LKW
„Diese Menschen sitzen für uns Tag für Tag über viele Stunden hinter dem Lenkrad“

Renovabis-Bischof: Osteuropäische LKW-Fahrer fair bezahlen

Freising ‐ Im April hatten osteuropäische LKW-Fahrer an einer deutschen Raststätte für die Auszahlung ihres Lohns gestreikt. Nun sind andere Trucker derselben Spedition im Arbeitskampf. Erzbischof Heiner Koch unterstützt die Anliegen der Fahrer.

Erstellt: 11.08.2023
Aktualisiert: 11.08.2023
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Der für das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis zuständige Berliner Erzbischof Heiner Koch hat eine faire Bezahlung für osteuropäische LKW-Fahrer und -Fahrerinnen angemahnt. „Diese Menschen sitzen für uns Tag für Tag über viele Stunden hinter dem Lenkrad, sie übernachten auf lauten, oft überfüllten Rastplätzen und sind lange von ihren Familien getrennt“, betonte Koch in einer am Freitag in Freising verbreiteten Mitteilung. Ihre schwere Arbeit verlange eine angemessene, zuverlässige und pünktliche Bezahlung. Niemand dürfe gezwungen sein, monatelang auf sein Geld zu warten.

Anlass für die Forderung ist laut Mitteilung ein neuerlicher Streik von rund 150 LKW-Fahrern aus Georgien und Zentralasien auf der A5-Raststätte in Gräfenhausen in Hessen. Sie forderten mit der Aktion ihren Lohn ein; teilweise seien die Fahrer bereits seit Monaten nicht mehr von der polnischen Spedition bezahlt worden, für die sie tätig seien. Inzwischen habe diese aber Anzeige erstattet und betont, die Fahrer seien keine Arbeit-, sondern Auftragnehmer. Bereits im April hätten etwa 60 Trucker derselben Spedition gestreikt, um ihre Forderungen durchzusetzen. Damals seien sie erfolgreich gewesen und hätten nach etwa sechs Wochen ihr Geld erhalten.

Thema „Arbeitsmigration“ in diesem Jahr Schwerpunkt bei Renovabis

Eine faire Bezahlung der osteuropäischen LKW-Fahrer sei eine „Frage der Moral und der Menschenwürde“, betonte der Erzbischof. Es könne nicht angehen, dass Firmen Gewinne damit machten, Menschen auszubeuten und auszunutzen. Koch sagte, „wir müssen in Deutschland alles unternehmen, damit die LKW-Fahrer bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung bekommen“. Diese Regelungen müssten europaweit gelten und auch durchgesetzt werden. Juristisch legale, aber menschlich und moralisch nicht akzeptable Schlupflöcher müssten geschlossen werden.

Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis hat in diesem Jahr das Thema „Arbeitsmigration“ in den Mittelpunkt gestellt. Während des Internationalen Renovabis-Kongresses im September 2022 war der sogenannte Münchner Appell verabschiedet worden. In diesem Papier werden die politisch Verantwortlichen sowie Vertreter von Gesellschaft und Kirchen aufgerufen, Arbeitsmigration fairer zu gestalten.

KNA