Europa auf dem Rückzug

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  • Vatikan - 18.11.2016

Wer eine Prognose über die Entwicklung der katholischen Weltkirche anstellen will, sollte nicht nur auf den Papst schauen, sondern auch auf seine Kardinäle: Sie sind seine wichtigsten Berater und Mitarbeiter und zudem Wähler seines Nachfolgers.

Nirgends sonst wird die Personalpolitik von Papst Franziskus so klar wie bei der Auswahl neuer Kardinäle. Seine Forderung, die Kirche müsse an die „Ränder“ der Welt und der Gesellschaft gehen, erhält hier Gesichter. Weitaus entschiedener als sein Vorgänger Benedikt XVI. (2005–2103) treibt er eine Globalisierung seines Rats voran.

Wenn der Papst am 19. November zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt im März 2013 neue Kardinäle ernennt, werden 79 Länder im Kardinalskollegium vertreten sein, so viele wie noch nie. Von den 56 Kardinälen, die Franziskus dann insgesamt kreiert haben wird, kommen allein elf aus Ländern, die nie zuvor einen Kardinal stellten.

Ortsbischöfe aus der Provinz statt Leiter großer Bistümer kommen zum Zug

Doch nicht nur ihre geografische Herkunft hat sich gewandelt, auch das persönliche Profil: Zum Zuge kommen bei Franziskus nicht zuerst Leiter großer Bistümer oder renommierte Theologen, sondern Ortsbischöfe aus der Provinz, die sich auf schwierigen Posten einen Ruf als Seelsorger erworben haben. Franziskus hat den bisherigen Automatismus außer Kraft gesetzt, dass die Leitung bestimmter Bistümer den Kardinalshut per se mit sich bringt.

Wird am Samstag ebenfalls in den Kardinalsstand erhoben: Erzbischof Dieudonne Nzapalainga aus der Zentralafrikanischen Republik.

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Die Statistik spricht für sich: Von den 56 von ihm ernannten Kardinälen sind nur zwölf amtierende oder pensionierte Ortsbischöfe aus Europa (ohne Kurienkardinäle). Nimmt man nur jene neuen Kardinäle, die unter 80 Jahre alt sind und damit zur Papstwahl berechtigt wären, fällt das Ergebnis sogar noch deutlicher aus: Dann sind es nur acht von 44.

Die größte Gruppe von Franziskus‘ Kardinälen stellt Lateinamerika, wo rund 40 Prozent aller Katholiken weltweit leben – mit 14 neuen Purpurträgern, gefolgt von Afrika (8) und Asien (7). Gemessen an der Zahl der Katholiken ist allerdings Ozeanien bislang der Gewinner des Pontifikats: Aus diesem Erdteil mit nicht einmal einem Prozent aller Katholiken ernannte Franziskus gleich drei Kardinäle. Das Schlusslicht bildet Nordamerika mit drei neuen Eminenzen.

Wenig Kurienkardinäle ernannt

Im Vatikan beschränkte sich der Papst auf das Pflichtprogramm: Bislang nur sieben seiner Kardinäle erhielten als Kurienvertreter den Kardinalshut, ferner ein aktiver und ein ehemaliger Diplomat des Heiligen Stuhls. Das sind deutlich weniger als unter Benedikt XVI. Der deutsche Papst brachte es in seiner achtjährigen Amtszeit auf mehr als 30 neue Kurienkardinäle. Es ist allerdings keineswegs so, dass Franziskus traditionelle Anwärter im Vatikan systematisch zugunsten von Ortsbischöfen der Weltkirche übergehen würde.

Die geringe Zahl neuer Kurienkardinäle erklärt sich vor allem dadurch, dass in der Amtszeit von Benedikt XVI. viele Spitzenposten im Vatikan neu besetzt wurden, weil die bisherigen Amtsinhaber in den Ruhestand gingen. Außerdem hat sich die Zahl der kardinalsträchtigen Führungspositionen durch die Kurienreform verringert.

Die veränderte Ernennungspraxis von Franziskus macht sich in der Zusammensetzung des Kardinalskollegiums vorerst nur behutsam bemerkbar. Immerhin: Seine absolute Mehrheit im Kardinalskollegium hat Europa bereits verloren, allerdings nur knapp. Dass der Anteil der Europäer nicht stärker zurückgegangen ist, liegt daran, dass alle von Franziskus ernannten Kurienkardinäle vom Alten Kontinent stammen.

