„Die Kirche in Vietnam ist jung“

  • Kardinal Marx in Vietnam - 11.01.2016

Zu Beginn eines achttägigen Besuchs in Vietnam hat Kardinal Reinhard Marx am Wochenende die Rolle der Kirche als Gemeinschaft betont und zu einem lebendigen Austausch aufgerufen. „Die Communio der Weltkirche verbindet die Kirche in allen Ländern der Welt. Deshalb sind wir auch in gewisser Weise füreinander verantwortlich“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in der Kathedrale von Hanoi. An dem Gottesdienst nahmen Hunderte Gläubige teil, wie die Bischofskonferenz in Bonn mitteilte.

In seiner Predigt gab Marx der Hoffnung Ausdruck, in Vietnam „auf eine lebendige Kirche zu treffen, auf Menschen, die mit großer Frömmigkeit unserem Herrn Jesus Christus nachfolgen, Menschen, die sich von Schwierigkeiten nicht davon abhalten lassen, ihren Glauben zu leben und auch weiterzugeben“.

Menschenrechtler werfen dem kommunistischen Regime in Vietnam immer wieder Unterdrückung von Meinungs- und Religionsfreiheit vor. Im kommenden Jahr soll in dem Land die erste katholische Universität eröffnet werden. 1975 hatten Vietnam und der Heilige Stuhl ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Im Oktober 2014 besuchte Vietnams Ministerpräsident Nguyen Tan Dung Papst Franziskus in Rom. Der Vatikan wertete dies als „wichtigen Schritt“. Bischöfe des asiatischen Landes sprachen unlängst von Verbesserungen.

Erzbischof von Hanoi dankte deutschen Hilfswerken für ihre Unterstützung

Kardinal Reinhard Marx und Kardinal Pierre Van Nhon von Hanoi im Erzbischöflichen Haus von Hanoi.

Kopp/DBK

Wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte, traf Marx zum Auftakt der Reise mit dem Erzbischof von Hanoi zusammen, Kardinal Pierre Van Nhon. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen demnach ein Informationsaustausch über das Leben der katholischen Kirche in Vietnam, gesellschaftliche Umbrüche innerhalb des Landes und „die politische Lage, die auch die Kirche vor neue Herausforderungen stellt“. Unter den 95 Millionen Einwohnern Vietnams sind den Angaben zufolge rund 7 Millionen Katholiken. Im Gespräch dankte Kardinal Van Nhon für die Unterstützung, die die Kirche von Vietnam vor allem durch die deutschen Hilfswerke Misereor, Missio Aachen und München, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und Kirche in Not erfahre.

Während der Eucharistiefeier am Sonntag beschrieb Marx die Kirche als „geistliche Gemeinschaft, in die jeder Gläubige und jede Ortskirche hineinverwoben sind“.  Eine solche „Communio“ bedeute zugleich nicht, „dass die Kirche allein durch ein hierarchisches Prinzip strukturiert ist. In einer solchen Vorstellungswelt läuft in der Ortskirche alles auf den Bischof hinaus und in der Weltkirche alles auf den Papst. Aber so bedeutend das Weiheamt in der Kirche ist, so sehr braucht es doch eine Kommunikation, zu der alle – Priester und Laien – etwas beitragen können“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Marx griff in der Predigt die Sorge auf, der weltweite Charakter der Kirche führe zum Verlust kultureller Identität. Demgegenüber betonte er: „Tatsächlich tut der Glaube dem Erbe und den Traditionen der Völker keine Gewalt an, sondern die Kirche ist in den Völkern und Kulturen tief verwurzelt.“ Gerade deshalb könne es einen bereichernden und geistlich anspruchsvollen Austausch geben.

„Die Kirche in Vietnam ist jung und geht mit Hoffnung in die Zukunft!“

Der Konferenz-Vorsitzende hatte zuvor im Priesterseminar von Hanoi einen Gottesdienst gefeiert und die Nachbardiözese Bac Ninh besucht. Im neuen Pilger- und Gemeindezentrum Tam Dao betonte er vor mehreren tausend Menschen: „Die Kirche in Vietnam ist jung und geht mit Hoffnung in die Zukunft!“

Am Sonntagabend standen Gespräche mit Bischöfen der Region auf dem Programm. Für Montag sind mehrere politisch geprägte Begegnungen in Hanoi geplant. Bis zum 17. Januar will sich Kardinal Marx in der Sozialistischen Republik über „eine wachsende Kirche in einer schwierigen Lage“ informieren, wie es im Vorfeld hieß. (KNA/DBK)

© weltkirche.katholisch.de

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