So geht die Weltkirche mit dem Lockdown um

  • Corona-Pandemie - 14.10.2020

In Deutschland werden die Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Infektionen wieder strenger. Wieder wird überlegt, wie kirchliches Leben unter Lockdown-Bedingungen möglich sein kann. Ein Blick in die Weltkirche gibt hier spannende Anregungen.

Begrenzte Besucherzahlen bei Gottesdiensten

Mindestabstand, Mundschutz, Desinfektion und eingeschränktes Mitsingen und -beten: So gehen die meisten Bistümer in Deutschland mit der Ausnahmesituation um. In manchen Nachbarländern gibt es dagegen Vorgaben, wie viele Personen maximal gleichzeitig an einem Gottesdienst teilnehmen dürfen. In den Niederlanden beispielsweise sind maximal 30 Teilnehmende möglich, in Tschechien sogar nur 10 – außer bei Gottesdiensten im Freien, da sind 20 Personen zugelassen. Priester und liturgisches Personal wie Ministranten, Kantoren, Organistinnen und Küster werden dabei nicht mitgezählt.

Im Erzbistum Prag empfahl Weihbischof Zdenek Wasserbauer, zusätzliche Gottesdienste zu feiern und die Kirchen zumindest am Sonntag offen zu halten.

Friedhofsbesuche zu Allerheiligen – nur mit Voranmeldung

Auf der Insel Mallorca sind um Allerheiligen (1.November) aufgrund der aktuellen Pandemie-Beschränkungen die traditionellen Friedhofsbesuche nur nach Voranmeldung möglich. Diese muss ab dem 19. Oktober telefonisch oder über ein Online-Formular erfolgen. Zudem wird der Friedhof von Palma in Zonen eingeteilt, um Kontakte zu vermeiden. Für den Besuch mehrerer Zonen sind mehrere Anmeldungen notwendig. Eingelassen werden Einzelpersonen oder Gruppen von bis zu zehn Personen, die einen Mund-Nasenschutz tragen und die Abstandsregeln einhalten. Die Stadt empfiehlt Besuche auch vor und nach dem 1. November, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Die großen Messen und Konzerte zu Allerheiligen wurden in Palma de Mallorca in diesem Jahr abgesagt.

(Familien-)Gottesdienste unter freiem Himmel

Insbesondere für Familien mit kleinen Kindern mit viel Bewegungsdrang ist der Besuch von Gottesdiensten mit Abständen, festen Laufwegen und Hygienemaßnahmen eine große Herausforderung. Hier bietet sich daher ein Gottesdienst im Freien, unter einem Sonnensegel oder einem Vordach an. In vielen Regionen der Welt ist das normal: Besonders in tropischen Regionen, wo aufgrund der Hitze jeder Luftzug zur willkommenen Abwechslung wird, sind viele Kirchen sehr offen gebaut und damit bestens belüftet. Dabei kommt es vor, dass sich die Natur bemerkbar macht: Manchmal bewegen sich Vögel, Hunde oder Käfer durch den Raum, bei tropischen Abendgottesdiensten können es auch mal Fledermäuse sein. Der Wind pustet Blätter durch die Reihen. Am besten wird dies in den Gottesdienst eingebunden: Die Schöpfung feiern – und erleben!

Dabei ist es wichtig, die Wetterverhältnisse zu beachten: Schon bei der Einladung sollte auf warme Kleidung und gegebenenfalls Decken oder Sitzkissen hingewiesen werden. Auch sollte trotz allem auf Abstand und Mund-Nasenschutz geachtet, sowie die Datenerhebung zur Kontaktverfolgung durchgeführt werden.

Hausgottesdienste

Die Bischofskonferenz in Argentinien stellt für jeden Sonntag eine (spanischsprachige) Arbeitshilfe für Hausgottesdienste ins Internet. Darin finden sich Gebete, Lieder, und Reflexionen ebenso wie Ausmalbilder oder Ideen für eine kleine Feier im Kreise der Familie. Mancherorts wird diese Arbeitshilfe ausgedruckt und verteilt, jeder kann sie sich auch herunterladen.

In Deutschland kann man nicht nur im Internet entsprechende liturgische Hilfen finden. Auch im katholischen Gotteslob finden sich zahlreiche Anregungen zur Feier von Hausgottesdiensten über das gesamte Kirchenjahr hinweg.

