Mehr Anstrengungen zum Tag gegen Gewalt gegen Frauen gefordert

  • Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen - 25.11.2020

Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November fordert das katholische Hilfswerk Misereor mehr Anstrengungen zum Schutz von Frauen. Seit der Weltfrauenkonferenz von Peking vor 25 Jahren seien zwar einige wichtige Schritte unternommen worden, sagte die Lateinamerika-Abteilungsleiterin der Organisation, Betina Beate, am Montag. Vor allem auf der Ebene der Gesetzgebung gebe es in vielen Ländern Fortschritte, doch reiche dies bei Weitem nicht aus. Nötig seien etwa noch wirksamere Gesetze und mehr Beratungsstellen. Zumal sich die Situation von Frauen durch die Corona-Krise vielerorts dramatisch verschlechtert habe.

„Vor allem häusliche Gewalt, aber auch Menschenhandel, Zwangsprostitution und Zwangsheiraten haben zugenommen“, warnte die Expertin. Eine der gefährlichsten Regionen für Frauen und Mädchen sei Lateinamerika. Hier habe „der Lockdown die Häuser vieler Frauen in ein Gefängnis der Folter und des Todes verwandelt“. In Mexiko berichte eine Beobachtungsstelle etwa von 724 Frauenmorden vom Beginn der Pandemie im Frühjahr bis zum September. Geschätzt 4.000 Kinder seien allein in der ersten Jahreshälfte zu Waisen geworden, nachdem ihre Mütter getötet wurden.

Für Deutschland forderten Frauenhaus-Verbände mehr Investitionen in den Gewaltschutz für Frauen. Bund, Länder und Kommunen sollten die Anlaufstellen verlässlich, bundeseinheitlich und angemessen finanzieren, verlangten die beiden Verbände Frauenhauskoordinierung (FHK) und die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser.

„Es ist Aufgabe des Staates, Gewalt gegen Frauen zu verhindern“, sagte FHK-Geschäftsführerin Heike Herold. „Realität ist aber, dass wir nicht einmal allen Frauen, die Schutz brauchen, einen Frauenhauspatz anbieten können.“ Es gebe seit Jahren viel zu wenig Plätze, chronische Unterfinanzierung sowie ganze Bundesländer ohne ein einziges barrierefreies Haus.

Für Frauen und Kinder, die Schutz vor Gewalt suchten, stünden bundesweit nur etwa 6.800 Frauenhausplätze zur Verfügung, hieß es. Laut der von Deutschland angenommenen sogenannten Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen müssten es aber etwa 21.000 sein. Viele der bestehenden Frauenhäuser kämpften zudem fortlaufend aus finanziellen Gründen um ihre Existenz.

Am Wochenende hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Wachsamkeit beim Schutz von Frauen vor Gewalt aufgerufen. „Wir dürfen niemals wegschauen, wenn Mädchen oder Frauen Gewalt angedroht oder gar angetan wird“, sagte sie in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. Die Zahl der Fälle steige weltweit, aber auch in Deutschland, warnte die Kanzlerin. Jede dritte Frau in Deutschland sei mindestens einmal im Leben von physischer oder sexualisierter Gewalt betroffen.

Dem Verband Frauenhauskoordinierung gehören unter anderem die beiden großen kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie sowie der Sozialdienst katholischer Frauen an.

Von Alexander Riedel (KNA)

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