Kolumbien schreibt Geschichte

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  • Kolumbien - 27.09.2016

In Kolumbien ist nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg ein historisches Friedensabkommen zwischen der Regierung und der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC unterzeichnet worden. Kolumbiens Staatspräsident Juan Manuel Santos und FARC-Kommandant Rodrigo Londono Jimenez alias „Timochenko“ unterschrieben am Montag (Ortszeit) in der Küstenstadt Cartagena den 297-seitigen Friedensvertrag im Beisein zahlreicher Staatschefs aus Lateinamerika.

Anschließend steckte sich der FARC-Kommandant eine Friedenstaube an sein weißes Hemd. Mit der Unterzeichnung ging um exakt 17.31 Uhr (Ortszeit) ein 52 Jahre andauernder Krieg in Kolumbien offiziell zu Ende. Nach Angaben der Tageszeitung „El Tiempo“ kostete der bewaffnete Konflikt 267.162 Menschenleben.

Das Abkommen wurde von den Beteiligten mit einem zu einem Kugelschreiber umgebauten Maschinengewehrprojektil unterschrieben. Die Zeremonie fand auf dem mit weißen Friedensfahnen geschmückten „Platz der Flaggen“ statt. Der kolumbianische Präsident öffnete zu Beginn der Zeremonie gemeinsam mit einem Mädchen symbolisch mit einem Schlüssel die Türe zur einer friedlichen Zukunft des südamerikanischen Landes. Zuvor waren mit großem Beifall die beiden Verhandlungsdelegationen der Regierung und der FARC von den geladenen Gästen begrüßt worden, unter ihnen viele Angehörige von Opfern des bewaffneten Konfliktes.

Abschluss von vierjährigen Friedensgesprächen – Volksabstimmung am Sonntag

Regierung und FARC hatten im August erfolgreich die vierjährigen Friedensgespräche abgeschlossen. Am Wochenende hatte die Basis der Rebellen auf einem Nationalen Kongress ihre Zustimmung zu dem Vertrag gegeben, der jetzt in Cartagena unterzeichnet wurde. Am Sonntag folgt eine Volksabstimmung über die Verhandlungsergebnisse.

Rund 3.500 Guerilleros der FARC verfolgten nach lokalen Medienberichten zeitgleich in Llanos del Yari auf Großbildschirmen die Unterzeichnung des Vertrages. Dort hatten die Rebellen in der vergangenen Woche im Rahmen ihres Nationalen Kongresses ihre Zustimmung für die Vereinbarung gegeben. Auch auf der Plaza Bolivar in der Hauptstadt Bogota verfolgten Tausende Menschen die Zeremonie, die mit einigen Minuten Verspätung begann.

„Kolumbien schreibt heute Geschichte!“

— Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte in einer Pressemitteilung: „Kolumbien schreibt heute Geschichte!“ Mit dem Friedensabkommen bewiesen die Konfliktparteien, „dass Frieden möglich ist – auch nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit über 300.000 Toten und Millionen Vertriebenen“.

Auch Papst Franziskus gratulierte Kolumbien. In einem Gottesdienst in der Kathedrale San Pedro Claver in Cartagena überbrachte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine Botschaft des ersten Kirchenoberhauptes aus Lateinamerika. Der Papst habe – ohne sich in die konkreten Verhandlungen einzumischen – stets die Friedensbemühungen unterstützt.

Adveniat: Kirche ist Motor dieses Friedensprozesses

Adveniat-Chef Klaschka: „Der lange Atem der beiden Verhandlungspartner aber insbesondere auch der kolumbianischen Kirche hat sich ausgezahlt.“

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Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka sagte in Essen: „Der lange Atem der beiden Verhandlungspartner, aber insbesondere auch der kolumbianischen Kirche hat sich ausgezahlt. Gerade die Kirche war und ist wie keine andere Institution des Landes Motor dieses Friedensprozesses“, betonte der Prälat und Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks.

Für den nun beginnenden Aufbau eines friedlichen Kolumbiens sei neben Geduld vor allem viel Vertrauen und Versöhnungsbereitschaft erforderlich, erklärte Klaschka mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen. „Bis die Waffen abgegeben, die Rebellen politisch und gesellschaftlich integriert und die Wunden der insgesamt fast acht Millionen Opfer zumindest teilweise geschlossen sein werden, brauchen die Kolumbianer unsere Solidarität“, so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Mit einer Kampagne unter dem Motto „Frieden jetzt!“ werde das Lateinamerika-Hilfswerk in den kommenden Jahren bei der Kirche und damit bei allen Menschen vor Ort präsent sein. (lek/KNA/Adveniat)

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