Von den demnächst insgesamt 228 Kardinälen kommen 112 aus Europa, 62 aus Amerika, jeweils 24 aus Afrika und Asien und 6 aus Ozeanien. Von den 121 zur Papstwahl berechtigten Kardinälen stammen 54 aus Europa, annähernd die Hälfte von ihnen aus Italien (25).

Bisweilen nutzt Franziskus Kardinalsernennungen nach Ansicht von Beobachtern auch, um gezielt in seinem Sinne auf den Kurs von Bischofskonferenzen einzuwirken. Als Beleg hierfür gelten die Berufung von theologischen Außenseitern aus Italien und den USA.

Von den 121 wahlberechtigten Kardinälen hat er 44 in das Kollegium berufen. Bis die Mehrheit des Kollegiums von ihm ernannt ist, dürfte es noch ein bis zwei Jahre dauern.

Von Thomas Jansen (KNA)

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Konsistorium

Papst Franziskus ernennt bei einem Konsistorium am Samstag (19. November) 17 neue Kardinäle aus allen Kontinenten. Die Kardinäle sind die engsten Mitarbeiter und Berater des Papstes in seiner Aufgabe als Oberhaupt der Weltkirche. Diese kollegiale Unterstützung erfolgt offiziell in Konsistorien (von lateinisch „consistorium“ für Versammlung oder Versammlungsort), die der Papst zu besonderen Anlässen einberuft und leitet. Es gibt ordentliche und außerordentliche Konsistorien.

Erstere, zu denen zumindest die in der Stadt Rom anwesenden Kardinäle eingeladen werden, finden mehrmals jährlich zur Durchführung bestimmter offizieller Akte statt, etwa der Bestätigung von Heiligsprechungen. In ein- oder mehrjährigen Abständen werden sie auch zur Kreierung neuer Kardinäle anberaumt – so nun für den 19. November.

Gelegentlich erbittet der Papst von diesen Runden auch Beratung bei „gewissen schwerwiegenden Angelegenheiten“. Zu ordentlichen (oder allgemeinen) Konsistorien kann im Gegensatz zu den außerordentlichen in bestimmten Fällen auch die Öffentlichkeit zugelassen werden.

An außerordentlichen Konsistorien sollen alle Mitglieder des Kardinalskollegiums teilnehmen. Diese beruft laut Kirchenrecht der Papst ein, „wenn besondere Erfordernisse der Kirche oder die Behandlung schwererwiegender Angelegenheiten dies ratsam erscheinen lassen“. (KNA)

Das sind die 17 neuen Kardinäle der Weltkirche

Am Samstag (19. November) nimmt Papst Franziskus 17 Kirchenmänner in das Kardinalskollegium auf. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) stellt die neuen Senatoren des Papstes in Kurzporträts vor:

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Carlos Aguiar Retes (66), Erzbischof von Tlalnepantla/Mexiko

Franziskus wertet mit dieser Ernennung ein wenig bekanntes Bistum auf. Carlos Aguiar ist seit 2009 Erzbischof von Tlalnepantla in Mexiko. Seit 2007 ist er Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. 2014 und 2015 nahm er an den Bischofssynoden im Vatikan teil. Als Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM war er 2014 am Abschlussdokument der Bischofssynode beteiligt.

Aguiar wurde am 9. Januar 1950 im mexikanischen Tepic geboren. Er studierte in den USA und machte in Rom seinen Doktor in Bibeltheologie. 1973 erhielt er die Priesterweihe. An der Päpstlichen Universität in Mexiko war er Rektor einer Seminaristenresidenz und Professor für Bibelkunde. 1997 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Texcoco; Benedikt XVI. machte ihn 2009 zum Erzbischof von Tlalnepantla.

Von 2006 bis 2012 war Aguiar Vorsitzender der Mexikanischen Bischofskonferenz und CELAM-Präsident von 2011 bis 2015. 2003 bis 2007 hatte er dort bereits das Amt des Ersten Vizepräsidenten inne.

