Mutter Teresa vor der Heiligsprechung

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  • Orden - 14.03.2016

Wer an Mutter Teresa denkt, hat sofort ein ganz bestimmtes Bild vor Augen: Eine kleine, gebückte Frau im weißblauen Gewand, die Hände gefaltet, das Gesicht zerfurcht. Viele Menschen haben den „Engel von Kalkutta“ schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt. Am Dienstag (15. März) berät Papst Franziskus mit den Kardinälen abschließend darüber, ob und wann die berühmte Missionsschwester tatsächlich heiliggesprochen wird.

Auch wenn in den vergangenen Jahren das überlebensgroße Bild der Ordensfrau ein paar Kratzer bekam: Mutter Teresas Strahlkraft ist bis heute ungebrochen. Das zeigte sich zuletzt im September 2015, als das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Kanzlerin Angela Merkel angesichts ihres Handelns in der Flüchtlingskrise als „Mutter Angela“ auf den Titel brachte.

Mutter Teresa wurde am 26. August 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje im heutigen Mazedonien geboren. Schon mit 18 Jahren ging sie als Missionsschwester nach Indien und arbeitete dort als Lehrerin – eigentlich eine „übliche“ Missionskarriere. Ihr Weg schien vorgezeichnet: Geografielehrerin und – weil überdurchschnittlich begabt – schließlich Direktorin einer Mädchenschule in Kalkutta.

Doch täglich begegneten ihr Bettler, ausgemergelte und kranke Menschen. Sie traf Kinder, die ausgesetzt wurden. Eine „Damaskus-Stunde“ beendete ihr normales Leben als Missionarin. „Gott rief mich“, sagte sie später. Dennoch war ihre Frömmigkeit offenbar nicht unerschütterlich, wie private Notizen und vertrauliche Briefwechsel offenbarten, die 2007 veröffentlicht wurden. Ein ganzes Jahrzehnt lang durchlitt die Ordensfrau demnach schmerzhafte Zweifel an ihrer Mission und quälende seelische Einsamkeit.

Geburtsstunde der „Missionarinnen der Nächstenliebe“

Bewegt vom Elend in den Slums von Kalkutta verließ sie 1948 ihr Kloster und gründete eine eigene Ordensgemeinschaft. Die „Missionarinnen der Nächstenliebe“ widmeten sich ausschließlich den Ärmsten, den Findelkindern und den Sterbenden auf der Straße. Immer mehr junge Frauen, zunächst in Indien und später auf allen Kontinenten, schlossen sich ihrem Orden an.

1979 wurde Mutter Teresa mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Wenn nach Vorbildern gefragt wurde, stand ihr Name meist auf den vorderen Plätzen. Für die meisten Menschen war Mutter Teresa das weltweite Symbol für christliche Nächstenliebe.

2013 veröffentlichten dann renommierte Medien wie die „Zeit“, die „Süddeutsche Zeitung“ oder die „Welt“ kritische Berichte. Anlass war eine umfangreiche Studie zum Leben der berühmten Missionsschwester. Drei kanadische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, in Armenhäusern von Mutter Teresa hätten schlechte hygienische Zustände geherrscht. Sterbenden seien teilweise Schmerzmittel verweigert worden. Die Missionarin sei sogar „alles andere als eine Heilige“, bilanzierte der Leiter der Studie, der Psychologieprofessor Serge Larivee von der Universität Montreal.

Bei ihrem Tod am 5. September 1997 im Alter von 87 Jahren war die Trauer weltweit groß. Papst Johannes Paul II. nannte Mutter Teresa „ein Geschenk an die Kirche und an die Welt“. Bereits sechs Jahre später, am 19. Oktober 2003, sprach er sie in Anwesenheit von rund 300.000 Menschen in Rom selig.

Heiligsprechung voraussichtlich Anfang September

Die Besiegelung ihrer Heiligsprechung dürfte nun nur noch Formsache sein. Im Dezember 2015 hat Papst Franziskus die wissenschaftlich nicht erklärbare Heilung eines an einem Hirntumor leidenden Mannes als Wunder anerkannt; es sei auf die Fürsprache von Mutter Teresa gewirkt worden. Die Heiligsprechung soll voraussichtlich am 4. September 2016 stattfinden – als ein Höhepunkt des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit.

