Wie das Bistum Fulda der Partner-Caritas in der Ukraine hilft

Wenn der Bischof einen blauen Pulli mit gelber Aufschrift trägt

Fulda ‐ Nicht nur Gebete und Spenden: Das Bistum Fulda und der Diözesancaritasverband helfen Partnern in der Ukraine auch mit „PS“. Am Mittwoch wurde ein Transporter übergeben – eines von mittlerweile vier Fahrzeugen.

Erstellt: 09.02.2023
Aktualisiert: 16.02.2023
Lesedauer: 
Von Norbert Demuth (KNA)

Auch wenn auf dem Fuldaer Domplatz am Mittwochmorgen trotz strahlenden Sonnenscheins eisige Temperaturen herrschten: Am Ende zogen fast alle Offiziellen aus dem Bistum Fulda – auch Bischof Michael Gerber – ihre Wintermäntel aus und streiften sich blaue Kapuzenpullis mit der gelben Aufschrift „Caritas Ukraine“ über.

Die Pullover waren ein Mitbringsel von Mitarbeitern der Partner-Caritas aus dem westukrainischen Iwano-Frankiwsk – gewissermaßen als kleine Gegenleistung für den Kleinbus, den sie kurz zuvor aus der Caritas-Fahrzeugflotte im Bistum Fulda bekommen hatten. Inklusive Ersatzreifen und Stromaggregaten – und 10.000 Euro obendrauf.

Das nun übergebene Fahrzeug, mittlerweile der vierte Fuldaer Kleinbus, der dann bei der Caritas in Iwano-Frankiwsk zum Einsatz kommt, soll der Beförderung von Binnenflüchtlingen sowie dem Transport von Hilfsgütern dienen. Und ein fünfter sei in Vorbereitung, hieß es.

Bischof Gerber, der den Transporter segnete, rief zur weiteren Unterstützung der Menschen in der Ukraine auf. „Es ist unsere Verantwortung als Christen, uns unbedingt für die Würde eines jeden Menschen einzusetzen“, sagte Gerber. „Durch den fürchterlichen russischen Angriffskrieg wird diese Würde gerade mit Füßen getreten“, so der Bischof. Deshalb sei Unterstützung für die Ukraine im Gebet, aber auch durch Spenden und materielle Hilfe notwendig.

Das Zoll-Zeichen auf dem Kennzeichen des roten Ford laute zufällig auf den 24. Februar 2023 - also den ersten Jahrestag des Krieges. Er hoffe, dass zu diesem Zeitpunkt, an dem das Zoll-Zeichen seine Gültigkeit verliere, auch der Krieg ende, sagte Gerber. Doch bei Russlands Präsidentem Wladimir Putin sehe er „keine Zeichen der Deeskalation“. Aus christlicher Sicht gebe es deshalb „legitime Gründe, sich gegen einen Aggressor wirksam zu wehren“, sagte Gerber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Eine Delegation der Caritas Iwano-Frankiwsk, die seit Montag in Fulda zu Gast ist, nimmt das Fahrzeug mit in die Ukraine. Pfarrer Volodymyr Chorniy, Direktor des Hilfsfonds der Caritas Iwano-Frankiwsk, dankte den Vertretern des Bistums Fulda: „Es ist wichtig für uns, eure Unterstützung zu spüren.“

Seit 2009 ist der Caritasverband für die Diözese Fulda mit der Caritas in Iwano-Frankiwsk partnerschaftlich verbunden. Zunächst stand die Hilfe für Menschen mit Behinderung und ihre Familien im Mittelpunkt der Arbeit. Der vor knapp einem Jahr begonnene Krieg Russlands gegen die Ukraine habe vieles verändert. Nun drehe sich ein Großteil der Zusammenarbeit um die Flüchtlingshilfe, sagte Diözesan-Caritasdirektor Markus Juch. Die Lage in der Ukraine sei „schlimm und erschütternd“.

Um die Caritas Iwano-Frankiwsk bei der Betreuung Tausender Binnenflüchtlinge zu unterstützen, bildete sich unter der Koordination des Fuldaer Generalvikars Christof Steinert eine Hilfe-AG von Bistum, Caritas und Maltesern. Sie wirbt um Spenden und förderte Hilfsprojekte.

Die Schwester-Caritas in Iwano-Frankiwsk versorgt und betreut seit einem Jahr zahlreiche dort ankommende Binnenflüchtlinge. Die ukrainische Caritas bekam aus Fulda Geld, inzwischen schon mehr als 100.000 Euro, über Hilfstransporte aber auch Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel, medizinische Hilfsgüter, Betten und Matratzen.

Iwano-Frankiwsk ist eine Stadt mit rund 230.000 Einwohnern. Zum 31. Januar waren laut Caritas zugleich 137.801 Binnenvertriebene in der Region registriert, etwa 41.000 davon direkt in der Stadt.

Der ukrainische Pfarrer Chorniy berichtete in Fulda vor Medienvertretern auch über Erfahrungen junger Soldaten. „Wir sagen: An der Frontlinie gibt es keine Ungläubigen.“ Auch wenn manche Männer vorher das Leben nicht so ernst genommen hätten, seien sie nun mit einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod und „Gedanken an die Ewigkeit“ konfrontiert. Es gelte nun vor allem zusammenzustehen „und einig zu sein, um das Böse zu besiegen“.

KNA