Und warum nicht die Oma oder ein paar Freunde einladen, per Video-Telefonie am Hausgottesdienst teilzunehmen?

Kontaktvervolgung

In Österreich müssen bei Gottesdiensten in der Kirche nicht nur die Kontaktdaten aufgenommen werden, sondern auch der Sitzplatz und die Reihe vermerkt werden. Dieses kann durch das reihenweise Einsammeln der Kontaktdatenblätter ermöglicht werden, aber auch durch ein Foto der Feiergemeinde, das man nach vorheriger Information der Anwesenden zu diesem Zweck knipst und nach spätestens 28 Tagen wieder löscht.

Pilgern – virtuell, aber lebendig

Normalerweise pilgern in der ersten Oktoberwoche tausende Menschen zum chilenischen Wallfahrtsort Andacollo. In diesem Jahr war allerdings auch dort Corona-bedingt alles anders. Dennoch konnten diesmal wieder tausende Menschen an der Wallfahrt teilnehmen; die chilenische Bischofskonferenz berichtet sogar von vielen Zuschauenden aus mehreren Nachbarländern.

Das besondere: Während der Vorbereitung der Wallfahrtswoche stellte das Erzbistum La Serena in den Vordergrund, dass sich die „Virgen del Rosario de Andacollo" per Internet hin zu den Menschen bewegt, bis in jedes Haus hinein. Erzbischof René Rebolledo Salinas erinnerte in einer der zahlreichen Gottesdienstübertragungen im Zusammenhang mit der Wallfahrt an die traditionellen Tänzerinnen und Tänzer, sowie an diejenigen, die in diesem Jahr das Heiligenbild gemeinsam durch die Stadt getragen hätten. Nun müssen sie zu Hause feiern, lediglich ein Vertreter jeder wichtigen Gruppe konnte stellvertretend an einem der Gottesdienste teilnehmen. Viele Familien haben daher zu Hause selbst kleine Altäre aufgebaut, um gemeinsam mit der Familie feiern.

Solidarität zeigen

Als Anfang des Jahres ein bis dahin kaum bekanntes Sars-Corona-Virus-2 begann, sich in Deutschland zu verbreiten, gingen bei vielen weltkirchlich Aktiven in Deutschland Solidaritätsbekundungen und Nachfragen aus aller Welt ein. Lateinamerikanische Ordensleute schickten Gebete, afrikanische Priester fragten nach dem Wohlbefinden und vielerorts wurde per WhatsApp, Telefon oder Facebook um eine Einschätzung der Situation gebeten. Heute ist es auch an uns, Solidarität zu zeigen. Die Corona-Kollekte im September war ein Zeichen dieser Solidarität. Der Blog von Missio München oder die Video-Serie von Adveniat ein weiteres.

Es gibt aber auch andere Wege, wie Schwester M. Anna Schenck CJ in einer Predigt-Skizze schreibt:

„Nicht jeder von uns kennt Menschen in Asien, in Afrika, Lateinamerika, Osteuropa, in einer vom Virus besonders betroffenen Region. Aber wo dies der Fall ist, auch durch Projekte, die wir bereits unterstützt haben, kann ein Brief, eine EMail, eine Whatsapp-Nachricht ein wertvolles Zeichen der Solidarität sein. Die Menschen wissen lassen, dass wir sie nicht vergessen haben, dass wir an sie denken und für sie beten, kann schon viel bedeuten – und einen enormen Unterschied für die Betreffenden machen. So, wie wir alle unterschiedliche Erfahrungen in der Corona-Krise gemacht haben und machen, so sind unsere Möglichkeiten, unser Mitgefühl mit den Menschen in anderen Ländern zu zeigen, vermutlich auch verschieden. Wichtig ist, dass wir uns anrühren lassen und geschwisterlich handeln.“

In vielen Kirchengemeinden gibt es Solidaritäts-Gruppen, MEF-Kreise oder andere Foren, die häufig schon sehr lange freundschaftliche Beziehungen in der Weltkirche unterhalten und an die man sich hierzu wenden kann.

