Erdbeben in Zagreb trifft kroatische Jesuitenprovinz schwer

  • Herz Jesu-Basilika in Zagreb nach dem Erdbeben. © Bild: Zlatko Brauchler SJ
  • Naturkatastrophen - 25.03.2020

Ein Erdbeben der Stärke 5,5 auf der Richterskala hat am vergangenen Sonntag in der historischen Altstadt der kroatischen Hauptstadt Zagreb erhebliche Schäden verursacht. Der Jesuit Zlatko Brauchler schildert seine Eindrücke.

„Am Sonntag, den 22. März 2020, um 6:24 Uhr ereignete sich in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ein schweres Erdbeben von einer Stärke von 5,5 auf der Richterskala, dessen Epizentrum nur 6 km nördlich der Stadt lag.

Das Erdbeben verursachte erhebliche materielle Schäden, insbesondere an den alten Gebäuden in der historischen Innenstadt. Besonders schwer traf es die jesuitischen Gemeinschaften: die Kommunität und Basilika des Heiligen Herzens Jesu in der Palmoticeva-Straße, die auch der Sitz der kroatischen Provinzverwaltung mit dessen Provinzhaus ist, sowie das alte Gebäude des St. Josefs Kollegs in Zagreb-Jordanovac, welches mit der Basilika in der Palmoticeva-Straße am stärksten beschädigt wurde. Es gibt viel heruntergefallenen Putz, große sichtbare Risse in den Wänden, beschädigte Dächer, beschädigte Kunstwerke und viele andere Gegenstände. Unweit der Palmoticeva-Straße töteten herabfallende Kamine, Dachziegel und Geröll ein 15-jähriges Mädchen.

Das Ausmaß der Schäden an der Statik von Gebäuden wurde noch nicht offiziell bewertet, aber wir sammeln bereits inoffizielle Meinungen von Statikern. Das ehemalige Gebäude des Fratrovac-Seminars der Jesuiten, die sich dort im Philosophiestudium befinden, wurde nicht so stark beschädigt, weist aber einige sichtbare Risse in den Wänden auf.

Fast 80% der Zimmer in der jesuitischen Kommunität in der Palmoticeva-Straße wurden für unsicher erklärt und sind damit nicht mehr bewohnbar. Besonders schwer, hat es das jesuitische Kolleg St. Josef in Zagreb-Jordanovac mit seinem überdiözesanen Priesterseminar getroffen, welches nicht mehr bewohnbar ist. So musste am Sonntag für viele Jesuiten eine vorübergehende Notunterkunft gefunden werden.

Die monumentale Basilika des Heiligen Herzens Jesu in der Innenstadt von Zagreb, in der Palmoticeva-Straße, welches ein geschütztes Kulturdenkmal aus dem Jahr 1902 ist, wurde vom Erdbeben sehr stark beschädigt. Insbesondere stürzte ein Teil der Decke (etwa ein Drittel) ein und beschädigte das Innere der Basilika von großem Ausmaße. Der Rest der Decke ist aufgrund des Einsturzes instabil und es besteht Einsturzgefahr. Die Orgel der Basilika, die sich seit Dezember 2017 in Restauration befindet, blieb verschont. Sie hätte in wenigen Wochen wieder errichtet werden sollen. Die Seitenkapellen der Basilika, wo sich auch das Grab des seligen Laien Ivan Merz befindet, sind wie ein Wunder unbeschädigt.

Die Herz-Jesu Basilika der Jesuiten galt in Zagreb als „Beichtstuhl“ und Zentrum geistlichen Lebens der Stadt. Täglich wurden in der Herz-Jesu Basilika sieben Heilige Messen gefeiert, unzählige Beichten von morgens bis abends gehört, Herz Jesu Frömmigkeiten und Andachten abgehalten. Die berühmten Studentenmessen mit mehr als 500 Jugendlichen fanden jeden Freitag in der Basilika statt.

Viele von uns sind emotional mit dieser Basilika sehr verbunden und spüren zutiefst den Schmerz des Schadens. Wir alle haben viele Gnaden Gottes in ihr empfangen und unsterbliche Freundschaften in ihrem Hinterhof der Basilika geschlossen. Nun hat uns das Erdbeben im Herzen unserer jesuitischen Provinz, im Herzen der Stadt Zagrebs zutiefst getroffen. Wir hoffen und beten, dass wir mit Hilfe aus dem In- und Ausland schon sehr bald mit dem Wiederaufbau unserer Herz-Jesu-Basilika, dem Provinzhaus der Jesuiten und dem Kolleg St. Josef in Zagreb-Jordanovac beginnen können.

Noch immer bebt die Erde in Zagreb täglich und es werden auch noch weitere Nachbeben erwartet. Auch die durch COVID-19-Pandemie in Kroatien auferlegten Beschränkungen machen den Wiederaufbau komplexer. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau der Basilika und die Restaurierungen wurden jedoch von der kroatischen Jesuitenprovinz und der Pfarrei des Heiligen Herzens-Jesu begonnen. (...)

Vielen Dank für Ihre Sorge, für so viele Ausdrucksformen des Mitgefühls und für Ihre Gebete.

Zlatko Brauchler SJ“