„Es gibt so viele gute Menschen. Über sie wird nur zu wenig gesprochen.“

  • Ukraine - 31.12.2020

Dank der Sternsinger aus Deutschland erhalten bedürftige Kinder und ihre Familien in der Ukraine Lebensmittel und warme Kleidung. Seit der zweiten Corona-Welle im Herbst nehmen die Hilfsersuche stark zu.

Wer ist schon gerne hilfsbedürftig? Kaum einer würde diese Frage bejahen. Nein, für die meisten Menschen ist es nicht angenehm, um Unterstützung bitten zu müssen und auf Hilfe angewiesen zu sein. Doch manchmal ist es unausweichlich, buchstäblich lebensnotwendig. Etwa dort, wo die Armut schon vor der Corona-Pandemie groß war und wo es kein gut funktionierendes Sozial- und Gesundheitswesen gibt. So etwa in der Ukraine. Das Beispielland der diesjährigen Sternsingeraktion leidet unter wirtschaftlicher Stagnation und dem Krieg im Osten. Seine Bevölkerung wurde durch das Coronavirus besonders empfindlich getroffen. Die Folgen der Pandemie verschärfen die Armut im Land erheblich. „Viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Sie sind in Not geraten, da es keine nennenswerte staatliche Unterstützung gibt“, schreibt Taras Vilyura, Priester in der westukrainischen Stadt Ivano-Frankivsk und Projektpartner der Sternsinger. In ihrer Verzweiflung wenden sich viele Menschen an die Kirche. Diese reagierte schnell: Seit März 2020 setzt sich das „Anti-Krisen-Zentrum“ des Erzbistums Ivano-Frankivsk mit Hilfe der Sternsinger aus Deutschland für besonders bedürftige Kinder und ihre Familien ein. Seit der zweiten Corona-Welle im Herbst nehmen die Hilfsersuche stark zu.

„Die Welt ist nicht ohne gute Menschen!“

„Die Menschen reagieren mit Dankbarkeit auf Hilfe und Unterstützung“, berichtet Taras Vilyura, der die Verteilung von Kleidung, Lebensmitteln und Hygieneartikeln an mehrere hundert Familien in der Stadt und den umliegenden Dörfern koordiniert. Zehn Priester und 200 Seminaristen kümmern sich um den Kauf, das Sammeln und die Verteilung der Hilfen. Geschützt durch Masken und mit dem nötigen Sicherheitsabstand nehmen die jungen Männer sich auch Zeit, mit den Menschen zu sprechen, ihre Sorgen anzuhören und mit Rat zur Seite zu stehen. „Natürlich möchte niemand als arm oder bedürftig betrachtet werden, und es fällt den Menschen manchmal schwer, Gefühle zu zeigen“, berichtet Taras Vilyura. Doch die Familien reagierten immer mit Erstaunen und Freude, wenn er ihnen sage, dass Kinder in Deutschland ihnen mit ihrer Spendenaktion helfen. „Wir vermitteln ihnen bei unseren Hausbesuchen, dass die Welt nicht ohne gute Menschen ist. Im Gegenteil: Es gibt so viele gute Menschen! Über sie wird nur zu wenig gesprochen“, so der 31-Jährige. „Die bedürftigen Menschen in unserer Region ermutigt es sehr, dass sie in dieser schwierigen Situation nicht im Stich gelassen werden.“

Mit der Pandemie wächst die Solidarität

Auch für Maria ist es eine Erleichterung, dass ihre Familie Unterstützung erfährt. Nun versucht sie, sich auf die gute Seite der gegenwärtigen Situation zu konzentrieren: „Ich habe endlich Zeit, jeden Tag mit meinem kleinen Bruder zu spielen“, sagt sie. „Er ist krank und braucht ständig Aufmerksamkeit und Hilfe.“ Überhaupt sei es schön, dass mit der Pandemie die Solidarität gewachsen sei. „Die Situation fördert mehr Aktivität, Selbstverwirklichung und gegenseitige Unterstützung. Das macht Spaß.“ Was sie sich für das Jahr 2021 wünscht? „Ich möchte, dass diese Pandemie endet, dass mein Bruder gesund wird und dass meine Eltern einen Job finden.“

Auch Taras Vilyura hofft, dass die Pandemie bald endet und die Arbeitsplätze wieder aufgebaut werden, die wegen der Quarantänebeschränkungen wegfielen. „Ein sozial verantwortliches Unternehmen soll sich darum kümmern, dass die Menschen ihr Recht auf Arbeit verwirklichen und dafür angemessen bezahlt werden“, so der Priester: „Den Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, zu arbeiten und dafür einen angemessenen Lohn zu bekommen, damit sie ihre Familien unterhalten können und nicht mehr auf unsere Hilfen angewiesen sein müssen.“ Auch für Klemens Büscher, Osteuropa-Referent im Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘, sind Lebensmittelhilfen und Kleidungsverteilung nur eine vorübergehende Notlösung, damit Kinder nicht hungern und frieren müssen. „Daher fördern wir mit den Sternsinger-Spenden in der Ukraine weiterhin vor allem Projekte, die bedürftigen Kindern und Jugendlichen eine ganzheitliche Entwicklung und Bildung ermöglichen – und damit einen Weg aus der Armut“, unterstreicht Büscher. „Denn immer noch gilt: Hilfe zur Selbsthilfe ist die beste Unterstützung.“

Sternsinger helfen während der Corona-Pandemie

Die Hilfe der Sternsinger für die Kinder in der Einen Welt kommt auch in der Corona-Pandemie in den aktuell rund 1.600 Projekten an. Das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ hat im Jahr 2020 insgesamt 37 Projekte speziell zur Bewältigung der Corona-Situation im Umfang von rund 1,87 Mio. Euro bewilligt. Denn die Folgen der weltweiten Gesundheitskrise sind für Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern besonders verheerend.

Die Fördergelder versetzen die Sternsinger-Partner in die Lage, den Kindern und deren Familien vor Ort effektiv zu helfen. Ziel der geförderten Maßnahmen ist es, den betroffenen Mädchen und Jungen in dieser schwierigen Zeit ein Stück Normalität zu ermöglichen. Der Kinderschutz steht dabei an oberster Stelle. Zu den Hilfsmaßnahmen zählen beispielsweise die psychosoziale Unterstützung von Familien, Nahrungsmittelhilfen, Aufklärungsarbeit über das Virus, Infektionsschutz, sowie digitale Lernangebote für Mädchen und Jungen.

Neben den spezifischen Corona-Nothilfen wurden die Förderschwerpunkte für viele der rund 1.600 Projekte gemeinsam mit den Partnern an die Corona-Situation angepasst.

Aktion Dreikönigssingen 2021

Das Beispielland der kommenden Aktion Dreikönigssingen 2021 ist die Ukraine.


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© Text: Verena Hanf/Kindermissionswerk