Papst verspricht auf UN-Klimagipfel Null-Emissionen bis 2050

  • Klimaschutz - 15.12.2020

Papst Franziskus hat auf dem UN-Klimagipfel am Samstag einen ökologischen Kurswechsel verlangt. Man dürfe kommenden Generationen nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft rauben, sagte das Kirchenoberhaupt bei dem virtuellen Treffen, das zum fünften Jahrestag des Paris-Abkommens Druck auf die Staats- und Regierungschefs zu mehr Klimaschutz machen sollte. UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeichnete ein düsteres Bild und rief Regierungen weltweit zu einer Verschärfung ihrer nationalen Klimaziele auf.

Papst Franziskus mahnte, die aktuelle Pandemie und der Klimawandel mit seinen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Implikationen treffe vor allem das Leben der Ärmsten und Schutzbedürftigsten. Nötig sei eine „Kultur der Fürsorge“, die die Menschenwürde und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stelle.

Über politische und technische Maßnahmen hinaus warb Franziskus für einen Bildungsprozess, um eine Kultur der „Geschwisterlichkeit und Allianz zwischen Mensch und Umwelt“ zu fördern. Er wolle die mehr als 70 Millionen Schüler und Studierende an katholischen Schulen und Universitäten weltweit durch den von ihm ins Leben gerufenen globalen Bildungspakt für ökologische Themen sensibilisieren. Weiter verwies er auf die Initiative „Economy of Francesco“, die Nachwuchs-Ökonomen und Unternehmer zu alternativen Wirtschaftsformen im Geist des Ordensgründers Franz von Assisi (1181/82-1226) zusammenbringen soll.

Das Kirchenoberhaupt sicherte zu, die Nettoemissionen des Vatikanstaats bis 2050 auf Null zu senken. Die seit Jahren laufenden Bemühungen um eine effiziente Nutzung von Wasser und Energie, nachhaltige Mobilität, Wiederaufforstung und Recycling würden verstärkt, so der Papst.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte zur Eröffnung vor einem „katastrophalen Temperaturanstieg“ um 3 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. „Fünf Jahre nach Paris gehen wir immer noch nicht in die richtige Richtung“, sagte er. Die 2015 abgegebenen Verpflichtungen reichten nicht aus, um die angezielte Eindämmung der Erderwärmung zu erreichen, und selbst diese Zusagen würden nicht erfüllt. Die Welt stehe vor einem „dramatischen Notstand“.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwies auf das Ziel der Union, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 zu senken. Europa sei bereit, mit gleichgesinnten Ländern noch ehrgeizigere Verpflichtungen einzugehen. Entwicklungsländer wolle man dabei unterstützen, wie in der EU Emissionen und Wirtschaftswachstum zu entkoppeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) führte als deutschen Beitrag den Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohleverstromung an. „Deutschland weiß um seine Verantwortung und darum, dass ehrgeizige Ziele auch ehrgeizige nationale Beiträge erfordern“, sagte sie. Neben dem Ausbau regenerativer Energien nannte sie als Maßnahmen die CO2-Bepreisung und den nationalen Emissionshandel ab 2022 für Verkehr und Wärme.

Alle Staaten müssten Klimaschutz-Investitionen finanzieren können. Dafür wolle Deutschland knapp 500 Millionen Euro bereitstellen. „Deutschland hält seine Zusage ein, seine Haushaltsmittel zur Klimafinanzierung bis 2020 auf jährlich 4 Milliarden Euro zu verdoppeln“, sagte Merkel. Auch in Zukunft werde Deutschland einen „angemessenen Beitrag“ leisten. Weiter verwies Merkel auf die Green Recovery Initiative gemeinsam mit der Weltbank, um 160 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftshilfen auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz auszurichten.

„Sich als Weltgemeinschaft ehrgeizige Ziele zu setzen, ist das eine; sie zu erreichen, das andere. Das eine wie das andere wollen wir schaffen“, sagte Merkel. Dieses Zeichen wünsche sie sich von der UN-Klimakonferenz COP 26 in Glasgow, die wegen Corona auf das kommende Jahr verschoben worden war.

Von Burkhard Jürgens (KNA)

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