„Das ist Ansporn und Verpflichtung“

  • Berlin - 02.12.2014

Der Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes Missio in Aachen , Prälat Klaus Krämer, hat heute in Berlin eine Petition für die Freiheit der Christin Asia Bibi an die Bundesregierung übergeben. Asia Bibi war 2010 aufgrund des Blasphemie-Gesetzes in Pakistan zum Tode verurteilt worden. Ihr Fall ist derzeit vor dem Obersten Gericht in Pakistan anhängig und steht im Fokus einer internationalen Öffentlichkeit.

Christoph Strässer, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, nahm die insgesamt 18.425 Unterschriften entgegen. Im Interview mit Missio Aachen spricht Christoph Strässer darüber, was nun mit der Petition passiert.

Frage: Herr Strässer, welche Bedeutung haben Ihrer Meinung nach Petitionen für die Menschenrechtsarbeit überhaupt?

Am 19. Juni 2009 wurde die Christin Asia Bibi in Pakistan nach dem Vorwurf der Gotteslästerung verhaftet und im November 2010 zum Tod verurteilt. Missio Aachen

Strässer: Sie haben große Bedeutung. Denn sie bringen den Willen vieler Menschen zum Ausdruck, mehr für die Menschenrechte zu tun. Und die Forderung, dass die Bundesregierung, die Europäische Union und andere sich stärker engagieren – gegen einzelne Menschenrechtsverletzungen und für eine Welt, in der die Menschenrechte überall und jederzeit geachtet und geschützt werden. Das Eintreten so vieler Menschen für Freiheit und Leben Asia Bibis, im Rahmen der Petition ihres Missionswerks und vieler weitere Initiativen, steht exemplarisch dafür.

Frage: Was passiert mit den Unterschriften, die Ihnen von Missio übergeben werden? Wie werden sie in den politischen Willensbildungsprozess eingespeist?

Strässer: Mit ihren Unterschriften sagen uns alle 18.425 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner: Wir schauen hin. Wir machen Druck. Das ist Ansporn und Verpflichtung für uns als Bundesregierung und für mich persönlich als Menschenrechtsbeauftragter und für die Menschenrechte engagierter Parlamentarier. Wir werden weiter alles uns mit diplomatischen Mitteln Mögliche für eine Aufhebung des Urteils gegen Asia Bibi, gegen den Missbrauch der Blasphemie-Gesetze und für die Religionsfreiheit insgesamt tun.

Frage: Haben Sie sich selbst schon einmal an einer Petition beteiligt und warum?

Strässer: Selbstverständlich habe ich mich regelmäßig an Petitionen beteiligt, etwa vor wenigen Wochen an der „I belong“-Kampagne des UNHCR gegen Staatenlosigkeit. Staatenlose sind recht- und schutzlos. Trotzdem gibt es weltweit mehr als 10 Millionen staatenlose Menschen, alle 10 Minuten wird ein Kind ohne Nationalität geboren. Ich könnte viele weitere Beispiele nennen. Aber vorrangig bin ich als Politiker Adressat von Petitionen. Sie sind ein Mittel der Bürger, ihre Forderungen auszudrücken. Und bei Ihrer Petition sind die 18.425 Unterschriften auch ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Asia Bibi und ihrer Familie.

Quelle: www.missio-hilft.de

© Missio Aachen

Stichwort: Blasphemiegesetz

Das Blasphemiegesetz in Pakistan verbietet eine Verunglimpfung islamischer Stätten, Heiliger Schriften und des Ansehens des Propheten Mohammed. Wegen missbräuchlicher Anwendungen und der Möglichkeit der Verleumdung geriet das Gesetz wiederholt in die Kritik. Die sogenannten Gesetze zu „religionsbezogenen Vergehen“ – offiziell taucht das Wort „Blasphemiegesetz“ nicht auf – sind ursprünglich 1860 noch unter britischer Herrschaft in Kraft getreten. Nach der Staatsgründung Pakistans 1947 wurden sie übernommen und schrittweise erweitert. Die fünf umstrittensten Paragraphen wurden zwischen 1980 und 1986 während der Militärherrschaft von General Zia-ul-Haq eingeführt – darunter diejenigen, nach denen Asia Bibi verurteilt wurde. (lek mit Missio/KNA)

Weitere Inhalte