Pfarrer beklagt Menschenrechtslage in Eritrea

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  • Menschenrechte - 24.10.2018

Trotz des neuen Friedensabkommens mit Äthiopien hat sich die politische Situation in Eritrea nicht verbessert. Zu dieser Einschätzung kommt der eritreische Pfarrer Mussie Zerai in einem offenen Brief, aus dem der vatikanische Pressedienst Fides am Mittwoch zitierte. Zerai, der mittlerweile in der Schweiz lebt, setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte von Migranten ein und wurde 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert.

„Das Regime in Asmara“, heißt es in dem Brief, „ist eines des härtesten Regime der Welt, eine Diktatur, die alle Formen der Freiheit unterdrückt, die Verfassung von 1997 für nichtig erklärte, die Justiz kontrolliert und alle Bürger zu einem fast lebenslangen Militärdienst verpflichtet.“ Besonders junge Menschen flöhen vor diesem Regime und einer armen Volkswirtschaft, die keine Beschäftigungsmöglichkeiten biete.

Der Geistliche bezieht sich in dem Schreiben auf Untersuchungen der Vereinten Nationen, die in Eritrea Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den vergangenen 25 Jahren festhalten. Menschenrechtsverletzungen in eritreischen Haftanstalten und Militärlagern, Folter, Entführungen sowie willkürliche Verhaftungen müssten nach Einschätzung der Experten beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag vorgebracht werden.

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Nach Einschätzung von Pfarrer Zerai gibt es in Eritrea nach wie vor Dutzende politische Gefangene, während internationale Kommissionen keinen Zugang zu den Haftanstalten erhalten. Noch vor kurzem seien Regimegegner verhaftet, katholische Schulen und Krankenhäuser geschlossen worden.

Hunderttausende Eritreer verließen deshalb ihr Land und riskierten die tödliche Überfahrt über das Mittelmeer. Pfarrer Zerai erinnerte in diesem Zusammenhang an das Bootsunglück vom 3. Oktober 2013, als mehr als 300 Menschen starben. „Als Eritreer“, so Pfarrer Mussie, „frage ich mich, ob es nicht es möglich ist, die Leichen der Opfer des Massakers von Lampedusa und aller anderen jungen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrunken und in Italien begraben wurden, nach Eritrea zurückzubringen.“ Bis jetzt habe niemand dafür Verantwortung übernommen. „Es ist an der Zeit, dieses Problem im Namen eines menschlichen Prinzips zu überwinden: die Familien brauchen einen Ort, an dem sie für ihre Lieben beten können“, so der Geistliche.

Erst am Dienstagabend mahnte Papst Franziskus die Regierungen Europas, die Migrationsfrage gemeinsam und entschieden anzugehen. „Ich bitte alle, auf den neuen europäischen Friedhof zu schauen: Er liegt im Mittelmeer, im ägäischen Meer“, so der Papst.

© Fides/KNA/cze

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