An der Grenze des Überlebens

  • © Bild: Sr. Petra Pfaller/Missionarinnen Christi
  • Brasilien - Grundversorgung für Familien

Brasilien ist eines der Länder mit den weltweit meisten Corona-Todesopfern. Drei Regensburger Ordensschwestern unterstützen Familien, die wegen des Lockdown kein Einkommen mehr haben – und daher keine Lebensmittel kaufen können. Dafür brauchen sie dringend Hilfe.

„Die Aktion hat Anfang April 2020 begonnen, als die Folgen der Pandemie in Brasilien lebensbedrohlicher wurden und sich die Krankheit immer weiter ausbreitete“, erklärt Sr. Gertrud Fokter MC. Es sei absehbar gewesen, dass die Familien, die in informeller Arbeit ihr Geld verdienen, am meisten darunter leiden würden.


‚Schnelle und unbürokratische Hilfe‘ war folglich die Idee der Missionarinnen Christi in Brasilien. Sie erkannten schnell, wie dramatisch der Corona-Lockdown für viele Familien werden würde und wie er sie bald schon an die Grenze des Überlebens bringen könnte.

Das soziale Leben kam dann tatsächlich zum Stillstand und zahlreiche Familien, besonders in den Stadtrandgebieten von Städten wie Goiânia (Goias) und Vila Velha (Espirito Santo) gerieten in große Armut. Drei Missionarinnen Christi aus der Diözese Regensburg, die dort tätig sind, entwickelten an ihren Einsatzorten ein akutes Nothilfesystem. Mangelware waren in erster Linie Grundnahrungsmittel, aber auch die Belieferung mit dort üblichen 13-Liter-Kochgasflaschen wurden immer notwendiger.

Zunächst starteten sie einen Aufruf per Facebook und über weitere Soziale Medien in Brasilien, um lokale wohlhabendere Familien um Unterstützung zu bitten. Durch diese Unterstützung konnten Gutscheine für Lebensmittelpakete mit Grundnahrungsmitteln im Wert von umgerechnet 15 Euro organisiert und finanziert werden. Davon kann eine fünfköpfige Familie etwa 2 Wochen lang leben. Ein Jugendlicher im Stadtrandbezirk von Goiânia Viva (Goiania) übernahm die Koordination vor Ort, und in Vila Velha (Espirito Santo) organisiert Sr. Theresa Weiss gemeinsam mit dem Koordinator der Vinzentiner-Vereinigung die Ausgabe der Lebensmittelpakete.

Das Projekt auf einen Blick

Hoffnung bringen

Land: Brasilien

Zielgruppe: Familien in der Peripherie und Angehörige von Gefängnisinsassen

PartnerInnen vor Ort: Missionarinnen Christi in Brasilien

Unterstützende Organisation: Diözese Regensburg

Voraussichtliche Projektkosten: 15 € pro Hilfspaket

Art der Hilfe: Lebensmittel- und Kochgasgutscheine; Grundversorgung

Mehr als 600 Familien erhalten Unterstützung.

Bedürftige Familien, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, wenden sich direkt an die Schwestern. Regionalleiterin Sr. Barbara Kiener und ihre Stellvertreterin Sr. Gertrud Fokter MC, melden die Namen an den zuständigen Koordinator, der dann Tickets an die Familien ausgeben kann. Weit über 600 Familien werden auf diesem Weg bereits regelmäßig unterstützt.

Als der Bedarf dann dramatisch anstieg, reichten die Kapazitäten der lokalen Spender nicht mehr aus. Daher entschieden die Missionarinnen Christi, ihren Hilferuf auf ihre Spender und Partner*innen in Europa auszuweiten. Im Rahmen der Aktion „Hoffnung bringen“ konnte bereits eine Reihe von Unterstützer*innen gewonnen werden, darunter das Bistum Regensburg. Weitere Unterstützung ist nun nötig, um das Projekt auch weiter finanzieren zu können.

Die Schwestern gehen davon aus, dass die Krise noch über einen langen Zeitraum andauern wird und sich der Bedarf wegen der sozialen Ungleichheit oder Ungerechtigkeit im Land besorgniserregend ausweitet. Gerade unter der aktuellen politischen Führung spitzt sich die Lage für die Familien in Not dramatisch zu, es besteht keinerlei Aussicht auf effektive staatliche Unterstützung oder Hilfsangebote.

Hilfe für Angehörige von Gefängnisinsassen

Ein besonderes Augenmerk legt das Projekt „Hoffnung bringen“ auf die Angehörigen und die Familien von Gefängnisinsassen. Seit 25 Jahren ist die Regensburgerin Sr. Petra Silvia Pfaller, Missionarin Christi, federführend in der Gefängnisseelsorge in Brasilien tätig. Seit 2019 ist sie Vorsitzende der brasilianischen Gefängnisseelsorge.

„Die Verhältnisse für Gefängnisinsassen sind ohnehin menschenunwürdig und katastrophal“, so Sr. Petra. Die Häftlinge seien in der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln in den meisten Fällen von ihren Familienangehörigen und der Seelsorge abhängig, berichtet die Ordensschwester. Wenn diese Versorgungsschiene wegen des Lockdowns und eines Besuchsverbots für Familienangehörige nun nicht mehr gewährleistet werden kann, verschärft sich die sowieso schon extreme Situation von Gefängnisinsassen und ihren Angehörigen weiter. Die Zahl Covid-19-positiver Haftinsassen ist dramatisch hoch. Derzeit ist kein Ende der Pandemie in Brasilien absehbar, es gibt noch immer mehr als 1000 neue Todesfälle in Brasilien – täglich.

Mit ihrer Hilfe wirken die Missionarinnen Christi in unterschiedliche Gesellschaftsbereiche hinein, indem sie direkt bei den verarmten Familien ansetzen. Diese Unterstützung wird so lange weitergeführt, wie es die Situation verlangt. Dafür brauchen die Missionarinnen Christi Ihre Spende.

Unterstützen

Durch die Corona-Krise sind viele Menschen in den Stadtrandgebieten unserer Einsatzorte in Brasilien in existenzielle Not geraten. Die Missionarinnen Christi leisten vor Ort Soforthilfe mit Lebensmittelpaketen und Kochgas für mittellose Familien.


Weitere Informationen

© Text: Bistum Regensburg und Missionarinnen Christi

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