Papst: Müssen sozial Ausgeschlossene in den Mittelpunkt rücken

  • Lateinamerika - 21.11.2020

Papst Franziskus will mit Blick auf die Corona-Krise in Lateinamerika sozial Ausgeschlossene in den Mittelpunkt aller Initiativen stellen. „Dort, am Rande der menschlichen Gesellschaft, müssen wir beginnen. Sonst werden wir uns verlaufen“, sagte er am Donnerstag in einer Videobotschaft an die Teilnehmer einer Onlinekonferenz.

Das Thema des Webinars lautete „Lateinamerika: Die Kirche, Papst Franziskus und die Corona-Pandemie“. Organisatoren waren die Päpstliche Kommission für Lateinamerika, die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften und der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM.

Schonungslos habe die Pandemie die sozioökonomischen Ungerechtigkeiten offengelegt, von denen ganz Lateinamerika betroffen sei, so das Kirchenoberhaupt. Die Ärmsten hätten besonders unter den Folgen zu leiden. Viele hätten keine Arbeit, keine sichere Unterkunft, um sich vor dem Virus zu schützen, kein sauberes Wasser, keine Desinfektionsmittel, keine sanitären Anlagen. „Ich glaube, dass wir uns das immer wieder einprägen müssen. Es ist die konkrete Realität“, betonte Franziskus. Hinzu komme die fortschreitende Umweltzerstörung, die den Amazonas-Regenwald bedrohe, die Lunge der gesamten Erde.

„Im Reich Gottes aber, das schon im Diesseits beginnt, gelangt das Brot zu allen Menschen“, fuhr der Papst fort. Ein intaktes gesellschaftliches Leben basiere auf den Grundsätzen des Teilens und der Zusammenarbeit, nicht auf Ausgrenzung und dem Anhäufen von Besitztümern. Diese Aspekte müssten stärker verinnerlicht werden. „Wir alle sind aufgerufen – individuell und gemeinschaftlich –, unsere Arbeit oder Mission mit Verantwortung, Transparenz und Ehrlichkeit zu vollbringen“, appellierte der 83-Jährige.

Die Pandemie habe zwar allerhand Schlechtes zum Vorschein gebracht, dennoch ermunterte der Argentinier die Völker Lateinamerikas: „Bitte, lassen wir uns nicht die Hoffnung nehmen!“ Es sei immer noch möglich, gebessert aus dieser Krise hervorzugehen. Es gebe so viele Brüder und Schwestern, die vormachten, dass man die Notlage mit Solidarität, Liebe und Nähe überwinden könne.

Der Papst nahm in seiner Videobotschaft vor allem jene in die Pflicht, die in Lateinamerika politische Verantwortung tragen. Ihre Aufgabe und Berufung sei es, das Gemeinwohl zu fördern. Keinesfalls dürften Politiker die Krise für eigene Interessen instrumentalisieren. Alle wüssten über die „Dynamik der Korruption“ Bescheid, die es in diesem Zusammenhang zu beklagen gebe.

Kritische Worte richtete Franziskus ebenso „an die Frauen und Männer der Kirche“. Auch dort gebe es interne Strukturen, die „das Evangelium wie eine echte Lepra-Krankheit befallen und töten“. Umso wichtiger sei es, hinauszugehen und gemeinsam mit allen Menschen guten Willens den Notleidenden beizustehen.

Von Alexander Pitz (KNA)

© Text: KNA