Missio: Neuer „unberührbarer“ Präsident von Indien kein Fortschritt für Religionsfreiheit

  • Indien - 20.07.2017

Die Wahl von Ram Nath Kovind aus der benachteiligten Gesellschaftsschicht der „Unberührbaren“ zum Präsidenten von Indien ist kein Fortschritt für die Lage der Religionsfreiheit im Land. Dieser Ansicht ist Prälat Klaus Krämer, Präsident von Missio Aachen.

Symbolpolitik fürs Ausland

Die indische Regierung und lokale Behörden tolerierten auch weiterhin Diskriminierung und lokale Gewaltattacken gegenüber den Unberührbaren, den sogenannten Dalits. „Die Zahl der Ausschreitungen steigt sogar an. Mit dieser Wahl versucht die Regierung, die Gemeinschaft der Dalits ruhig zu stellen und Symbolpolitik für das Ausland zu machen, aber in Wirklichkeit verändert sich nichts“, so ein Missio-Projektpartner.

Petition

Dieses Mal sind es Männer, die befreit werden müssen: Im indischen Bundesstaat Odisha fordern Christinnen die Freilassung ihrer unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Ehemänner. Missio unterstützt sieben dieser Frauen mit der Petition #freeourhusbands. Sie läuft bis zum 31. März 2018.


Artikel lesen

Der neue Präsident, der von der Regierungspartei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi nominiert wurde, sei zwar ein Dalit, vertrete aber die sogenannte Hindutva-Ideologie, dass ein indischer Bürger nur sein könne, wer Hindu sei. Wegen dieser Haltung sei er überhaupt erst Präsidentschaftskandidat der BJP geworden. „Durch seine Wahl wird sich die Lage der diskriminierten religiösen Minderheiten wie den Christen oder Muslimen, zumal wenn sie Dalits sind, nicht verbessern“, warnte der Missio-Partner. „Ram Nath Kovind hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass Christen und Muslime nicht zu Indien gehören.“ Er toleriere zudem Initiativen, die Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten zum Teil gewaltsam zur Konversion zum Hinduismus zwingen wollten.

Missio-Kampagne für Religionsfreiheit

Missio Aachen und seine Projektpartner fordern die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland dazu auf, auch nach der Wahl des neuen Präsidenten die indische Regierung auf Verletzungen der Religionsfreiheit hinzuweisen. Dazu startete das Hilfswerk auch die Petition #freeourhusbands, die sich für unschuldig inhaftierte Christen einsetzt.

Das indische Staatsoberhaupt wird nicht direkt vom Volk gewählt und erfüllt, ähnlich wie der deutsche Bundespräsident, vor allem repräsentative Aufgaben. Die Macht liegt beim Premierminister.

© Missio/cze