Oppositionskandidat und Theologe Chakwera neuer Präsident Malawis

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  • Afrika - 29.06.2020

Umbruch in Malawi: 16 Jahre regierten die Brüder Bingu und Peter Mutharika das südostafrikanische Land – ohne herausragendes Erbe. Der Wahlsieg der Opposition eröffnet einem der ärmsten Staaten der Welt nun neue Chancen.

Am Donnerstag hatte Malawis Wahlbehörde noch davor gewarnt, unbestätigte Ergebnisse zu veröffentlichen. Doch da war die Stimmung im Land schon perfekt: Das Staatsfernsehen sah Oppositionskandidat Lazarus McCarthy Chakwera klar in Führung, Zeitungen berichteten von seinem „Triumph“. In der Hauptstadt Lilongwe und anderen Zentren brachen spontane Freudenfeiern aus.

Sogar einige Regierungsmitglieder von Amtsinhaber Peter Mutharika gestanden vor der Verkündung des Ergebnisses ihre Niederlage ein. In der Nacht zum Sonntag bestätigte die Wahlbehörde dann den historischen Sieg von Oppositionsführer Chakwera mit über 58 Prozent. Mutharika kam auf 39 Prozent.

Eisenhower Mkaka, Generalsekretär der oppositionellen Malawi Congress Party (MCP), verbucht den Durchbruch seiner Partei als Sieg für die Rechtsstaatlichkeit in Malawi. Der Urnengang sei „der bislang glaubwürdigste, freieste und fairste“ in der Geschichte des Landes gewesen. Präsident Mutharika müsse seine Niederlage anerkennen. Und doch kündigte die noch regierende Democratic Progressive Party am Samstag Einspruch an: Ihre Anhänger seien eingeschüchtert worden; die Wahl müsse ein drittes Mal stattfinden.

Bereits im Vorfeld bezeichneten Beobachter den Urnengang als „historisch“. Knapp sieben Millionen Malawier waren für Dienstag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Eigentlich fand die Übung bereits im Mai 2019 statt: In einem engen Rennen trug der inzwischen 79-jährige Mutharika den Sieg davon. Die Opposition wollte diesen angesichts diverser Unregelmäßigkeiten nicht anerkennen und ging vor Gericht. Vor fünf Monaten dann ordneten die Richter überraschend Neuwahlen an. Beobachter sahen in dem Urteil einen „Sieg für die Demokratie“ in Afrika.

„Die Entscheidung des Gerichts hat alles verändert“, so die beiden Afrikanisten Greg Mills und Ray Hartley von der Denkfabrik Brenthurst Foundation in Johannesburg. Wegen der Corona-Pandemie waren keine Wahlbeobachter angereist. „Um die Wahlurnen vor Manipulation zu schützen, begleiteten die Bürger sie nun selbst zu den Auszählungszentren“, berichtet das Magazin „The Continent“ am Wochenende.

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Hohe Erwartungen an die neue Regierung

Auf Chakwera, einen 65-jährigen evangelischen Theologen, warten große Herausforderungen. Malawi zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben in extremer Armut. Zwar hatte es Bingu wa Mutharika geschafft, eine jahrelange Aids-Epidemie einzudämmen und die Kindersterblichkeit zu halbieren. Doch spätestens als er 2011 auf Demonstranten schießen ließ, zeigte er auch seine autoritäre Seite. 2012 erlag er einem Herzinfarkt.

Nach einer Übergangsregierung wurde sein Bruder Peter zum Präsidenten gewählt. Der malawische Politologe Danwood Chirwa beschuldigt die Brüder, gemeinsam mit ihrem Vorgänger Bakili Muluzi einen „Stammespakt“ geschlossen zu haben, der „in den vergangenen 26 Jahren die Hoffnungen vieler junger Leute zerstört“ habe. Unter ihrer Führung hätten Stammesdenken und Korruption geherrscht.

Den Sieg verdankt die Opposition nun einer Allianz, zu der sich Regierungskritiker vor der Wahlwiederholung zusammengeschlossen hatten. Diese habe nach Ansicht von Mills und Hartley „die Mauern zwischen Regionen, Schichten und Generationen niedergerissen“. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Regierung.

Vielerorts in Malawi mangelt es schon am Grundlegenden. 38 Prozent der Erwachsenen können nicht lesen und schreiben. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land, zumeist als Kleinbauern und Selbstversorger.

Malawis Bischöfe sahen ihr Land bereits vor der Wahl an einem „Wendepunkt“. Ohne ihren Favoriten zu benennen, erklärten sie: „Die wichtigste Aufgabe, die nun vor uns liegt, ist die Wahl eines Anführers, der das Land vor weiterem Schaden bewahrt.“

Vielversprechend ist allemal Chakweras Ruf nach mehr Eigeninitiative auf dem Weg zu Entwicklung. „Malawi ist bereit für eine Ära des Aufbaus“, erklärte er im Gespräch mit der Brenthurst Foundation. „Um unsere Nation zu entwickeln, braucht es weder den Westen noch den Osten. Wir als Malawier sind gefordert.“

Von Markus Schönherr (KNA)

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