Entwicklungsminister Müller für „Weltkrisenstab“ in Corona-Krise

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  • Corona-Pandemie - 06.04.2020

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) befürwortet zur globalen Bekämpfung der Corona-Pandemie einen „Weltkrisenstab“. Diese neue Einrichtung könnte Uno-Generalsekretär Antonio Guterres leiten, sagte Müller dem „Spiegel“. Jetzt schlage „die Stunde der Vereinten Nationen“.
Guterres müsse internationale Hilfsorganisationen in enger Abstimmung mit Institutionen wie Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) koordinieren. Die Pandemie sei ein „globaler Weckruf zur Zusammenarbeit“.

Der CSU-Politiker bezweifelt, dass die bereitgestellten Mittel ausreichen, um die Liquidität der Entwicklungsländer zu gewährleisten. Allein Weltbank und IWF hätten rund 200 Milliarden Dollar angeboten. „Die Maßnahmen müssen international koordiniert und wirksam umgesetzt werden. Vermutlich werden die bisherigen Ansätze nicht ausreichen.“

Weiter warnte der Minister: „Brechen Entwicklungsländer zusammen, gibt es Chaos, Unruhen und Bürgerkrieg.“ Dann würden auch die Fluchtbewegungen nach Europa zunehmen. In seinem Ministerium will Müller eine eigene Arbeitseinheit einrichten, die die Pandemie bekämpfen soll. Sie könnte sich vor allem der sogenannten Zoonose widmen, der Virenübertragung zwischen Tier und Mensch. Ein Ansatz, den man verfolgen wolle, sei es dabei, in Zukunft Nutztiere in Entwicklungsländern umfassend zu impfen und sie langfristig auf Erreger zu überprüfen.

In der Augsburger Allgemeinen (Samstag) warnte Müller vor dem Ausbruch von bewaffneter Gewalt und neuen Flüchtlingswellen, wenn die Corona-Pandemie Afrika erfasst. „Die Lage ist dramatisch, denn mit einer Verzögerung von zwei Monaten kommt das Virus jetzt in den Entwicklungs- und Schwellenländern an.“ Er habe große Sorgen, dass es in fragilen Staaten zum Ausbruch von Unruhen komme und auch zu Bürgerkriegen. Daher müsse die internationale Gemeinschaft alles unternehmen, um den Zusammenbruch einzelner Staaten zu verhindern.

„Ich mag mir nicht vorstellen, was geschieht, wenn in Nordafrika oder im Nahen Osten Staaten unter dem Druck der Krisenfolgen zusammenbrechen, das könnte unglaubliche Flüchtlingsströme auslösen.“ Die internationale Staatengemeinschaft müsse alles tun, um die Region zu stabilisieren. „Ansonsten brechen nicht nur Krankenhäuser, sondern die gesamte öffentliche Ordnung und ganze Staaten zusammen.“

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