Zentrum für Ökospiritualität in Nordostindien

  • Umwelt-Enzyklika - 09.08.2019

Die Franziskaner in Nordostindien wollen sich dem Erhalt der Schöpfung widmen und dies auch spirituell untermauern. Deshalb haben sie ein Zentrum für Ökospiritualität gegründet, das einerseits nachhaltige Anbaumethoden vor Ort fördert, zugleich aber auch geistliche Exerzitien anbietet.

Die 1901 vom Deutschen Paulus Moritz gegründete Brüderkongregation der „Missionsbrüder vom Heiligen Franziskus von Assisi“ hat seit 1976 ihre Arbeit im Nordosten Indiens ausgebaut: 65 Brüder, zum großen Teil Einheimische, arbeiten in 14 Zentren der Region mit den Schwerpunkten: schulische und Berufsbildung, Spitäler, angepasste Landwirtschaftsmethoden. Fünf weitere Zentren wurden bereits an Bistümer vor Ort übergeben. Das geplante Projekt soll in der juristischen Verantwortung durch den Generalsuperior durchgeführt werden, der in Mumbai residiert.

Ökospiritualität in Nordostindien

Franziskaner entwickeln auf einer Modellfarm in Orlong Hada neue Ideen für einen ökologischen Landbau.

Missio München

Die Schwerpunktarbeit in modernen angepassten Landwirtschaftsmethoden hat vor allem im größeren Einzugsbereich Lum Assisi, der 1977 begonnenen Mission Umsiang-Maiong, die Elemente der Zivilisation (Infrastruktur, Brücken, Elektrizität, Bildung, etwa eine Schule mit über 400 Kindern und ein Hostel für 86 Stammeskinder) gebracht. Andererseits hat die Arbeit gezeigt, dass die traditionellen Anbaumethoden des lokal vorherrschenden Volksstamms der Tiwa , die sogenannte „Jhum-cultivation“, zu Bodendegradation und Walderosion führen und langfristig zur Klimaverschlechterung.

Daher haben die Brüder bereits an einigen Stellen erfolgreich ein alternatives Anbaukonzept eingeführt, das auf dem Gummianbau und einer Kombination weiterer Anbaumethoden beruht wie Gewürzgärten, Fischteiche, Geflügel- und Schweinezucht, Obstplantagen.

Ziel ist es, in dem über 36 Hektar großen Gelände einen auf der Basis franziskanischer Ökospiritualität beruhenden landwirtschaftlichen Musterbetrieb einzurichten. Des Weiteren soll ein viergeschossiger Bau mit 37 Einzelzimmern, Schlafsaal und Gemeinschaftsräumen gebaut werden, in dem die Zielgruppe, also Kleinbauern und Landarbeiter vor allem der Tiwa-Ethnie angepasste Kurse und Lerneinheiten zu ökologisch-nachhaltigem Wirtschaften mit dem Ziel der Erhaltung der Schöpfung erhalten sollen.

Da ein vergleichbares Zentrum mit dieser Ausrichtung im ganzen Nordosten Indiens nicht existiert, könnte das Zentrum auch Bildungs- und Exerzitieneinheiten in der franziskanischen Spiritualität der Erhaltung der Schöpfung anbieten.

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Die Vorarbeiten zur Instandsetzung des Musterbetriebs in Orlong Hada sind bereits seit einigen Jahren im Gange. Die konkreten Kosten für das viergeschossige, zweckmäßig geplante Bauwerk werden zu je 50 Prozent aus Eigenmitteln (Generalat sowie deutsche Niederlassung Bamberg) und aus Fremdmitteln aufgebracht werden müssen. Angefragt sind zu je 25 Prozent das Erzbistum Köln und Missio München. Die Betriebskosten sollen später durch die Einkünfte der (noch anzulegenden) Gummibaumplantage sowie durch Teilnehmergebühren und externe Programmfinanzierungen gedeckt werden.

Das Vorhaben fügt sich in die Bemühungen der Ortskirche, punktuelle Maßnahmen zur Erhaltung der Schöpfung auszuweiten und in ganzheitlicher Form, auch spirituell untermauert, einzuführen. Das Zentrum St. Francis in Orlang Hada wurde am 08. Dezember 2017 eingeweiht. Geplant ist nun ein eigener Konvent für die Brüder, die bislang noch in den Unterkünften für die Gäste wohnen.

© Erzbistum Köln/cze

 

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