Westafrika hofft auf die Impfung

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  • Pandemie - 07.03.2021

Endlich sind die ersten Impfdosen gegen Covid-19 in Westafrika angekommen. Während Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa seine bereits vor zwei Wochen erhalten hat, mussten sich die Regierungen zwischen dem Senegal und Nigeria länger gedulden. Seit Wochenbeginn zeigen nun die ersten Staatschefs Bilder ihrer Impfung auf Twitter.

Am Montag stellte Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo ein Bild davon ein. Angekommen waren die 600.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs in dem gut 32 Millionen Einwohner großen Staat in der Vorwoche. Ein historischer Moment, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef kommentierte: Ghana sei das erste Land, das die Dosen über die Covax-Initiative erhalte.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Weltgesundheitsorganisation WHO. 190 Staaten sind Mitglieder. Ziel ist, ärmeren Ländern Zugang zum Impfstoff zu verschaffen. Reiche Länder treten Covax bei und finanzieren mit dem Bezug von Impfdosen über die Plattform jene für ärmere Länder mit. Bis Jahresende sollen zwei Milliarden Dosen verteilt werden; 92 Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen sollen davon profitieren.

Für den afrikanischen Kontinent reicht die Zuweisung über Covax nach Einschätzung von John Nkengasong, Direktor der panafrikanischen Gesundheitsbehörde CDC, jedoch nicht aus. Im Interview des in den USA erscheinenden Magazins „Africa Renewal“ sagt er, man wolle bis zu 60 Prozent der Bevölkerung impfen. Über Covax erhalte man aber nur 27 Prozent der Impfdosen. Diese Lücke gelte es zu füllen.

In den einzelnen Staaten wird nun über Verteilung und Prioritäten debattiert. Nigerias nationale Behörde zur Gesundheitsversorgung (NPHCDA) erhielt am Dienstagabend die ersten 3,9 Millionen Dosen – Afrikas Riesenstaat hat mehr als 200 Millionen Einwohner. Mittels Online-Formular sollen sich nun zuerst Mitarbeiter des Gesundheitssystems registrieren.

Kayode Fayemi, Gouverneur des Bundesstaates Ekiti und Vorsitzender des nationalen Forums der Gouverneure, hatte zuvor das ehrgeizige Ziel genannt, bis Jahresende 80 Millionen Nigerianer impfen zu wollen; 60 Millionen weitere 2022. Ghana rechnet mit 2,4 Millionen Covax-Dosen für 2021.

Doch selbst wenn Impfstoffe verfügbar sind, haben Immunisierungskampagnen die Region oft vor Herausforderungen gestellt. Deshalb konnte die WHO beispielsweise Afrika erst 2020 für poliofrei erklären. Besonders in Nigeria, dem letzten Land, in dem die Krankheit noch auftrat, war das ein zäher Kampf. Unter anderem attackierte die Terrormiliz Boko Haram Massenimpfungen.

2003 traten ebenfalls im muslimisch dominierten Norden Gerüchte auf, dass durch das Impfen die Bevölkerung reduziert werden solle. Im Fall von Polio gelten deshalb in Westafrika Tür-zu-Tür-Kampagnen als wichtig, bei denen in einem Haushalt alle Kinder unter fünf Jahren geimpft werden. Mitunter finden diese sogar zeitgleich in mehreren Ländern statt.

Gänzlich unbegründet sind die Ängste nicht. Der Pharmakonzern Pfizer setzte während eines Meningitis-Ausbruchs im nordnigerianischen Bundesstaat Kano 1996 das Antibiotikum Trovan ein und wollte in einem Versuch die Wirksamkeit gegenüber etablierten Medikamenten testen. Eine Gruppe von 200 Kindern erhielt Trovan; 11 davon starben.

Westafrikanische Gesundheitsbehörden betonen daher überall, dass die Corona-Imfpungen getestet und sicher seien. Im Senegal forderte Abdoulaye Bousso, Direktor des staatlichen Zentrums für gesundheitlichen Notstand, ein Jahr nach dem ersten Corona-Fall im Land: „Vor allem ältere Menschen sollen sich impfen lassen.“ Im Gespräch mit Radio France Internationale (RFI) betonte er, dass das Gesundheitspersonal am Rand des Burnouts stehe. Viele Fälle der zweiten Welle hätten einen schwereren Verlauf.

In Sahelstaaten wie Burkina Faso, wo nach Angriffen und Überfällen im September 95 Gesundheitseinrichtungen geschlossen waren, wäre es aktuell kaum möglich, überhaupt Corona-Impfungen außerhalb der Hauptstadt Ouagadougou durchzuführen. Im Nachbarland Mali sind aus demselben Grund vor allem im Zentrum ganze Landstriche nicht mehr für medizinisches Personal erreichbar. Vielerorts ist dort nicht mal eine Notfallversorgung gegeben.

Von Katrin Gänsler (KNA)

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