Afrikas einst bekanntester Bischof wird 90

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  • Persönlichkeiten - 12.06.2020

Emmanuel Milingo war einer der ersten Erzbischöfe Afrikas, wurde bekannt als Exorzist und Heiler. Er heiratete, weihte illegal Priester und wetterte gegen den Zölibat. Am 13. Juni wird er 90.

Der Name Milingo steht für den kometenhaften Aufstieg, abrupten Sturz und zweifelhaften Rebellen-Status eines einst von vielen Menschen bewunderten afrikanischen Geistlichen. 1969 wurde er 39-jährig zum Erzbischof von Lusaka (Sambia) geweiht. Damals übernahmen in vielen afrikanischen Ländern schwarze Politiker die Macht und einheimische Priester den Bischofsstab.

Schon bald wurde Milingo ein religiöser Führer, an dem sich die Geister schieden. Charismatisch und den Menschen zugewandt feierte er „Heilungsgottesdienste“. Darin mischte er die biblische Heilung durch Handauflegung und traditionelle afrikanische Riten. Manchen Bischöfen ging das zu weit, sie beschwerten sich in Rom – zumal viele Gläubige aus anderen Bistümern zu Milingo pilgerten, um von ihm geheilt zu werden.

1983 legte Papst Johannes Paul II. dem Afrikaner mit dem gewinnenden Lachen den Rücktritt von der Bistumsleitung nahe und bot ihm das auskömmliche Amt eines „Delegaten“ im Vatikan an. Er versetzte ihn in den Päpstlichen Rat für die Migranten. Aber auch dort ging Milingo seiner Tätigkeit als Heiler und als Exorzist nach. Kranke und solche, die sich von bösen Geistern besessen glaubten, pilgerten zu ihm. In seinem Büro des Migrantenrates im römischen Stadtteil Trastevere gehörten lautstarke Exorzismen und Geistheilungen zum Tagesgeschäft.

Milingo hatte als junger Priester im Erzbistum Lusaka die Medienarbeit geleitet und war ein Naturtalent im Umgang mit Journalisten. Er gab Interviews, veröffentlichte Musik-CDs und Bücher und trat beim nationalen Musikwettbewerb von San Remo im italienischen Fernsehen auf. Auch deshalb tat sich der Vatikan schwer mit seiner Disziplinierung.

Im Sommer 2001 kam die überraschende Wende. Erst forderte der inzwischen 70-jährige Milingo öffentlich die Abschaffung des Pflichtzölibats, kurz darauf heiratete er die fast 30 Jahre jüngere Koreanerin Maria Chung. Skandalös war auch, dass die Zeremonie von der als „Moon-Sekte“ bekannt gewordenen Vereinigungskirche vollzogen wurde, die mit der Stiftung dieser sonderbaren Ehe offenbar eine eigene Agenda verfolgte.

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Es folgte eine vatikanische „Soap Opera“ mit Herzblut und Propaganda. Milingo besuchte überraschend den Papst auf seinem Sommersitz in Castel Gandolfo. Johannes Paul II. befahl ihm, in den Priesterstand zurückzukehren und seine Frau zu verlassen. Milingo gehorchte, seine Frau inszenierte daraufhin einen mehrwöchigen Hungerstreik auf dem Petersplatz. Schließlich durfte sie Milingo sehen, das Paar sprach sich aus, und sie reiste unter Tränen ab – und alles stets im Scheinwerferlicht der Medien.

Es folgte eine Auszeit Milingos in einem Exerzitienhaus in Argentinien, Reisen nach Afrika und ein dreijähriges Intermezzo in Zagarolo bei Rom – das alsbald zum Pilgerort für Kranke und Besessene wurde. 2006 dann eine erneute abrupte Wende: Wieder vereint mit Maria Chung trat Milingo in den USA auf, wo er einige Jahre lang unter von Rom abgespaltenen afro-amerikanischen Kirchen und Gruppen auftrat.

In Washington weihte er unerlaubt vier verheiratete Männer zu Bischöfen – wodurch er sich, ähnlich wie einst der erzkonservative Erzbischof Lefebvre, die Beugestrafe der Exkommunikation zuzog. Es folgten weitere unerlaubte Bischofsweihen in Brasilien und Kenia, und 2009 die zwangsweise Laisierung unter Papst Benedikt XVI. Von 2010 bis 2013 bekleidete er für die „Ecumenical Catholic Apostolic Church of Peace“ das Amt eines „Patriarchen für das Südliche Afrika“.

Heute ist es still geworden um den Mann, der über Jahrzehnte für Unruhe in der Weltkirche gesorgt hat. Im Februar 2015 berichteten italienische Zeitungen über ein Schreiben Milingos an Papst Franziskus, in dem er dafür warb, verheirateten Priestern in der Seelsorge wieder eine Chance zu geben. Sambische Medien berichteten in den vergangenen beiden Jahren von Krankenhausaufenthalten des greisen Ex-Bischofs in seinem Heimatland - und davon, dass selbst an seinem Krankenbett Menschen zu ihm wollen, weil sie sich von der Begegnung mit ihm Heilung versprechen.

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