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Renato Corti (80), emeritierter Bischof von Novara/Italien

Renato Corti, Altbischof von Novara (1991–2011) ist außer Mario Zenari, den Franziskus ausdrücklich aufgrund seines Amtes als Papstbotschafter in Syrien wählte, der zweite Italiener unter den neuen Kardinälen. Aufgrund seines Alters ist Corti nicht mehr zur Papstwahl berechtigt.

Der am 1. März 1936 im norditalienischen Galbiate geborene Corti hielt 2005 die Fasten-Exerzitien für Papst Johannes Paul II. und die Kurie. 2015 verfasste er die Kreuzweg-Meditation für Papst Franziskus. Der Italiener gilt als besonders begabter Prediger. Corti war unter anderem zehn Jahre lang Vize-Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz (1995–2005).

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Blase Joseph Cupich (67), Erzbischof von Chicago/USA

Bei Blase Cupich hielt sich Franziskus ausnahmsweise an die Konvention: Der Erzbischof von Chicago ist traditioneller Anwärter auf die Kardinalswürde. Cupich gilt als Franziskus‘ Mann in der US-Bischofskonferenz. Der Papst berief ihn im September 2014 zum Erzbischof von Chicago. Im Oktober 2015 nahm er als vom Papst persönlich berufenes Mitglied an der Bischofssynode über Ehe und Familie teil. Im Juli ernannte Franziskus ihn zusätzlich zum Mitglied der einflussreichen vatikanischen Bischofskongregation, die für die Ernennung neuer Bischöfe zuständig ist.

Cupich ist unter den US-Bischöfen ein Außenseiter. Illegal Eingewanderten will er einen legalen Aufenthaltsstatus geben, und nach dem Attentat auf einen Schwulen-Club in Orlando sorgte er für Aufsehen, als er zum Gebet für „unsere schwulen und lesbischen Brüder und Schwestern“ aufrief. Nach seiner Ernennung für Chicago zog er vom Bischofshaus in eine Wohnung um.

Nach dem Theologie-Studium in Washington und Rom wirkte Cupich unter anderem als Seelsorger und Rektor eines Priesterseminars. 1998 wurde er zum Bischof von Rapid City im Bundesstaat South Dakota ernannt. 2010 wechselte er nach Spokane im Bundesstaat Washington.

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Kevin Joseph Farrell (69), irischer Leiter der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben

Der im August von Papst Franziskus zum Leiter der neuen vatikanischen Großbehörde für Laien, Familie und Leben ernannte Bischof Kevin Joseph Farrell verbindet eine konservative Haltung mit Weltläufigkeit. Am 2. September 1947 in Dublin geboren, besuchte er die High School der Schulbrüder in Drimnagh und trat 1966 den Legionären Christi bei, verließ die Gemeinschaft aber 1984 wieder. Farrell studierte Philosophie und Theologie in Rom und wurde dort 1978 geweiht. Anschließend war er Kaplan an der Universität Monterrey (Mexiko), wo er auch Bioethik und Sozialethik unterrichtete.

In den 80er Jahren unterstützte er die Erzdiözese Washington bei der Betreuung spanischsprechender Priester. 1984 wurde er in den Washingtoner Weltklerus übernommen. 1985 wurde er Direktor des spanischen katholischen Zentrums in der US-Hauptstadt, einer Einrichtung zur Betreuung von Neueinwanderern. 1987 bis 1988 war Farrell Caritas-Direktor, danach Finanzsekretär der Erzdiözese Washington und 1995 Generalvikar.

Papst Johannes Paul II. ernannte Farrell zum Weihbischof in Washington. 2007 machte ihn Benedikt XVI. zum Bischof von Dallas. Farrell spricht Englisch, Italienisch und Spanisch. Sein Bruder Brian (72) ist Kurienbischof und Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates.

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Anthony Soter Fernandez (84), emeritierter Erzbischof von Kuala Lumpur/Malaysia

Anthony Soter Fernandez, früherer Erzbischof von Kuala Lumpur, wird der erste Kardinal aus Malaysia. Aufgrund seines Alters wäre er jedoch bei einer Papstwahl nicht stimmberechtigt. Rund 60 Prozent der 31 Millionen Malaysier sind Muslime; 40 Prozent gehören Minderheitsreligionen an. Der Islam ist in dem südostasiatischen Land Staatsreligion.

