Friedensnobelpreisträger Yunus für patentfreien Corona-Impfstoff

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  • Corona-Pandemie - 19.05.2020

Der Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus hat für einen künftigen Corona-Impfstoff Patentfreiheit gefordert. Die Weltgemeinschaft dürfe nicht Geisel in der Hand weniger großer Pharmaunternehmen sein, die entschieden, zu welchem Preis, wann und an wen die Impfstoffe verkauft würden, sagte er in einem Video-Gastvortrag in der Päpstlichen Lateran-Universität am Freitag in Rom. Moralische Führungspersönlichkeiten und Religionsgemeinschaften sollten sich klar dafür aussprechen, dass ein einmal entwickelter Impfstoff von allen produziert werden dürfe.

Der 79 Jahre alte Wissenschaftler aus Bangladesch kritisierte ausdrücklich die Ankündigung des französischen Pharmakonzerns Sanofi, die USA mit einem Corona-Impfstoff bevorzugt zu beliefern. Yunus nannte eine solche Haltung „deprimierend“. Es dürfe nicht sein, dass reiche Industriestaaten sich bei der Entwicklung und Verteilung künftiger Impfmittel und Medikamente gegen Covid-19 Vorteile sicherten.

Weiter wandte sich Yunus gegen ein nationales „Stammesdenken“ im Kampf gegen die globale Pandemie. Dabei hob er die Rolle der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor und nahm sie gegen Angriffe wie jenen durch die US-Regierung in Schutz. Auch wenn die WHO in manchen Punkten kontrolliert werden müsse, sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Der Wert des Lebens stehe nicht zur Disposition, betonte Yunus.

Yunus machte sich einen Namen als „Bankier der Armen“. Als einer der Begründer des Mikrofinanz-Gedankens leitete er bis 2011 die von ihm ins Leben gerufene Grameen Bank für Kleinkredite. 2006 erhielt er für sein soziales und wirtschaftliches Engagement den Friedensnobelpreis.

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Bischof Genn für gerechte Impfstoff-Verteilung

Auch der Bischof von Münster, Felix Genn, fordert eine gerechte Verteilung eines künftigen Impfstoffs gegen das Coronavirus. Keine Nation sei hier „first", auch nicht das eigene Ich, „sondern die, die es am dringendsten brauchen“, erklärte Genn in einem am Donnerstag veröffentlichten Wort an die Gläubigen seines Bistums. Er spielt damit auf den Wahlkampfslogan „America first“ von US-Präsident Donald Trump an.