„Wir fordern, dass der Ruf des Volkes gehört wird“

  • Konflikte - 14.01.2020

In einer neuen Botschaft ziehen die venezolanischen Bischöfe eine verheerende Bilanz zur Amtszeit von Präsident Nicolas Maduro. Ein Ausweg könnten nur dessen Rücktritt und freie, transparente Wahlen sein.

Die Stellungnahme kommt einer Abrechnung mit dem sozialistischen Regime von Präsident Nicolas Maduro gleich. „Es ist inakzeptabel, dass ein Land mit immensen Reichtümern durch die Durchsetzung eines ideologischen Systems derart verarmt ist“, heißt es in einem neuen Schreiben der Venezolanischen Bischofskonferenz. Es ist zugleich ein Aufruf an Amerika, die Augen vor dem politischen, humanitären und wirtschaftlichen Desaster im ölreichsten Land der Welt nicht länger zu verschließen.

Anlass war der Abschluss der jüngsten Vollversammlung der Bischöfe von Venezuela. Die Menschen hätten dem Land den Rücken zugekehrt, es gebe immer mehr unterernährte Kinder, die Güterproduktion sei praktisch zerstört, die Spekulationen niederschmetternd und die Korruption unerträglich.

„Wir erleben ein totalitäres und unmenschliches Regime, in dem politische Dissidenten mit Folter, gewaltsamer Unterdrückung und Mord verfolgt werden“, schreiben die Bischöfe weiter. Hinzu komme die Präsenz illegaler Gruppen unter den Augen von zivilen und militärischen Autoritäten. Obendrein leide das Land unter einer irrationalen Ausbeutung von Rohstoffen, die weite Teile des Gebietes zerstöre, sowie unter Drogen- und Menschenhandel.

Um einen politischen und gesellschaftlichen Neuanfang zu ermöglichen, sei der Rücktritt des sozialistischen Machthabers Nicolas Maduro notwendig. Ohne ihn direkt beim Namen zu nennen, schreiben die Bischöfe vom Abschied desjenigen, der die Macht illegal ausübe. Dem Rücktritt müssten freie, transparente Wahlen unter internationaler Aufsicht folgen, bei denen auch die Teilnahme der im Ausland lebenden Venezolaner garantiert sein müsse. Die Militärs sollten sich an ihre Pflicht erinnern, nicht den politischen Parteien zu dienen, sondern die Würde und die Rechte der gesamten Bevölkerung zu respektieren – wie sie es vor Gott und Vaterland geschworen hätten. „Wir fordern, dass der Ruf des Volkes gehört wird“, heißt es im Schreiben der Geistlichen.

Auch an die inzwischen mindestens vier Millionen Exil-Venezolaner richtet sich der Appell: „Wir wissen von den Schicksalsschlägen, die diese haben erleiden müssen, und von den Risiken, die sie bei ihrem Abschied eingegangen sind.“ Venezuela sei immer ein Land gewesen, das Migranten aus allen Teilen der Welt willkommen geheißen habe. Die Bischöfe danken ausdrücklich jenen Ländern des Kontinents und der Welt, die Venezolaner aufgenommen hätten.

Seit drei Jahren erlebt das südamerikanische Land wegen einer anhaltenden Versorgungskrise eine Massenflucht. Die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, berichtete jüngst über schwere Menschenrechtsverletzungen der Regierung Maduro. Das neue Jahr begann mit dem Versuch des Maduro-Regimes, die Wiederwahl des oppositionellen Parlamentspräsidenten Juan Guaido zu verhindern und durch einen regierungsnahen Politiker zu ersetzen. Zahlreiche lateinamerikanische Länder lehnten allerdings die Anerkennung von Luis Parra als Parlamentspräsident ab, weil der Opposition am Wahltag der Zugang zum Parlamentsgebäude verweigert worden sei.

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