Medien berichten von Fernandez als einem engagierten Kämpfer für den interreligiösen Dialog im Land. Der Mann mit indischen Wurzeln wurde am 22. April 1932 im malaysischen Sungai Petani geboren. 1966 erhielt er die Priesterweihe. Elf Jahre später wurde er zum Bischof von Penang ernannt und 1993 zum Erzbischof von Kuala Lumpur (bis 2003). Seitdem kümmert er sich als Spiritual des Seminars von Penang um die Priesterausbildung. Von 1987 bis 1990 und von 2000 bis 2003 war Fernandez Vorsitzender der Bischofskonferenz von Malaysia, Singapur und Brunei.

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Jozef De Kesel (69), Erzbischof von Mecheln-Brüssel/Belgien

Jozef De Kesel, seit Dezember 2015 Erzbischof von Mecheln-Brüssel und Primas von Belgien, ist künftig der einzige zur Papstwahl berechtigte Kardinal aus Belgien. De Kesel ist auch Vorsitzender der nationalen Bischofskonferenz. Der polyglotte Flame steht für einen vermittelnden kirchenpolitischen Kurs und tritt intellektuell, besonnen und gemäßigt auf. Mit ihm verbinden sich Hoffnungen auf eine Trendwende in der belgischen Kirche, die – auch aufgrund von Skandalen um sexuellen Missbrauch – eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise durchlebt.

De Kesel wurde am 17. Juni 1947 als fünftes von neun Kindern in Gent geboren. Nach seinem Studium dort sowie in Löwen und Rom und der Priesterweihe 1972 lehrte er Fundamentaltheologie und philosophische Anthropologie in Gent und Löwen. 2002 wurde er Weihbischof im Hauptstadt-Erzbistum Mecheln-Brüssel. Sein Bischofsmotto stammt vom heiligen Augustinus: „Mit euch bin ich Christ“; es soll nach eigenen Worten die Nähe mit den Gläubigen symbolisieren.

2010 ernannte Benedikt XVI. De Kesel zum Bischof von Brügge. Sein Vorgänger dort hatte auf öffentlichen Druck zurücktreten müssen, weil er seinen Neffen über Jahre sexuell missbrauchte. De Kesel betonte, es werde mindestens eine Generation dauern, bis die Wunden des Pädophilie-Skandals verheilt seien. Zudem spricht er sich für gegenseitigen Respekt und eine tolerante belgische Gesellschaft mit Christen, Muslimen und Nichtglaubenden aus.

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Sebastian Koto Khoarai (87), emeritierter Bischof von Mohale's Hoek/ Lesotho

Mit dem Oblaten-Missionar Sebastian Koto Khoarai (87) erhält auch das Königreich Lesotho erstmals einen Kardinal. Khoarai war erster Bischof der 1977 errichteten Diözese Mohale's Hoek (1977–2014) und von 1982 bis 1987 Vorsitzender der nationalen Bischofskonferenz. Aufgrund seines Alters wäre Khoarai bei einem Konklave nicht mehr stimmberechtigt.

Khoarai wurde am 11. September 1929 in Koaling geboren. Nach seinem Eintritt in die Kongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria empfing er 1956 die Priesterweihe. 1977 wurde er von Papst Paul VI. (1963–1978) zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Mohale's Hoek ernannt. Nach seinem Rücktrittsgesuch aus Altersgründen 2006 leitete er das Bistum noch bis 2014 als Apostolischer Administrator.

Lesotho, eine Enklave in der Republik Südafrika, zählt rund zwei Millionen Einwohner. Knapp 60 Prozent davon leben nach Weltbank-Angaben in Armut. Viele von ihnen suchen als Farmarbeiter, Reinigungskräfte oder Bergleute besser bezahlte Jobs in Südafrika.

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Dieudonne Nzapalainga (49), Erzbischof von Bangui

Mit Dieudonne Nzapalainga (49) erhält erstmals ein Zentralafrikaner die Kardinalswürde. Der am 14. März 1967 in Mbomou geborene Nzapalainga wird das derzeit jüngste Mitglied im Kardinalskollegium. Seit 1993 gehört er dem Spiritanerorden an; 2012 wurde er Erzbischof von Bangui. Seit 2013 ist er Vorsitzender der nationalen Bischofskonferenz.

