Neun Jahre Südsudan – Helfer dringen auf Lösung von Konflikten

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  • Afrika - 09.07.2020

Zum neunten Jahrestag der Gründung des Südsudan dringen Helfer auf eine Lösung der anhaltenden Konflikte in dem Land. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen verschärfen demnach die Situation zusätzlich. Der Südsudan hatte am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan nach langen Jahren von Krieg und Gewalt erklärt.

Im Südsudan sind nach Angaben der Uno-Flüchtlingshilfe 3,9 Millionen Menschen und damit fast ein Drittel der Bevölkerung wegen anhaltender Konflikte entwurzelt – Tendenz steigend. „Damit ist es die viertgrößte Fluchtbewegung weltweit“, betonte die Organisation am Mittwoch in Bonn. „Doch Frieden ist nicht in Sicht, hinzu kommen Naturkatastrophen und Nahrungsmittelknappheit.“

Die Nothilfe sei insgesamt unterfinanziert. Das habe „katastrophale Auswirkungen“ vor allem auf Frauen und Kinder, die mehr als 80 Prozent der südsudanesischen Flüchtlinge ausmachten und dringend Unterstützung benötigten, hieß es.

„Der Konflikt im Südsudan zählt zu den vergessenen Krisen dieser Welt, Frieden ist nicht in Sicht. Die Menschen vor Ort brauchen die Unterstützung der Weltgemeinschaft dringender denn je“, fordert Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der Uno-Flüchtlingshilfe, Partner des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Die Organisation bezieht sich auf einen Bericht der Kommission für Menschenrechte im Südsudan von Februar 2020, wonach bestimmte Ethnien oder politische Gruppen bewusst entrechtet und ausgestoßen werden. Viele von ihnen kämpften täglich um ihr Überleben und seien zudem vom Hungertod bedroht. Wegen Vertreibungen könnten Felder nicht bestellt werden, Hunger zwinge immer mehr Menschen zur Flucht. In den vergangenen Jahren hatten Hilfswerke wiederholt vor einer bevorstehenden Hungersnot gewarnt.

Das katholische Hilfswerk Misereor erklärte in Aachen, dass auch die Umsetzung eines Ende 2018 geschlossenen Friedensabkommens bisher schleppend verlaufen sei. Anfang 2020 habe die Regierung aber einen ersten Erfolg verzeichnen können und eine Einheitsregierung gebildet. Damit seien Hoffnungen auf mehr Stabilität, Sicherheit und die ersten offiziellen Wahlen des jüngsten Staates der Welt verbunden.

Allerdings stellt das Coronavirus den Angaben zufolge in dem fragilen Land nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der Einwohner oder die Wirtschaft des Landes dar, sondern auch für den Friedensprozess. „Das Coronavirus trifft den Südsudan zu einem Zeitpunkt, an dem viel auf dem Spiel steht“, erklärte Länderreferentin Katharina Götte.

„Nun, da endlich politische Bereitschaft für Veränderung sichtbar wird, hoffen wir inständig gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort, dass der Kampf gegen das Virus den Prozess nicht zusätzlich verlangsamen wird. Die Herausforderung der Corona-Pandemie bindet Ressourcen, Kraft und Zeit, die ähnlich dringend für den Staatsbildungs- und Friedensprozess benötigt werden“, betonte Götte.

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