Corona-Update: Die Kurzmeldungen vom 30.07.2020

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  • Corona-Pandemie - 30.07.2020

Israels Gesundheitsbehörden vermelden einen neuen Corona-Höchststand und in Bolivien wird wegen der Pandemie erneut über eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen debattiert. Die Kurzmeldungen.

Israel meldet neuen Corona-Höchststand

In Israel hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen mit mehr als 2.000 registrierten Fällen am Dienstag einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt hätten sich 66.805 Menschen mit dem Virus infiziert, davon seien 33.377 Fälle aktiv, 315 Patienten befänden sich in ernster Situation und 490 seien gestorben, so das Gesundheitsministerium laut israelischen Medien (Mittwoch).

Die Pandemie erreichte den neuen Rekordwert am Vorabend des jüdischen Trauertags Tisha Be'Aw, an dem die Juden der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels gedenken. Er beginnt am Mittwochabend und ist, neben dem Gedenktag Yom-Kippur, für Juden der einzige 24-stündige Fasttag.

Tisha Be'Aw, der 9. Tag im jüdischen Monat Aw, gilt als der Tag, an dem der Erste Tempel im Jahr 587 vor Christus durch die Babylonier zerstört wurde, und ebenfalls der Zweite Tempel, der von König Herodes errichtet wurde. Das zentrale jüdische Heiligtum war im Jahr 70 durch den römischen Feldherrn und späteren Kaiser Titus bei der Zerstörung Jerusalems dem Erdboden gleichgemacht worden. Erhalten geblieben ist nur die westliche Umfassungs- und Stützmauer, die „Klagemauer“ oder „Western Wall“. Auf dem nach dem Sechstage-Krieg 1967 neugeschaffenen riesigen Vorplatz versammeln sich Juden zum Gebet, ganz besonders zum Sabbat und an Feiertagen.

Wegen der Pandemie ist der Zugang auch an diesem Tag streng reglementiert. Ebenso begrenzt ist die Zahl der Juden, die an diesem Tag auf die Tempelplattform hinaufsteigen, auf dem die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom stehen, und die von der islamischen Wakf-Behörde verwaltet wird.

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Dossier

Wie gehen Staaten und Religionsgemeinschaften weltweit mit der Herausforderung Covid-19 um? Das Corona-Dossier von weltkirche.de bietet Antworten.


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Streit um Wahltermin in Bolivien

Die Emotionen kochen hoch: Weil in Bolivien die überfälligen Präsidentschaftswahlen erneut verschoben werden, machen sich rechte Übergangsregierung und linke Opposition gegenseitig Vorwürfe. Fakt ist: Das Oberste Wahlgericht (TSE) verschob die Wahlen wegen der auch in Bolivien tobenden Corona-Pandemie auf den 18. Oktober. Es sei empfehlenswert, die Wahlen in einer abklingenden Phase der Pandemie durchzuführen, um Risiken zu vermeiden, begründete TSE-Vorsitzender Salvador Romero das Vorgehen.

Die Entscheidung löste wütende Proteste aus: Die Partei des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Evo Morales, die MAS, besteht darauf, dass der Urnengang wie zuletzt geplant am 6. September stattfinden soll und mobilisierte ihre Anhänger. Sie befürchtet einen Wahlbetrug. Auf ihren Plakaten waren Forderungen zu lesen wie „Wahlen jetzt, Demokratie Ja, Diktatur Nein“. Zudem steht ein Ultimatum im Raum: Würden innerhalb von 72 Stunden die Wahlen nicht wieder auf den 6. September verlegt, werde es Straßenblockaden und einen Generalstreik geben, hieß es.

In El Alto soll es nach einem Bericht der Zeitung „Pagina Siete“ auch zu Übergriffen gegen Journalisten und Fotografen gekommen sein. Einer Radioreporterin wurde das Arbeitsgerät entrissen und zerstört. „Als Arbeiter der Presse sind wir erbost über die Intoleranz und die Respektlosigkeit gegenüber uns, die wir für das Volk arbeiten“, sagte Juan Carlos Lucero, Direktor des betroffenen Radiosenders RKM.

Auch die Übergangsregierung der rechtsgerichteten Jeanine Anez kritisierte die Proteste scharf. Die Massenversammlungen inmitten der Corona-Pandemie seien ein Attentat auf die Gesundheit, sagte Minister Yerko Nunez. Er forderte die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen gegen den Spitzenkandidaten der linksgerichteten MAS, Luis Arce, aufzunehmen.