Mit dem Präsidenten des zentralafrikanischen Islamrats und dem Leiter der Evangelischen Allianz gründete Nzapalainga die „Interreligiöse Friedensplattform“ gegen den Bürgerkrieg in ihrem Land. 2015 erhielt Nzapalainga dafür den Aachener Friedenspreis. 2014 warben die drei Religionsvertreter in Deutschland um mehr Einsatz für Frieden in ihrem Land.

Nzapalainga wurde 1998 zum Priester geweiht. Bis 2005 war er Kaplan und Vikar in Frankreich. In Bangui war er vier Jahre Regional-Superior der Spiritaner und Pfarrer. 2009 wurde er Apostolischer Administrator von Bangui; 2012 erhielt er die Bischofsweihe. Bei seinem Besuch im November 2015 öffnete Papst Franziskus vorab in Bangui die Heilige Pforte der Kathedrale und tauschte Friedensgrüße mit dem Imam der größten Moschee und einem Repräsentanten der evangelikalen Kirche aus.

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Carlos Osoro Sierra (71), Erzbischof von Madrid/Spanien

Ein Überraschungskandidat war Carlos Osoro Sierra (71) bei seiner Ernennung zum Erzbischof von Madrid 2014. Er wird als offener, kommunikativer Seelsorger beschrieben. In den teils laut und hart geführten Debatten der Kirchenführung mit den spanischen Regierungen etwa um Abtreibung, Euthanasie und Familienrecht gehörte er bislang zu den eher weniger vernehmbaren Stimmen. Allerdings genießt er offenbar großen Rückhalt unter den spanischen Bischöfen; sie wählten ihn zu ihrem Vize-Vorsitzenden.

Die spanische Hauptstadt ist traditionell mit dem Kardinalsrang verbunden. Allerdings nahm Franziskus auf solche Regeln zuletzt wenig Rücksicht. Osoro wurde am 16. Mai 1945 in Castaneda in der Provinz Santander geboren. Nach dem Abschluss eines Pädagogik- und Mathematik-Studiums in Madrid trat er ins Spätberufenen-Seminar in Salamanca ein und studierte Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Salamanca. 1973 empfing er die Priesterweihe.

1996 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Bischof von Orense. Von 2002 bis 2009 leitete Osoro das Erzbistum Oviedo. Benedikt XVI. machte ihn zum Erzbischof von Valencia. Im August 2014 berief ihn Franziskus in die Hauptstadt Madrid.

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Maurice Piat (75), Bischof von Port-Louis/Mauritius

Franziskus hat ein großes Herz für kleine Inselstaaten: Nach Bischöfen aus Tonga, Haiti, St. Lucia und den Kapverdischen Inseln ist Maurice Piat aus Mauritius bereits der fünfte Vertreter dieser Ländergruppe, den er zum Kardinal macht. Mit dem Leiter des Hauptstadtbistums Port-Louis sind nun alle Weltmeere im Kollegium repräsentiert: Pazifik, Atlantik und Indischer Ozean. Der Papst, der erstmals in einer Enzyklika zum Kampf gegen den Klimawandel aufrief, will den Opfern dieser Entwicklung offenbar die Solidarität der Weltkirche bekunden.

Piat hat die Welt gesehen. In Irland trat er 1962 in den Spiritanerorden ein und studierte Betriebswirtschaftslehre; in Rom absolvierte er ein Theologie-Studium; im indischen Bangalore sammelte er praktische Erfahrungen in der Seelsorge; in Paris belegte er einen Kurs für Priesterausbilder. Anschließend wirkte er als Seelsorger und Beauftragter für kirchliche Basisgemeinschaften in seiner Heimat.

Seit 1991 leitet Piat das Bistum Port-Louis, zunächst als Koadjutor von Kardinal Jean Margeot, seit 1993 als dessen Nachfolger. Piat gehört dem Ständigen Rat der Versammlung der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars an.

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Baltazar Enrique Porras Cardozo (72), Erzbischof von Merida/Venezuela

Baltazar Porras ist seit 1991 Erzbischof von Merida in Venezuela. Mit seiner Kardinalserhebung wird die Kirche des krisengeschüttelten Landes weiter aufgewertet. Porras sieht in seiner Ernennung ein Zeichen der Sorge des Papstes für das südamerikanische Land. Seit 1997 ist Porras auch Mitglied des Amerika-Spezialrates der Bischofssynode.

