Amartya Sen erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020

  • Auszeichnung - 17.06.2020

Der indische Wirtschaftswissenschaftler, Philosoph und Wirtschafts-Nobelpreisträger Amartya Sen (86) erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Geehrt werde mit Sen ein Philosoph, der sich als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetze und dessen Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit heute so relevant seien wie nie zuvor, teilte die Jury am Mittwoch in Frankfurt zur Begründung mit. „Gesellschaftlichen Wohlstand nicht allein am Wirtschaftswachstum zu messen, sondern immer auch an den Entwicklungsmöglichkeiten gerade für die Schwächsten, gehört dabei zu seinen wichtigsten Forderungen.“

Sen hebe Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als wesentliche demokratische Tugenden hervor und beweise, dass Kulturen keine Quelle des Streits um Identitäten sein müssten, fügte die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Vorsitzende des Stiftungsrats, Karin Schmidt-Friderichs, hinzu. Eindringlich zeige er, wie Armut, Hunger und Krankheit mit fehlenden freiheitlichen Strukturen zusammenhingen. Sen habe zudem früh Konzepte vorgelegt, um Chancengleichheit und menschenwürdige Lebensbedingungen zu ermöglichen und zu bewerten.

Sen wurde am 3. November 1933 in Shantiniketan in Indien geboren. Geprägt wurde sein Aufwachsen durch die Unabhängigkeitsbewegungen in Indien während der 1940er Jahre und die Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems, die ebenfalls in dieser Zeit stattfanden, sowie von der großen Hungersnot in Bengalen 1943.

Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Kalkutta wurde er 1959 am Trinity College in Cambridge/England promoviert und widmete sich gleichzeitig dem Studium der Philosophie. Seit den 1960er Jahren lehrte Sen an zahlreichen Hochschulen, darunter Delhi, Stanford, Berkeley, Oxford und Cambridge. Seit 2004 ist er als Professor an der Harvard Universität tätig.

Sen geht davon aus, dass sich die Qualität einer Wirtschaftsordnung weniger am Wachstum bemessen sollte, sondern diese vor allem von den Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen abhängt sowie von ihrer Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Für sein Wirken und seine in über 30 Sprachen übersetzten Bücher erhielt der Wirtschaftsphilosoph zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 den Nobelpreis für Wirtschaft, sowie über 100 Ehrendoktortitel. Er lebt in Cambridge (Massachusetts) und ist seit 1991 mit der britischen Wirtschaftshistorikerin Emma Georgina Rothschild-Sen verheiratet, die ebenfalls an der Harvard University lehrt. Er ist Vater von vier Kindern.

Überreicht wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 18. Oktober 2020 in der Frankfurter Paulskirche.