Dramatische Dürre in Äthiopien

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  • Klima - 09.02.2016

Mehr als zehn Millionen Menschen droht derzeit in Äthiopien wegen anhaltender Dürre der Hungertod. Wie das internationale katholische Missionswerk Missio München am Montag mitteilte, blieben Regenfälle seit Monaten aus und Lebensmittel seien mittlerweile unerschwinglich.

„Vor allem im Norden und Osten des Landes bekommen die Menschen die Folgen des Klimawandels und des Wetterphänomens El Nino extrem zu spüren“, beschrieb die Äthiopien-Expertin von Missio, Reinelde Fink, die Situation in dem ostafrikanischen Land. „Die stets wachsende Bevölkerung von derzeit 94 Millionen Menschen hat vor allem auf dem Land unter Landknappheit und nicht ertragreichen Böden zu leiden. Hunger treibt viele in die Flucht und die Zahl der Binnenflüchtlinge im eigenen Land steigt“, so Fink. Dazu kämen Flüchtlinge aus den Nachbarländern Südsudan und Eritrea.

Oft erreichten die geplanten Nothilfen staatlicher und anderer internationaler Organisationen nicht alle Regionen, erklärte die Äthiopien-Expertin. „Die Menschen in diesen Gebieten suchen die nächstgelegenen Pfarreien auf, in der Hoffnung, dass ihnen dort geholfen wird.“ Zu diesen Pfarreien gehöre auch St. Francis. In dieser Pfarrei im Apostolischen Vikariat Harar in dem Gebiet von Legarba unterstütze Missio rund 345 Familien mit einer Nothilfe von 10.000 Euro.

Welthungerhilfe warnt vor immensen Ernährungsproblemen

Auch die Welthungerhilfe machte in der vergangenen Woche auf die katastrophale Ernährungssituation in Äthiopien aufmerksam. „Die Preise für Grundnahrungsmittel sind immens gestiegen, und die Bauern sind gezwungen, ihr Vieh für wenig Geld zu verkaufen“, berichtete Ajay Paul, Welthungerhilfe-Landesdirektor in Äthiopien, am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Er hatte zuvor die schwer betroffene Amhara-Region besucht.

Die UN-Ernährungsorganisationen WFP und FAO rechnen mit 15 Millionen Hungernden. Der Anteil an chronisch Unterernährten nehme zu, warnte Paul. Besonders Schwangere und Kinder seien bedroht. „Die Spirale geht immer weiter nach unten.“ Die Folgen von El Nino seien extrem zu bemerken und das Wasser werde knapp. „Gewässer trocknen aus. Die Menschen müssen selbst an den leeren Flussbetten sechs Meter tief nach Wasser graben“, berichtete der Welthungerhilfe-Experte.   

Insgesamt habe die Staatengemeinschaft die Warnungen der internationalen Hilfsorganisationen vor den Hungerkrisen in Süd- und Ostafrika zu lange nicht ernst genommen, sagte Uwe Kekeritz, Grünen-Sprecher für Entwicklungspolitik, in der vergangenen Woche in Berlin. In Äthiopien bedürfe es in diesem Jahr etwa 1,3 Milliarden Euro, um die Hungerkatastrophe wirksam bekämpfen zu können. Bislang stehe lediglich ein Drittel der benötigten Mittel bereit. Caritas und andere Hilfsorganisationen sprechen von der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren und rufen zu Spenden auf. (lek/KNA)

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