Porras wurde am 10. Oktober 1944 in der Hauptstadt Caracas geboren; zum Priester geweiht wurde er 1967. Der Doktor der Pastoraltheologie war sowohl als Pfarrer als auch als Professor im Einsatz. Von 1979 bis 1983 war er Rektor des Priesterseminars in Caracas. An der Spitze der Venezolanischen Bischofskonferenz stand er von 1999 bis 2006. Im Folgejahr übernahm er das Amt des Ersten Vizepräsidenten des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, das er bis 2011 ausübte.

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John Ribat (59), Erzbischof von Port Moresby/Papua-Neuguinea

Wenn Franziskus nach seiner Papstwahl scherzte, die Kardinäle hätten ihn vom anderen Ende der Welt geholt, kann John Ribat dasselbe sagen: Als erster Kardinal Papua-Neuguineas zieht er in den Senat des Papstes ein.

Geboren am 9. Februar 1957 in Volavolo an der Küste der Bismarck-See, schloss er sich nach der Schule den Herz-Jesu-Missionaren an und arbeitete als Pfarrseelsorger, dann auch Novizenmeister seines Ordens. Mit 43 Jahren erhielt er die Ernennung zum Weihbischof in Bereina, einem Bistum von der Größe von Rheinland-Pfalz, aber mit lediglich 86.000 Katholiken. 2007 machte ihn Benedikt XVI. zum Erzbischof-Koadjutor in der Hauptstadt Port Moresby; ein Jahr später übernahm er das Erzbistum offiziell.

Von einem Südsee-Paradies ist der Pazifik-Staat weit entfernt: Trotz Wirtschaftswachstums zählt Papua-Neuguinea noch immer zu den ärmeren Entwicklungsländern. Malaria und Aids sind verbreitet. Australien lässt dort seit Jahren Migranten und Flüchtlinge internieren. Soziale Spannungen machten sich im Juni in Studentenprotesten in Port Moresby Luft, die eskalierten. Ribat ist im Sinn von Franziskus ein Kirchenmann am Rand der Gesellschaft.

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Sergio da Rocha (57), Erzbischof von Brasilia

Sergio da Rocha ist ein weltkirchliches Schwergewicht: Als Vorsitzender der Brasilianischen Bischofskonferenz steht er für das nach Zahlen an Gläubigen größte katholisch geprägte Land der Welt. Die Konkurrenz von Pfingstgemeinden setzt der Kirche allerdings stark zu; der Katholikenanteil sank von einst 90 auf nun rund 65 Prozent. Zu den wichtigsten Aufgaben da Rochas, der den Vorsitz der Bischofskonferenz 2015 von Kardinal Raymundo Damasceno Assis (79) übernahm, gehört daher, die Abwanderung von Katholiken zu stoppen.

Am 21. Oktober 1959 in Dobrada im Bundesstaat Sao Paulo geboren, studierte da Rocha in Brasilien und in Rom Theologie mit Schwerpunkt Moraltheologie. 2011 machte ihn Benedikt XVI. zum Erzbischof der Hauptstadtdiözese Brasilia; zuvor stand er dem Erzbistum Teresina im armen Nordosten des Landes vor. Im Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM leitete da Rocha zeitweise die Kommission für geistliche Berufungen.

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Patrick D'Rozario (73), Erzbischof von Dhaka/Bangladesch

Der Heilig-Kreuz-Priester Patrick D'Rozario ist seit 2011 Erzbischof von Dhaka und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Bangladesch. Auch er wird der erste Geistliche seines Landes mit Kardinalshut. Seine Ernennung war für viele ebenso überraschend wie die Ankündigung von Papst Franziskus, 2017 Bangladesch zu besuchen. D'Rozario versteht seine Ernennung als Anerkennung seines Wirkens im interreligiösen Dialog und als Ermutigung für die Gläubigen.

Das südostasiatische Land mit 160 Millionen Einwohnern ist seit 1971 von Pakistan unabhängig. 89 Prozent sind Muslime. Die rund 350.000 Katholiken in acht Bistümern stellen die größte christliche Minderheit. Seit 2013 kommt es in Bangladesch vermehrt zu islamistischen Anschlägen.

