In Kamerun entführter Kardinal wieder frei

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  • Afrika - 09.11.2020

Der in Kamerun von Separatisten entführte Kardinal Christian Wiyghan Tumi ist offenbar wieder frei. Das meldete am Freitagmittag der Sender Radio France International. Weiterhin befänden sich jedoch rund zehn Menschen in der Hand der Kidnapper, darunter Sem Mbinglo, der Fon (König) von Nso, der mit dem 90 Jahre alten Kardinal zwischen Bamenda, der drittgrößten Stadt Kameruns, und Kumbo unterwegs war. Tumi habe angegeben, dass die Entführer ihm gegenüber keine Gewalt angewandt hätten. Er sei lediglich zu verschiedenen Themen befragt worden.

Der deutsche Weltkirche-Bischof Ludwig Schick äußerte sich dankbar über das Ende der Entführung des Kardinals. „Der 90-Jährige ist ein Vermittler zwischen den englisch- und französischsprachigen Landesteilen, ein hoch angesehener und mutiger Mann. Kamerun Friede und Einheit!“, twitterte der Bamberger Erzbischof mit Bildern von einem Treffen mit Tumi im Januar.

Seit mehreren Jahren steckt Kamerun in einer tiefen Krise. Die Bewohner zweier englischsprachiger Regionen fühlen sich von der frankophonen Bevölkerungsmehrheit benachteiligt. Sie fordern, in der Schule und vor Gericht Englisch statt Französisch verwenden zu können. Der Protest, 2016 befeuert durch Pläne der Zentralregierung, das Schul- und Justizsystem zu frankophonisieren, entwickelte sich zu einer Unabhängigkeitsbewegung, der die staatlichen Sicherheitskräfte mit Gewalt entgegentreten.

Inzwischen ist von 3.000 Todesopfern die Rede. Laut Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR sind mehr als 700.000 Menschen auf der Flucht. Sowohl Separatisten als auch der regulären Armee werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Tumi gehört zu den profiliertesten Vermittlern in dem Konflikt, wandte sich aber stets gegen eine Spaltung Kameruns. „Wir gehen weiter davon aus, dass wir ein Land sind“, sagte er Ende August in einem TV-Interview.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnte unterdessen vor einer Eskalation des Bürgerkriegs. Europa müsse sich engagierter für eine politische Lösung des Konflikts einsetzen. Sorge bereiten den Menschenrechtlern auch die jüngsten Übergriffe auf Schulen. Am Donnerstag kamen elf Lehrkräfte frei, die aus Grund- und Mittelschulen entführt worden waren. Mehrere Schüler sowie ein ebenfalls gekidnappter Lehrer waren bereits zuvor freigelassen worden.

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