einwohner unter der Armutsgrenze und hatte weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung.

Auch Abdel-Manan Abdel-Rahman, Präsident der Koalition der muslimischen Organisationen in Ghana, hat lange zu dem Projekt geschwiegen, um die guten Beziehungen zu Christen nicht zu gefährden. „Doch als eine Verbindung zu unserer nationalen Moschee geschaffen wurde, mussten wir reagieren. Wir haben deutlich gemacht, dass die Moschee weder vom Staat finanziert wurde, noch hat uns der Staat anderweitig unterstützt.“ Seiner Meinung nach hätte es elegantere Lösungen gegeben, etwa ein Begegnungszentrum für alle Religionen.

Auch gibt es in Nachbarländern Beispiele für einstige Prestigeobjekte wie die Basilika Notre Dame de la Paix von Yamoussoukro, Hauptstadt der Elfenbeinküste, die als afrikanische Antwort auf den Petersdom gebaut wurde. Die Kirche gilt heute als Fremdkörper, mit dem sich die Bevölkerung nicht identifiziert.

Die nationale Kathedrale in Nigerias Hauptstadt Abuja, ein ökumenischer Kirchenbau auf dem Gelände der Christlichen Vereinigung Nigerias (CAN), hat wenig zur Einheit des Christentums beigetragen. Dominierend sind dort Frei- und Pfingstkirchen. Die alten sogenannten Mainline Churches, zu denen neben der katholischen die anglikanische und die methodistische gehören, fühlen sich nicht vertreten.

Von Katrin Gänsler (KNA)

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