Entwicklungsminister Müller besucht Nigeria, Sudan und Ägypten

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  • Afrika - 06.02.2020

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist am Montag nach Nigeria, in den Sudan und Ägypten gereist. Erste Station ist Afrikas größte Volkswirtschaft Nigeria, ein Land voller Konflikte. Dort haben im Nordosten sowie in den angrenzenden Nachbarstaaten Niger, Tschad und Kamerun in den vergangenen Monaten Terroranschläge wieder zugenommen, obwohl Präsident Muhammadu Buhari die Miliz Boko Haram bereits 2015 als „technisch besiegt" bezeichnet hatte. Neben ihr operiert in der Region seit 2016 auch die Terrororganisation „Islamischer Staat in der Westafrikanischen Provinz" (ISWAP), eine Splittergruppe mit Verbindungen in den Sahel und den Nahen Osten.

Von der Gewalt sind Christen und Muslime gleichermaßen betroffen; auch Moscheen werden zu Anschlagzielen. Als einigermaßen sicher gilt derzeit Maiduguri, Provinzhauptstadt des Bundesstaates Borno; dort ist auch die Armee präsent. „Hier ist der Alltag zurück“, berichtet der Priester Timothy Cosmas Danjuma, der das Caritas-Komitee für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden leitet. Anders sieht es in den ländlichen Regionen aus. Reisen gelten als riskant, es gibt Anschläge und Entführungen. Laut Danjuma sind besonders Gegenden gefährdet, die weit von Kreisstädten entfernt liegen. „Das ist ein riesiges Niemandsland.“

Das führt auch dazu, dass die Zahl der Binnenflüchtlinge wieder steigt. Zu diesem Thema wird es Gespräche mit dem Entwicklungsminister geben. „Jeden Tag kommen mehr Menschen in Maiduguri an“, sagt Danjuma. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden in der dritten Januarwoche in den Bundesstaaten Borno und Adamawa, wo der Norden von islamistischer Gewalt betroffen ist, knapp 2.400 neue Binnenflüchtlinge sowie mehr als 200 Flüchtlinge aus Kamerun registriert. In der ganzen Region rund um den Tschadsee sind derzeit mehr als 2,6 Millionen Menschen auf der Flucht, davon mehr als zwei Millionen in Nigeria.

Weit weniger Beachtung erhalten derzeit das Niger-Delta und die massive Umweltverschmutzung vor Ort. Auch die wird ein Aspekt der Reise sein. Im Rahmen des Hydrocarbon Pollution Remediation Project (HYPREP) soll die Region seit 2016 vom Öl gereinigt werden. Grundlage dafür war 2011 ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), der das Ausmaß der Verschmutzung verdeutlichte. Öl wird in Nigeria seit 1958 gefördert. Seither haben Millionen Fischer und Farmer ihre Lebensgrundlage verloren. Bewohner klagen über Gesundheitsbeschwerden. Immer wieder wird darüber gestritten, ob die leckenden Pipelines durch illegales Abzapfen entstanden sind oder die internationalen Konzerne schlicht auf teure Reparaturen verzichten.

Lokalen Medienberichten zufolge gab es in den vergangenen Wochen mehrfach Kritik wegen fehlender Maßnahmen für Umweltschutz und Entwicklung. Nach Angaben des nationalen Öl-Unternehmens werden in Nigeria täglich bis zu 2,5 Millionen Barrel gefördert; damit ist das Land größter Öllieferant Afrikas und steht weltweit an sechster Stelle.

Müllers zweites Reiseziel ist der Sudan, wo unter anderem ein Treffen mit Frauenrechtlerinnen geplant ist. Ein Thema soll weibliche Genitalverstümmelung sein. Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef sind 87 Prozent der 15- bis 49-jährigen Mädchen und Frauen dort verstümmelt.

Ein weiteres Thema ist die Lage in der Krisenregion Darfur. Der seit 2003 anhaltende Konflikt eskaliert immer wieder. Erst am Freitag verurteilte die Internationale Föderation für Menschenrechte (FIDH) einen neuerlichen Angriff auf das Flüchtlingslager Krinding. 72 Personen starben und 109 wurden verletzt, als das Camp Ende Dezember von Viehhirten angegriffen wurden.

 

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