Im Lager der MAS ist der Unmut ebenfalls groß. Gewerkschaftsfunktionär Juan Carlos Huarachi von der MAS-nahen COB, dem Dachverband der bolivianischen Gewerkschaften, warf der Regierung vor, selbst für die schwierige Lage im Gesundheitssystem verantwortlich zu sein. Schuld daran seien jüngste Korruptionsfälle beim Kauf von Schutzmaterial und Beatmungsgeräten. Die Regierung kriminalisiere die Proteste, heißt es aus Reihen der MAS.

Boliviens Bischöfe hatten sich zuvor hinter eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen gestellt. Solange die Zahl der Infektionen steige, sei es nicht angemessen, Wahlen zu organisieren; das Risiko sei zu hoch, sagte der Vorsitzende der Bolivianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ricardo Centellas. Jede Maßnahme, die zu treffen sei, müsse unter dem Gesichtspunkt der Gesundheit aller Bolivianer überprüft werden, sagte Centellas laut örtlichen Medienberichten am vergangenen Wochenende.

Von Tobias Käufer (KNA)

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Solidaritätsaktion - 08.09.2020

Gäste aus der Weltkirche werden im Monat der Weltmission 2020 Corona-bedingt wohl nicht anreisen können. Dennoch sind vielerlei Solidaritätsaktionen möglich. Die Missio-Werke haben deshalb entsprechende Handreichungen veröffentlicht.

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EU liefert 1.100 Tonnen Hilfsgüter in Entwicklungsländer

Mit 45 Flügen in Entwicklungsländer hat die EU 1.100 Tonnen medizinisches Equipment im Kampf gegen das Coronavirus geliefert. „Die EU hat sich während der Coronavirus-Pandemie nicht vor weltweiter Solidarität gedrückt“, sagte der zuständige EU-Kommissar, Janez Lenarcic, am Mittwoch in Brüssel. Die Luftbrücke der EU habe einen „wirklichen Unterschied“ für die Länder mit schwachen Gesundheitssystemen gemacht, so der EU-Kommissar. Neben den Hilfsgütern seien mit den Flügen auch insgesamt 1.475 medizinische oder humanitäre Fachkräfte transportiert worden.

Von den Hilfslieferungen profitierten Länder in Afrika, Asien und Mittel- und Südamerika. Zuletzt brachte ein Flug 41 Hilfsgüter in den Südsudan.

Die EU-Kommission hatte die Luftbrücke im Mai initiiert. Helfer und Hilfsgüter sollen damit besonders an Orte gebracht werden, die nicht gut angebunden sind und in denen es wegen der Coronavirus-Pandemie zu Engpässen kommt. Die Transportkosten für die Luftbrücke werden von der EU-Kommission getragen.

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Ärzte ohne Grenzen fordern günstige Corona-Tests für Entwicklungsländer

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert günstigere Corona-Tests in Entwicklungsländern. „Diese Länder sind besonders vulnerabel“, sagte der für den Bereich Medikamentenkampagne zuständige Koordinator des Hilfswerks, Marco Alves, am Mittwoch dem Kölner Online-Portal domradio.de. „Das sind Gesundheitssysteme, die oft schon nicht ausreichend in der Lage sind, einfachere Krankheiten adäquat zu behandeln. Und das ist der denkbar schlechteste Moment für Profitmacherei.“

Das US-Unternehmen Cepheid verlange für seinen Corona-Test 19,80 Dollar in Entwicklungsländern, erklärte Alves. Berechnungen der Hilfsorganisation hätten jedoch ergeben, dass die Herstellung etwa 3 Dollar koste. Die Firma würde mit einem Preis von 5 Dollar also immer noch Gewinn erzielen.

Oft finanziere die öffentliche Hand Forschung und Entwicklung von Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika, erläuterte der Experte. „Und insbesondere jetzt bei Covid-19 ist die Bereitschaft enorm, riesige Milliardenbeträge bereitzustellen.“ Die Preise müssten diese Investitionen stärker widerspiegeln.

Alves schlug vor, schon bei der Vergabe öffentlicher Forschungsgelder festzulegen, „dass finale Produkte für alle Menschen weltweit bezahlbar zur Verfügung gestellt werden“. Zudem müssten Produzenten im globalen Süden in die Lage versetzt werden, künftige Impfstoffe, Medikamente oder Diagnostika selbst herzustellen. Alves forderte einen Technologietransfer.

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