Bischof: Indigene fühlen sich in Chile übergangen

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  • Lateinamerika - 27.04.2020

Die indigene Bevölkerung in Chile fühlt sich nach Einschätzung von Bischof Hector Vargas aus Temuco von der Politik und den Institutionen übergangen. Gemachte Versprechen würden nicht in die Tat umgesetzt, sagte Vargas der regionalen Tageszeitung „Diario Austral“. Die indigenen Völker sehnten sich seit langem nach einer Akzeptanz von Themen, die für sie von entscheidender Bedeutung seien.

Darunter seien Aspekte wie Anerkennung, respektvolle Behandlung und Wiedergutmachung, so Vargas. Die Politik der vergangenen Jahre habe aber viele Wunden geschlagen und schmerzhafte Konsequenzen verursacht. Ein Beispiel sei eine Sammlung von 70 politischen Vorschlägen für die Region La Araucania aus dem Jahr 2017, von denen nur wenige umgesetzt worden seien. In der Unruheregion gebe es immer wieder Angriffe auf Transportfahrzeuge, die Reaktion der Regierung sei aber stets polizeilich und nicht politisch gewesen. Das Ergebnis sei großes Misstrauen und der Verlust von Respekt und Glaubwürdigkeit.

Die Mapuche sind die Ureinwohner im Süden von Chile und Argentinien. Nach der chilenischen Unabhängigkeit 1818 begann in den 1860er Jahren die Entrechtung: Einmarsch der Armee, Enteignung, Niedergang der eigenen Tradition und Sprache. Erst seit einigen Jahren setzt eine Neubesinnung auf die eigene Kultur und Identität ein. Eine kleine Minderheit radikalisiert sich politisch. Die Mapuche zählen zum ärmsten und am wenigsten gebildeten Teil der Bevölkerung.

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