D'Rozario wurde am 1. Oktober 1943 in Padrishibpur im Süden Bangladeschs geboren, das damals noch zu Britisch-Indien gehörte. 1972 erhielt er die Priesterweihe; 1990 wurde er von Johannes Paul II. zum ersten Bischof des neu errichteten Bistums Rajshahi ernannt. Fünf Jahre später wurde er Bischof von Chittagong, der zweitwichtigsten Diözese des Landes. 2010 machte Benedikt XVI. den Ordensmann zum Koadjutor des Erzbistums Dhaka.

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Ernest Simoni (88), Priester aus Albanien

Jeder Kardinal verspricht dem Papst, für seine Kirche im äußersten Fall sein Blut zu geben. Ernest Simoni aus Albanien wäre bereits in jungen Jahren fast zum Märtyrer geworden. Der Priester wurde 1963 an Heiligabend vom kommunistischen Regime verhaftet. Albanien rühmte sich damals damit, der „erste atheistische Staat der Welt“ zu sein. Simoni wurde zum Tode verurteilt; später wurde die Strafe in 25 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. Nach 18 Jahren Haft wurde der Priester freigelassen.

Bis zum Scheitern des kommunistischen Regimes konnte Simoni nur im Untergrund als Priester wirken. Er schlichtete viele Familienfehden, die in Albanien oft blutig enden. Franziskus wurde bei seinem Albanien-Besuch 2014 auf ihn aufmerksam. Simoni ist der einzige einfache Priester unter den 17 neuen Kardinälen.

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Joseph William Tobin (64), Erzbischof von Newark/USA

2015 machte Joseph Tobin Schlagzeilen, als er bekanntgab, in seinem Erzbistum Indianapolis weiter syrische Flüchtlinge aufzunehmen – auch gegen den Kurs des örtlichen Gouverneurs: Mike Pence, heute designierter Vizepräsident der USA.

Tobin, geboren am 3. Mai 1952 als eines von 13 Geschwistern, stammt aus der Autostadt Detroit. Er hat Erfahrung in der Bistums- und Ordensleitung, kennt den Vatikan und die pastorale Wirklichkeit. Mit 39 wählten ihn die Redemptoristen in die Leitungsebene, sechs Jahre später zu ihrem Generaloberen. 2003 wurde er zudem Vize-Vorsitzender der internationalen Union der Generaloberen.

Viele Jahre wirkte er als Mittelsmann zwischen den Orden und dem Vatikan. 2010 holte Benedikt XVI. ihn auf den zweithöchsten Posten der Ordenskongregation in Rom. 2012 folgte die Ernennung zum Erzbischof von Indianapolis. Erst zwei Wochen vor seiner Kardinalsernennung machte ihn Franziskus zum Leiter des Erzbistums Newark. Die 1,5 Millionen Katholiken dort sind zu 40 Prozent Weiße, gut ein Viertel Hispanics und knapp ein Fünftel Schwarze. Tobin, so heißt es, sei „hoch erfreut“, dass die Gottesdienste in einem Dutzend Sprachen gefeiert werden. Er selbst spricht außer Englisch und Spanisch auch Portugiesisch, Italienisch und Französisch.

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Mario Zenari (70), Nuntius in Syrien

Bei der Ankündigung der neuen Kardinäle im Oktober verwies Papst Franziskus darauf, dass Erzbistum Mario Zenari (70), Botschafter des Heiligen Stuhls, auf seinem Posten „im geliebten und gemarterten Syrien“ bleibe. Für Zenari selbst ist dies ein „deutliches Zeichen der Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung“.

Zenari wurde am 5. Januar 1946 im norditalienischen Villafranca geboren. Seit 1970 Priester, trat Zenari 1980 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er arbeitete bei Päpstlichen Vertretungen in Deutschland, Rumänien, Kolumbien, im Senegal und in Liberia. Mehrere Jahre verbrachte Zenari in Wien als Ständiger Vatikan-Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde und bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zudem war er Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UN-Organisation für industrielle Entwicklung.

1999 ernannte Johannes Paul II. Zenari zum Nuntius für die Elfenbeinküste und Niger sowie für Burkina Faso. 2004 wechselte er nach Sri Lanka. Vier Jahre später machte ihn Benedikt XVI. zum Botschafter in Syrien.

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