Als Franziskus vor wenigen Tagen die vier im Jemen ermordeten Mutter-Teresa-Schwestern würdigte, betete er bereits in bemerkenswerten Worten: „Mutter Teresa begleite diese ihre Töchter und Märtyrer der Nächstenliebe ins Paradies und trete bei Gott ein für Frieden und den heiligen Respekt vor dem menschlichen Leben.“

Von Norbert Demuth (KNA)

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Mutter Teresa von Kalkutta

Die Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910–1997) ist als „Mutter der Armen“ weltweit bekannt. Als Albanerin mit bürgerlichen Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu im heute mazedonischen Skopje geboren, wollte sie schon als Schulmädchen Missionsschwester werden. Mit 18 Jahren trat sie bei den Loreto-Schwestern ein, die sie als Lehrerin nach Kalkutta sandten.

1948 verließ sie diese Gemeinschaft, um ihrer nach eigenem Empfinden eigentlichen Bestimmung nachzugehen. In einen weißen Sari, die übliche indische Frauentracht, gekleidet, siedelte sie in eines der schlimmsten Elendsviertel von Kalkutta über, um dort das Leben der Armen zu teilen.

Schon ein Jahr später konnte sie dort mit einheimischen jungen Frauen, die sich ihr anschlossen, eine Gemeinschaft bilden, die „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Vor allem ihre Heime für Findelkinder und ihre Sterbehäuser für todgeweihte Obdachlose machten sie über Indien hinaus bekannt.

Für ihr Werk, das auf allen Kontinenten Fuß fasste, wurden ihr zahlreiche Ehrungen zuteil, unter anderem die Ehrenstaatsbürgerschaft der USA sowie 1979 der Friedensnobelpreis. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa 87-jährig in Kalkutta. Bereits sechs Jahre später, am 19. Oktober 2003, sprach Papst Johannes Paul II. (1978–2005) sie selig. Als wahrscheinlicher Termin der Heiligsprechung gilt der 4. September 2016. (KNA)

Missionarinnen der Nächstenliebe

Die Gemeinschaft „Missionarinnen der Nächstenliebe“ ist eine der erfolgreichsten Ordensgründungen des 20. Jahrhunderts. Die von der seligen Mutter Teresa von Kalkutta (Agnes Bojaxhiu, 1910–1997) in Indien gegründete Gemeinschaft erhielt 1950 vom Vatikan als Einrichtung diözesanen Rechts die offizielle Anerkennung. Ordenstracht ist der weiße Sari mit dem blauen Band.

Der Gemeinschaft, die weltweit in mehr als 130 Ländern vertreten ist, zählt nach Vatikanangaben rund 5.300 Schwestern in weltweit 762 Häusern. Etwas mehr als 400 Mitglieder hat der männliche Zweig. Auch nach dem Tod der Ordensgründerin 1997 verzeichnet der Orden weiteren Zuwachs, allerdings auf niedrigerem Niveau. Geleitet wird er seit 2009 von der aus Deutschland stammenden Mary Prema Pierick (62).

Ihre Hauptaufgabe sehen die Schwestern Mutter Teresas in der Hilfe für Kranke, Arme und Obdachlose. In Sterbehäusern werden Todkranke gepflegt, in Schulen und Waisenhäusern Kinder betreut. Neben den drei klassischen Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams verpflichten sich die Schwestern auch zum Dienst an den Ärmsten der Armen. 1976 wurde in New York ein kontemplativer Zweig der Missionarinnen der Nächstenliebe gegründet; dessen Hauptaufgabe ist das Gebet.

1979 errichteten Schwestern Mutter Teresas die erste deutsche Niederlassung in Essen. Weitere Häuser entstanden in Berlin-Kreuzberg, Chemnitz, Mannheim, Hamburg, München und Frankfurt am Main. (KNA)