Internationale Religionskonferenz in Lindau beendet

  • Interreligiöser Dialog - 17.11.2020

Mit einem Appell zur Stärkung von Frauen im Kampf gegen Gewalt ist am Freitag die internationale Glaubenskonferenz in Lindau zu Ende gegangen. Weibliche Stimmen aus verschiedenen Religionen hätten eine neue, wichtige Wirkung in der Diplomatie; sie würden in der heutigen Welt dringend gebraucht, sagte zum Abschluss Azza Karam. Die Generalsekretärin der nach eigenen Angaben weltgrößten interreligiösen Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“ (RfP) ergänzte: „Frauen sollten verstärkt ihre Stimme erheben und hasserfüllten Reden sowie Handlungen, die auf Diskriminierung und Hass im Namen von Religion abzielen, entschieden entgegentreten.“

Gesteuert von Lindau aus und coronabedingt größtenteils virtuell, fand seit Dienstag die RfP-Versammlung „Frauen, Glaube und Diplomatie“ statt. In ihrer Ausrichtung war die vom Auswärtigen Amt finanzierte Tagung laut Veranstaltern einzigartig. Dabei kamen täglich rund 1.500 Teilnehmer aus mehreren Dutzend Ländern zusammen, um neue Wege zur Förderung des interreligiösen Dialogs zu suchen. Unter ihnen waren etwa Vertreterinnen von Christen- und Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Bahai und indigenen Religionen.

In Diskussionsrunden, Workshops und Vorträgen diskutierten sie etwa über die Bedeutung von Religion für Konfliktlösungen. Das mache regelmäßige interreligiöse Begegnungen erforderlich, hieß es. Hinsichtlich Corona appellierte RfP an Regierungen, den Dialog mit religiösen Organisationen zu suchen, um mehr Verständnis für Hygiene-Maßnahmen zu wecken und die Pandemie so besser unter Kontrolle zu bringen.

Nach der Frauen-Konferenz soll es in Lindau möglichst bald auch eine interreligiöse Jugend-Versammlung geben. Das kündigte Ulrich Schneider an, der Geschäftsführer der örtlichen Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft. Die Stiftung organisiert als RfP-Kooperationspartner unter der Marke „Ring for Peace“ interreligiöse Projekte in der Bodensee-Stadt. Schneider sagte, das Treffen solle 2021 oder später stattfinden, je nachdem, wann die Pandemie das Reisen wieder zulasse. Denn die Zusammenkunft junger Menschen solle eine mit echten Begegnungen werden, auch wenn sie durch digitale Angebote wie Streams ergänzt werden könne.

Zur Eröffnung der Konferenz am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Teilnehmer mit einem Videogruß gewürdigt: „Religionen sehen sich ja gerade auch im gemeinsamen Streben nach Frieden verbunden. Und wir wissen: Frieden ist nur dann nachhaltig, wenn Frauen am Friedensprozess beteiligt sind.“ Doch über diese Rolle von Frauen werde zu oft hinweggesehen, kritisierte die Kanzlerin. So gebe es beispielsweise zu wenige Friedensnobelpreisträgerinnen.

In Lindau hatte im August 2019 die erste RfP-Weltversammlung in Deutschland stattgefunden.

© Text: KNA