Bericht: Heimatschutz-Dienst zieht viele Minderjährige an

  • Kinderrechte - 22.09.2020

Der neue freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz der Bundeswehr zieht einem Medienbericht zufolge viele Minderjährige an. Unter den 1.800 Interessenten, die sich zum Bewerbungsstart am 1. September gemeldet hatten, seien 339 Jugendliche unter 18 Jahren, wie die „Welt“ (Sonntag online) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linke-Bundestagsabgeordneten Norbert Müller berichtete. Damit seien 19 Prozent der Interessenten minderjährig gewesen, während die Quote an Rekruten unter 18 Jahren im Rest der Bundeswehr bei 8,5 Prozent gelegen habe.

Müller, der Vorsitzender der Kinderkommission des Bundestages ist, nannte die Zahl „alarmierend“. Im Schatten des normalen Wehrdienstes werde ein neues Rekrutierungsfeld erschlossen. Seit Jahren fordere man schon einen Rekrutierungsstopp für unter 18-Jährige.

Deutschland hatte im Jahr 2004 ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, wonach für die Streitkräfte eigentlich ein Mindestalter von 18 Jahren gilt. Die Bundeswehr macht allerdings wie einige andere Vertragsstaaten von der Ausnahmeregelung Gebrauch, auch schon 17-jährige Freiwillige zu Ausbildungszwecken zu rekrutieren – wenn die Eltern zustimmen.

In der Antwort an Müller verteidigte Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) diese Praxis. Es sei unter anderem durch eine umfassende Aufklärung und Beratung sichergestellt, dass die Bundeswehr nur 17-Jährige einstelle, „die sich eingehend mit den Anforderungen des Soldatenberufes auseinandergesetzt haben und die erforderliche Eignung aufweisen“.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, dem Hilfsorganisationen wie Unicef Deutschland und die katholische Friedensbewegung Pax Christi angehören, übte ebenfalls Kritik. „Der neue freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz ist ein Werbetrick, um gezielt junge Menschen und Minderjährige als Soldaten anzuwerben“, sagte ein Sprecher des Bündnisses, Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes. Den jungen Menschen werde vorgegaukelt, es gehe vorrangig um Hilfseinsätze bei Überschwemmungen oder Naturkatastrophen. In Wahrheit aber durchliefen die Rekruten eine herkömmliche militärische Ausbildung.

© Text: KNA