Mindestens 170 Tote nach Erdrutsch in Myanmars Jademinen

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  • Bergbau - 06.07.2020

Ein neuerlicher Unfall in den Jademinen Myanmars hat mindestens 170 Todesopfer gefordert. Die Bergleute in den Minen von Hpakant in Kachin seien durch einen Erdrutsch verschüttet worden, berichteten Onlinemedien in Myanmar am Freitag. Die Regierung habe den Familien der Getöteten eine Entschädigung von umgerechnet 1.936 Euro und den Verletzten umgerechnet 32 Euro in Aussicht gestellt.

Das Unglück steht in einer Reihe tödlicher Unfälle in den Jademinen in Kachin. 54 Bergleute kamen dort im Juni 2019 durch einen Erdrutsch ums Leben. Im Juli 2018 wurden in Hpakant 100 Bergleute verschüttet. Bei den Opfern solcher Unglücke handelt es sich häufig um arme, selbstständige Schürfer, die in den Abraumhalden nach Jadestückchen suchen. Diese Halden sind besonders während der Regenzeit zwischen Juni und September instabil.

Das mehrheitlich christliche Kachin im Nordosten Myanmars verfügt über das weltweit größte Jadevorkommen. Der grüne Stein ist vor allem im benachbarten China zur Herstellung von Schmuck und religiösen Artefakten heiß begehrt. Die Jadebergwerke sind berüchtigt für die Ausbeutung ihrer Arbeiter und massive Menschenrechtsverletzungen.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Umweltverbände forderten ein Ende des durch die chinesische Nachfrage angeheizten illegalen Handels mit Jade. Die Arbeit in den Minen gilt als notorisch gefährlich: Jedes Jahr sterben zahlreiche Bergleute bei Erdrutschen und anderen Unfällen an den instabilen Berghängen.

Myanmar hat eines der größten Jadevorkommen der Welt. Der für Schmuck und religiöse Artefakte vor allem in China beliebte grüne Edelstein wird im Tagebau gewonnen. Die Eigentümer der großen Minen sind geheim. Nach Recherchen der Organisation Global Witness handelt es sich bei den Betreibern jedoch um Mitglieder der ehemaligen Militärjunta und hochrangige, im aktiven Dienst befindliche Generäle. Der Wert des Jadeabbaus betrug laut Global Witness 2014 rund 31 Milliarden US-Dollar, von denen kaum etwas die myanmarische Staatskasse erreiche.

Die reichen natürlichen Ressourcen im Norden Myanmars wie Holz, Gold, Bernstein und eben Jade tragen zur Finanzierung des jahrzehntelangen Bürgerkriegs zwischen der ethnischen Rebellenmiliz der mehrheitlich christlichen Kachin und der Armee von Myanmar bei. Eine weitere Finanzquelle für beide Konfliktseiten ist der Handel mit Waffen und Drogen.

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