Auch ist die derzeitige Situation eine Chance, Neues auszuprobieren. So haben beispielsweise Missio Aachen und Renovabis spannende Online-Kongresse organisiert, an denen auch zahlreiche Personen aus den Partnerländern aktiv teilgenommen haben. Neben hochwertigem Inhalt gab es dabei etwas ganz besonderes: Es wurde nicht nur über Menschen in den Partnerländern gesprochen, sondern mit ihnen. Immer wieder ermöglichten eingeschaltete Kameras hier ganz persönliche Einblicke in Wohnzimmer und Büros auf der ganzen Welt – was bei einer Konferenz unter normalen Bedingungen nicht möglich gewesen wäre.

Die Partnerschaften Ecuador-München und Dunningen-Chachapoyas konnten zeigen, dass gemeinsame, mehrsprachige und simultane Online-Feiern und Gottesdienste möglich sind. Hier lohnt es sich übrigens, zu den Live-Elementen vorab auch noch ein paar Aufnahmen wie Grußbotschaften anzufertigen – falls die Technik dann doch streiken sollte.

Totengedenken

In der Corona-Zeit ist es oftmals nicht möglich, sich persönlich von Freunden und Angehörigen zu verabschieden, die im Sterben liegen. Auch beim Totengedenken und bei Beerdigungen ist es häufig schwierig, die Trauernden persönlich zu begleiten. Einige Ideen, die auf den ersten Blick seltsam anmuten mögen, hatten Priester der nordperuanischen Diözese Chachapoyas und des kolumbianischen Erzbistums Bogotá:

Das Seelenamt, beziehungsweise die Trauerfeier wird hier live im Internet übertragen, entweder öffentlich über Plattformen wie Facebook oder Youtube oder auch etwas persönlicher über Videokonferenzanbieter, die nur einer geschlossenen Gruppe den Zugang ermöglichen. Der Moment der Beisetzung selbst ist beispielsweise in Bogotá in vielen Kirchengemeinden dann den direkt Anwesenden vorbehalten. Übertragen wird lediglich die Trauerfeier. Im Falle einer solchen Übertragung ist es wichtig, eine Person damit zu beauftragen, die einen gewissen Abstand zur Situation mitbringt und die Trauernden nicht zur Schau stellt. Was nicht gezeigt werden soll, wird vorab festgelegt, ebenso Anfangs- und Endmoment der Aufnahme. Auch sollte besprochen sein, ob nur "Live-Teilnehmende" das Video sehen –  oder ob es auch nachträglich noch angeschaut werden können soll. Zudem muss vorab die Internetverbindung geprüft werden: Es sollte mindestens 4G-Geschwindigkeit sowie ein großzügiger Datentarif zur Verfügung stehen. Auch der Seelsorger oder die Seelsorgerin sollte vorab informiert sein.

In Internetgottesdiensten wird stets der Verstorbenen und der Kranken gedacht. Diese werden mit Namen genannt, wie beim traditionellen Messgedenken. Hierdurch kann die Trauer auch in einem größeren Kreis geteilt werden.

Gedenken an symbolischen Orten: Da oftmals nur wenige Menschen an der Trauerfeier teilnehmen können, gibt es Orte wie Wegkreuze oder Feldkapellen, an denen im Gedenken an die Verstorbenen über den Tag verteilt Kerzen aufgestellt und Gebete gesprochen werden können, ohne dass es zu größeren Menschenansammlungen kommt.

Zudem können virtuelle Gebetsräume wie jener von Missio Aachen oder von den Steyler Missionaren genutzt werden. Übrigens: Auch gemeinsame Gebete sind über Videokonferenzprogramme möglich!

Virtuelle Gebetsräume

Er kann den persönlichen Kontakt und das gemeinsame Gebet nicht ersetzen, im Alltag unter Corona-Bedingungen aber dennoch zum spirituellen Ort werden: Der virtuelle Gebetsraum. Neben der Möglichkeit von Videokonferenzen gibt es spezielle Gebetsräume im Internet. So lädt beispielsweise Missio Aachen unter https://www.missio-betet.de zum gemeinsamen Beten ein. Jeder kann hier eine Fürbitte hinterlassen. Auch die Steyler Missionare haben einen Ort für Fürbitten geschaffen. Und in der Steyler Online-Kapelle kann man sogar virtuelle Kerzen anzünden.

Weitere Ideen

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© Text: DR/Weltkirche.de mit Informationen von KNA