Missio warnt vor humanitärer Katastrophe im Jemen

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  • Konflikte - 10.03.2016

Das katholische Hilfswerk Missio Aachen befürchtet im Jemen eine größere humanitäre Katastrophe als in Syrien. Dort seien fast doppelt so viele Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, wie das Hilfswerk am Mittwoch mitteilte. 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder warteten im Jemen auf humanitäre Hilfe.

Der neue Länderbericht Religionsfreiheit zum Jemen kann auf der Missio-Website heruntergeladen werden.

Missio Aachen

Bei der Vorstellung eines neuen Themenheftes über den Jemen mahnte der Missio-Menschenrechtsreferent Mark Draser, trotz der Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung nach Europa die Lage im Jemen nicht zu übersehen. Seit März 2015 seien im Jemen durch militärische Gewalt 6.000 Menschen getötet und 28.000 verletzt worden. Zudem seien rund 2,5 Millionen von 24 Millionen Einwohnern auf der Flucht.

Das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens habe die Lage dramatisch verschlimmert, führte Draser aus. Neben Menschen seien auch Kulturgüter betroffen. „So wurden große Teile der historischen Altstadt von Sanaa durch die saudischen Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht.“ Sie gehört seit 1986 zum Weltkulturerbe der Unesco.

Ermordung von Ordensfrauen im Jemen

Auch die wenigen Christen im Land litten unter einem innerislamischen Konflikt, betonte Missio. Religion werde zur Legitimierung von Gewalt für machtpolitische Interessen missbraucht. Zuletzt habe die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im März ein christliches Seniorenheim des von Mutter Teresa gegründeten Ordens der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ in Aden angegriffen. Alle Mitarbeiter, darunter vier Ordensschwestern, seien vor den Augen der Bewohner getötet worden, ein Priester sei entführt, die Kapelle des Heims niedergebrannt worden, so der Autor des Missio-Länderberichts, Martin Gehlen, im Missio-Blog.

Papst Franziskus würdigte die vier ermordeten Mutter-Teresa-Schwestern am Sonntag beim Angelus-Gebet als Märtyrerinnen. Diese Ordensfrauen hätten ihr Blut für die Kirche gegeben. Franziskus betete für die getöteten Ordensfrauen der Gemeinschaft der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ sowie für die weiteren Opfer und deren Familien.

Laut dem Nahost-Experten Gehlen gab es in der einst weltoffenen Hafenstadt Aden, anders als im Nordjemen, stets eine christliche Präsenz. Während der britischen Kolonialherrschaft vor 1967 hätten 22 Kirchen existiert, von denen heute noch fünf übrig seien. Nach Beginn des Krieges zerstörten Terroristen eines der Gotteshäuser und steckten ein zweites in Brand. Auch der christliche Friedhof sei verwüstet worden. (lek/KNA/Missio)

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Der Missio-Länderbericht Religionsfreiheit zum Jemen steht unter www.missio-hilft.de zum Download bereit.

 

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