Es ist ein Desaster

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  • Salzburg - 02.04.2014

Der österreichische Amazonas-Bischof Erwin Kräutler wird gegen Ende der Woche Papst Franziskus über die Bedrohung der Indios und des Regenwaldes in Amazonien informieren. Wie die Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ (Dienstag) berichtet, will Kräutler dem Papst in einer Sonderaudienz vor allem die dramatischen Folgen des Megastaudamms Belo Monte aufzeigen.

Für das Kraftwerk wird eine große Schleife des Flusses Xingu trockengelegt. Gleichzeitig wird der Stausee dieses künftig drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt ein Drittel der Provinz- und Bischofsstadt Altamira überfluten. Bis zu 40.000 Bewohner der flussnahen Zone verlieren ihre Häuser. Einem Großteil wird auch die Lebensgrundlage als Fischer entzogen.

Die Ersatzquartiere für die rund 8.000 betroffenen Familien sind als dicht aneinandergebaute Reihenhaussiedlungen angelegt. Für die Fertigteilhäuser mit neun Zentimeter dünnen Betonmauern gibt die Kraftwerksgesellschaft nur fünf Jahre Garantie. Nach Angaben Kräutlers dürfte die hohe Luftfeuchtigkeit den Beton im Gegensatz zu den ortsüblichen Baumaterialien Holz oder Ziegel bald angreifen.

"Das ist Verfassungsbruch“

Bischof Erwin Kräutler zum Staudamm-Projekt "Belo Monte" und dessen Folgen für die indigene Bevölkerung.

Lena Kretschmann

Beinahe 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört

„Dieser ganze Eingriff in die Natur und in die Lebensgrundlagen Zehntausender Menschen ist umweltpolitisch, sozialpolitisch und rechtlich ein Desaster“, zitiert die Zeitung Kräutler. „Die brasilianischen Umweltbehörden haben Dutzende Prozesse gegen dieses Kraftwerk angestrengt und die meisten auch in der ersten Instanz gewonnen.“ Der Oberste Gerichtshof habe jedoch alle Verfahren niedergeschlagen.

Kräutler beklagte, dass beinahe 20 Prozent des Regenwalds in Amazonien bereits durch Brandrodung, landwirtschaftliche Nutzung und Wasserkraftwerke zerstört seien: „Nach Ansicht namhafter Wissenschaftler in Brasilien ist damit der Punkt erreicht, an dem das Ökosystem Regenwald kippen kann.“

Der Bischof berichtete von einem Denkmal, dass die Behörden an der Transamazonica im Bundesstaat Para errichtet hätten. Auf der Tafel stehe: „Wir betreiben die Conquista und die Kolonisation dieser grünen Erde“. Als Europäer traue man seinen Augen nicht, so Kräutler. 500 Jahre nach der Unterwerfung Amerikas gälten „Conquista“ und „Kolonisation“ in europäischen Geschichtsbüchern als gewaltsamer Prozess der Unterdrückung und Ausbeutung. Das Schwellenland Brasilien sehe in der Unterwerfung „der grünen Erde“ ein bloß wirtschaftliches Projekt. Wenn der Regenwald gestorben sei, habe dies verheerende Auswirkungen nicht nur in Südamerika, sondern auf die Erde insgesamt, warnte Kräutler.

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